Ferdinands Rettung: eine neue Lunge!
In Deutschland warten 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Hast du schon mal darüber nachgedacht, einen Organspendeausweis auszufüllen? Du könntest damit anderen Menschen helfen. Ferdinand hat solche Hilfe bekommen: Dank eines Spenderorgans genießt er sein Leben – ohne wäre er längst tot.
Ferdinand ist 17 und muss zur Musterung. Der Arzt stellt fest, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt. Spezialisten vermuten eine harmlose Lungenkrankheit, eine operativ gesicherte Diagnose wird nicht gestellt. Die Lunge wird weiter in immer größeren Abständen kontrolliert. Es verändert sich nichts. Als Ferdinand Mitte 20 ist, möchte er eine Weltreise machen. Sicherheitshalber lässt er sich vorher durchchecken. Befund diesmal: Ferdinands Lungenwerte haben sich drastisch verschlechtert. Ferdinand reist trotzdem, genießt die Tour, auch wenn er sich nicht topfit fühlt. Wahrscheinlich liegt’s am Studium, denkt er. Wer viel lernt und abends feiert, darf auch mal schlapp sein.
Als Ferdinand zurück in Deutschland ist, lässt er sich erneut untersuchen. Ärzte entnehmen eine Probe aus seiner Lunge – und siehe da: Er ist krank. Die Diagnose lautet: „Nicht spezifische Lungenfibrose (NSIP)“. Das ist eine Krankheit, bei der das Lungengewebe zunehmend vernarbt, ohne dass die Ursache bekannt ist. Die Gefährlichkeit dieser Krankheit wird ihm nicht mitgeteilt. Er beginnt zu arbeiten und wird parallel behandelt. Aber die Ärzte behandeln Ferdinand nach veralteten Leitlinien, geben ihm falsche Medikamente. Seine Krankheit kommt richtig ins Rollen. In der darauf folgenden Zeit geht es ihm immer schlechter. Seine Lunge kollabiert häufig und muss stabilisiert werden. Bei dieser Operation wird erneut eine Gewebeprobe entnommen. Diesmal lautet die Diagnose „idiopathische Lungenfibrose“, eine fortgeschrittene Form der NSIP für die es bis heute keine wirksamen Therapieansätze gibt. Die Ärzte geben Ferdinand noch bis zu drei Jahren. Als er dies erfährt, ist er gerade mal 26 Jahre alt.
Ferdinand wird an eine Fachambulanz weiter verwiesen. Was dem jungen Mann zu dem Zeitpunkt keiner sagt: Eine Transplantation könnte ihm helfen. Er recherchiert selbst, findet im Internet aber nur veraltete Infos, die auf geringe langfristigen Überlebenschancen hinweisen. Ferdinand zweifelt an der Sinnhaftigkeit einer Operation, die für alle Beteiligten lediglich das Leiden verlängert. Will nicht an seinem Leben kleben. Er führt aber ein Transplantationsgespräch mit der Fachambulanz, in dem er auf die Medizinische Hochschule Hannover aufmerksam gemacht wird.
Dort klären ein Lungenspezialist und ein Chirurg ihn schließlich über die Möglichkeiten einer Transplantation auf. Extrem professionell und geschult erklären sie, dass die Chancen heute bereits sehr gut stehen, langfristig mit einem Spenderorgan zu leben und dass auch eine erneute Transplantation möglich sei. Sollte er es also doch wagen? Ferdinand beschließt, diesen Schritt zu gehen. Er wird auf die Warteliste gesetzt. Die Wartezeit liegt dort bei ca. 2 Jahren.
Als wiederholt Blutungen in der Lunge aufkommen, wird Ferdinand auf die höchste Dringlichkeitsstufe der Warteliste gesetzt, die für Patienten in akute Lebensgefahr vorgesehen ist. Er wartet ab sofort im Krankhaus in Hannover. Vier Wochen vergehen.
Am 3. September 2007 ist es endlich soweit: Ferdinand erhält eine Spenderlunge eines jungen verstorbenen Menschen. In einer rund fünfstündigen Operation entfernen ihm die Ärzte zunächst einen Lungenflügel. Während der andere weiteratmet, transplantiert das OP-Team einen Spenderflügel. Danach tauschen die Ärzte den zweiten Flügel aus.
Auch wenn danach nicht alles glatt lief, heute führt Ferdinand ein fast normales Leben. Doch dazu später mehr. Jetzt bist erstmal du dran:
Auch du kannst Leben retten!
