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Warum Menschen sich selbst verletzen

Es gibt verschiedene Formen der Selbstverletzung, darunter einige besonders typische: Dazu zählen das Ritzen mit Rasierklingen, Scherben oder anderen scharfen Gegenständen, das ständige Aufkratzen von alten Wunden, aber auch Beißen, Abschnürungen oder Haare herausreißen. Auch ungesunde Ernährung, exzessiver Sport und zu wenig Schlaf können selbstverletzende Handlungen sein.

Was passiert mit den Menschen?

Betroffene reden immer wieder von einer inneren Leere, wenn sie nach ihren Gefühlen gefragt werden. „Ich spüre mich einfach nicht mehr, es ist so, als wäre ich gar nicht mehr da.“ So oder ähnlich beschreiben sie ihre Gefühle. Für SVVler ist es eine Art Selbstfürsorge, wenn sie sich verletzen. Klingt unlogisch? Ja, aber nur im ersten Moment. Indem sich die Betroffenen selbst verletzen, tun sie gewissermaßen etwas für sich: Sie bauen emotionalen Druck ab: „Wenn ich mich schneide, ist alles anders, es geht mir besser.“ Dass sie dabei ihrem Körper Schaden zufügen, nehmen sie in Kauf. Der Selbstverletzung geht dabei oft ein langer inner Kampf voraus – solange, bis es sich nicht mehr aushalten lässt. Dann zieht sich die Person meist in einen abgeschiedenen Raum zurück - und macht, was keiner sehen soll.

In den meisten Fällen leidet die Person unter Versagensangst, Misserfolgen, Einsamkeit oder sonstigem emotionalem Druck. Viele hassen sich selbst, fast alle isolieren sich. Beim Verletzen empfinden sie meist keinen Schmerz. Es geschieht wie in Trance,  wird zum Zwang. Durch den Schnitt oder die Wunde wird das gespaltene Selbstbild wieder eins. Die innere Leere verschwindet vorübergehend, Erleichterung tritt ein. Doch wird diese bald abgelöst durch Frust und Scham über das eigene Handeln. Druck baut sich auf, und der Teufelskreis setzt sich fort.

Selbstverletzendes Verhalten ist ein äußeres Zeichen für Probleme. Es ist eines von vielen möglichen Symptomen, die auf persönliche Probleme hinweisen. In den meisten Fällen tritt selbstverletzendes Verhalten fast immer mit mindestens einer weiteren psychischen Störung oder Krankheit auf - beispielsweise in Verbindung mit Depressionen, Angst- oder Essstörungen. Auch konkrete Krisensituationen wie der Tod eines Freundes oder Mobbing können zu selbstverletzendem Verhalten führen.

Verschiedene Ausprägungen

Selbstverletzendes Verhalten lässt sich in verschiedene Kategorien einteilen. Zum einen gibt es die offene Selbstverletzung, d.h. der Betroffene verletzt sich selbst, er weiß, was er getan hat, und gibt es auch am ehesten vor anderen Menschen zu.

Demgegenüber steht die heimliche Selbstverletzung: Der Betroffene verschweigt bzw. leugnet, dass er sich selbst Schaden zugefügt hat, wenn ihn jemand danach fragt. Typische Ausreden sind dann Aussagen wie "Das ist eine Allergie" oder "Ich bin versehentlich gestürzt".

Selbstverletzendes Verhalten kann sich zu einer Psychose, einer ernsthaften Störung, ausbreiten. Nämlich dann, wenn Betroffene durch Manipulation am eigenen Körper, beispielsweise Injektionen von toxischen Substanzen oder Schmutzwasser, Krankheitssymptome vortäuschen und der Überzeugung sind, sie selbst könnten für die Folgeerkrankung nichts.

Selbstverletzendes Verhalten in den Medien

Die Medien machen selbstverletzendes Verhalten zunehmend zum Thema. Aufklärung steht dabei jedoch längst nicht immer im Vordergrund. Dass ein Reporterteam Ritzen als Modeerscheinung beschreibt und es möglichst reißerisch präsentiert, um hohe Einschaltquoten zu erzielen, ist schon öfter vorgekommen. Wer wirklich betroffen ist, stößt in der Gesellschaft nach wie vor auf viel Unverständnis.

Schlimmer noch: Viele Jugendliche nehmen die öffentliche Diskussion zum Anlass, um überhaupt erst mit dem Ritzen zu beginnen. "Wenn es dem Fernsehen gelingt, mit so etwas Aufmerksamkeit zu erzielen, muss es mir doch auch dazu verhelfen", denken sie. Ein Ort, an dem ihnen das mit Sicherheit gelingt, ist das Internet. In freien Foren treffen sich neben Hilfesuchenden auch Menchen, die sich gern als Selbstverletzer darstellen. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Storys und puschen sich durch Sprüche wie „Das ist doch nicht schlimm, ich ritze mich seit zehn Jahren und lebe immer noch. Du musst nur aufpassen, wie tief du schneidest“ auf. 

Auf Plattformen wie Youtube sind erschreckende Bilder zu finden. Bilder, die die traurige Realität einiger Betroffener zeigen. Hilfeschreie an die, die sich bisher vielleicht angewidert weggedreht haben. Sich abzuwenden ist jedoch genau die falsche Reaktion. Selbstverletzer brauchen Hilfe. Sie suchen nach Menschen, die Verständnis für ihre Situation aufbringen. Doch Vorsicht: Manch ein Helfer gerät ist beim Anblick des Leids selbst unter emotionalen Druck. Am besten ist es deshalb, wenn die helfende Person Menschen hat, mit denen sie sprechen kann. Menschen, die notfalls dem Helfer helfen.

Therapie

Eine Psychotherapie bietet Selbstverletzern die Chance, von ihrer Krankheit loszukommen. Solch eine Therapie dauert in der Regel zwei bis vier Jahre und kann ganz individuell gestaltet werden. Je früher die Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen. Doch der Schritt hin in die Praxis fällt vielen Betroffenen schwer. Eine unüberwindbare Hürde muss dennoch nicht draus werden. Hier sind Freunde und Bekannte gefragt - sie müssen den Kranken dazu bringen, sich behandelt zu lassen.

Übrigens...

Mareike hat eine Freundin gefunden, die sie unterstützte. Mareike hat eine Therapie begonnen und im Rahmen der Behandlung sogenannte Skills - zu deutsch: Alternativen - kennengelernt, die ihr helfen, mit dem Impuls umzugehen.

 Nadine Bauerfeind

Weitere Infos findest du hier:


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Selbstverletzung.com - allgemeine Informationen
rotelinien.de – Hilfe für Helfende
Rotetraenen.de – Forum für Betroffene

 

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* Name von der Redaktion geändert
Foto: www.photocase.de -  zazou

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