Hast du einen Organspendeausweis? Sorry für diese direkte Frage, aber ich stell’ sie nicht ohne Grund. Ich gehe nämlich davon aus, dass die meisten von euch jetzt mit einem „Nein“ antworten. Dabei warten in Deutschland 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan! Ein Wettlauf gegen die Zeit!
Keine Sorge, ich will dich nicht unter Druck setzen. Aber mal drüber nachzudenken, macht schon Sinn. Immerhin konnte in den vergangenen 45 Jahren schon rund 90.000 Menschen in Deutschland durch eine Organtransplantation das Leben gerettet werden.
Dass viele Menschen keinen Ausweis haben, hat unterschiedliche Gründe. Manche Christen sagen zum Beispiel, eine Organtransplantation im Krankheitsfall wäre nicht im Sinne Jesu. Schließlich hat er seinen frühen Tod auch nicht verhindern wollen. Hinzu kommt, dass wir Christen keine Angst vor dem Tod haben müssen - also warum das Leben verlängern?
Ein anderer Grund, keinen Organspendeausweis zu besitzen, ist die Angst vor Missbrauch bei einer ernsthaften Erkrankung. Oder vor schlimmen Verletzungen. Von Organhandel ist schließlich immer mal wieder die Rede, im Internet sind die schlimmsten Meldungen zu lesen.
Der Hauptgrund, warum Menschen keinen Organspendeausweis haben, dürfte aber dieser hier sein: Die Meisten haben noch nie genauer darüber nachgedacht. Wer denkt als junger Mensch schon ans Sterben? Wer will in der Blütezeit seines Lebens darüber nachdenken, was nach dem Tod mit seinen Organen passieren soll? Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn du bis jetzt nicht gewusst hast, wo du überhaupt einen Spenderausweis herbekommst. Stell’ dir nun aber mal vor, du würdest selbst ein Spenderorgan benötigen – wärst du nicht dankbar, wenn möglichst viele Menschen einen Organspendeausweis hätten? So wie andere dir helfen können, kannst du anderen helfen! Deshalb: Nimm’ dir ein wenig Zeit und denk’ darüber nach, ob es für dich in Frage kommt, später einmal Organspender zu werden. Egal ob du dich dafür oder dagegen entscheidest, schieb’ diesen Entschluss nicht allzu weit hinaus. Die nachfolgenden Infos sollen dir bei der Entscheidungsfindung helfen:
Wenn du nicht entscheidest, tun’s die Angehörigen
Weltweit herrscht ein enormer Mangel an Spenderorganen. Viele Menschen warten lange Zeit vergeblich auf ein passendes Organ und müssen sterben. Denn einfach einem Toten seine Organe zu entnehmen, das ist nicht erlaubt. Damit eine Transplantation vorgenommen werden kann, muss der Verstorbene sich zu Lebzeiten für eine Organspende entschieden und das schriftlich festgehalten haben, am besten in einem Organspendeausweis. Verstirbt jemand unerwartet und es liegt kein solches Dokument vor, treffen die nächsten Angehörigen die für sie schwierige Entscheidung, ob Organe entnommen werden dürfen oder nicht.
Egal ob du dich dafür oder dagegen entscheidest: Es gibt es kein richtig oder falsch. Wichtig ist nur, dass du gründlich drüber nachdenkst und zu einem Entschluss kommst. Den solltest du – auch wenn’s unangenehm ist – deiner Familie mitteilen.
Was sagt die Bibel?
Im 1.Korinther 15, 35-49 geht es um Auferstehung und das Leben nach dem Tod. Paulus stellt klar: Unser geistlicher Leib wird auferstehen, der Körper vergeht. Es spricht aus biblischer Sicht also nichts dagegen, nach dem Tod die eigenen Organe zu spenden.
Leben Organspender gefährlicher?
Was ist, wenn ein Mensch mit Organspendeausweis selbst schwer krank wird? Lassen Ärzte diese Menschen sterben, damit andere an die Organe kommen? Manche Menschen befürchten das, die klare Antwort lautet aber: Niemand erfährt im Krankheitsfall oder nach einem Unfall eine schlechtere medizinische Vorsorgung erfahren als andere Menschen. Oberstes Gebot für alle Ärzten ist nämlich, das Leben des Patienten zu retten.
Und was ist, wenn eine Person mit Spenderausweis einen Hirnschaden erleidet, der sich trotz aller Bemühungen und intensiver Therapie nicht beheben lässt? Antwort hier: Bevor es zu einer Entnahme von Organen kommt, müssen zwei von einander unabhängige Ärzte den Hirntod des Patienten feststellen. Hirntod bedeutet, dass das Gehirn nicht mehr arbeitet und dies auch sicher nie wieder tun kann, der Patient ist naturwissenschaftlich-medizinisch tot. Erst wenn beide Ärzte dies bestätigt haben, können weitere Schritte eingeleitet werden. Die Organe werden dann auf ihre Gesundheit überprüft und anschließend an einen geeigneten Spender vermittelt.
Wer vermittelt die Organe?
Die Vermittlung von Organen erfolgt in Deutschland, indem die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) alle wichtigen Daten über die Spenderorgane an die Organvermittlungsstelle Eurotransplant (ET) gibt. Die wiederum sucht dann einen passenden Empfänger. Die DSO tritt anschließend mit dem Krankenhaus in Kontakt und organisiert die Organentnahme des Verstorbenen. Der Tote wird anschließend ganz normal bestattet.
Wo gibt’s weitere Infos?
Wenn du mehr erfahren möchtest, kannst du dich auf der Homepage der DSO http://www.dso.de gezielter über Organspenden und Organtransplantationen informieren.
Wo gibt’s den Organspendeausweis?
Einen Organspendeausweis bekommst du ebenfalls auf http://www.dso.de, außerdem in vielen Arztpraxen und Apotheken.
Ferdinand lebt jetzt bewusster
Nach der Operation gab’s Komplikationen, doch jetzt lebt Ferdinand ein fast normales Leben. Allerdings hat er sein Leben neu geordnet: Genuss und Freunde stehen jetzt ganz oben, Karriere ist ihm weniger wichtig als früher.
Blick zurück auf die OP: Ferdinands Freunde wissen, dass es sich um einen riskanten Eingriff handelt. Die Gefahr, dass Ferdinand nicht mehr aufwacht, ist groß. Sie beten stundenlang für ihren Freund. Dann die freudige Nachricht: Die Operation ist gut verlaufen. Ferdinand wacht auf, ist zwar noch erschöpft, aber froh, noch zu leben. Zum ersten Mal seit langer Zeit merkt er wieder, wie es sich anfühlt, atmen zu können. Schnell beginnt Ferdinand sich immer besser zu fühlen. Nach drei Wochen wird er aus dem Krankenhaus in eine 4-wöchige Reha entlassen. Dort und in den darauf folgenden Wochen wird es allerdings noch einmal hart für ihn. Dreimal stößt sein Körper die neue Lunge ab. Er bekommt Kortisonschübe über mehrere Tage und die Medikamente werden umgestellt. Ab dann läuft alles glatt.
Recht schnell kehrt er zurück ins Alltags- und Berufsleben. Seine neue Lunge fühlt er nie als Fremdkörper, sondern als seine eigene, die nun endlich wieder gesund ist. Vorsichtig muss Ferdinand aber dennoch sein. Durch Medikamente muss sein Immunsystem permanent geschwächt werden, damit der Körper die neue Lunge nicht wieder abstößt. Konzert- oder Discobesuche sind nicht möglich. Zu groß ist die Gefahr, dass er sich eine Infektion einfängt. Das alles stört ihn aber nicht so sehr. Die Freude über seine neu gewonnene Gesundheit überwiegt bei weitem.
Auf die Frage, was sich seit der Transplantation für ihn geändert hat, antwortet Ferdinand: „Du schätzt die Dinge mehr.“ Die Prioritäten haben sich geändert. Zeit mit Freunden zu verbringen und das Leben zu genießen sind nun wichtiger als die berufliche Karriere. Er geht gern zum Sport und macht viel Ausdauertraining. Das ist gut so, denn Priorität Nummer eins bleibt es, nicht krank zu werden. Kontakt zu der Familie des Organspenders hat Ferdinand übrigens nicht. Das ist in ganz Europa verboten.
Ferdinand darf heute ein fast normales Leben führen, weil ein anderer Mensch sich entschieden hat, nach dem Tod seine Organe zu spenden. Jesus wollte sein Leben nicht verlängern, das stimmt schon. Aber es ist sicherlich auch nicht sein Wille, dass ein junger Mensch sterben muss. Gott hat uns mit Vernunft und Intelligenz ausgestattet, ansonsten wäre medizinischer Fortschritt nicht möglich. Die Möglichkeiten, die uns gegeben werden um zu helfen und uns helfen zu lassen, sollten wir nutzen.
Gott hat sicherlich noch eine Menge mit Ferdinand vor, ansonsten hätte er die riskante Operation vielleicht nicht so gut überstanden.
Franziska Bigalke
Was meint ihr? Findet ihr Organspenden sinnvoll oder nicht? Oder habt ihr vielleicht schon einen Organspendeausweis? Wir würden uns freuen, wenn wir im Board darüber diskutieren können >>