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Letzter Ausweg Tod?

Sterbehilfe – ein umstrittenes Thema
Ihr Leben scheint nicht mehr lebenswert. Daher sehen sie nur noch einen Ausweg: den Tod. Für manche ältere oder schwer kranke Menschen ist dies bittere Realität.

Bettina S. ist nicht mehr so fit wie früher. Das Haus zu verlassen, um einkaufen zu gehen, fällt ihr schwer. Die 79-Jährige befindet sich aber nicht im Endstadium einer schweren Krankheit. Sie hat auch keine Schmerzen. Was sie hat, ist ein fester Plan: Sie möchte sterben. Sterben aus Angst davor, einmal ins Pflegeheim zu müssen. Außer einer Halbschwester hat sie keine Familie mehr. Die Panik davor, im Heim der Einsamkeit ausgeliefert zu sein, ist in ihr so groß geworden, dass sie nur noch eines will: ihr Leben beenden.

Hamburgs Ex-Justizsenator Roger Kusch kommt ihr da gerade recht. Ende vergangenen Jahres gründete Kusch den Verein Dr. Roger Kusch Sterbehilfe e.V. – zuvor hatte er sich bereits jahrelang für Selbstbestimmung am Lebensende einsetzt. Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg im Frühjahr 2008 war das Thema Sterbehilfe fester Bestandteil seines Wahlprogramms. Doch damit nicht genug. Kusch entwickelte einen Tötungsautomaten. Er zweckentfremdete dazu Infusionautomaten, wie er in jedem Krankhaus zu finden ist: Anstatt lebenserhaltende und schmerzlindernde Medikamente verabreicht zu bekommen, erhalten lebensmüde Menschen ein Gift in tödlicher Dosis.

Als Bettina S. von Herrn Kusch über das Internet erfährt, setzt sie sich sofort mit ihm in Verbindung. Einige Tage später treffen sich die beiden zum ersten Mal persönlich. Zwar kommt die Tötungsmaschine von Herrn Kusch bei Bettina S. nicht zum Einsatz, dennoch ist er der letzte Mensch, mit dem sie spricht bevor sie stirbt. Sie entscheidet sich dafür, zunächst ein Beruhigungsmittel und danach ein Medikament in tödlicher Dosis zu trinken.

Zuvor jedoch führen Roger Kusch und Bettina S. ein Interview. Eine Kamera zeichnet alles auf. Am Ende ist das Gerät der einzige Zeuge des Todes von Bettina S. - Kusch hat den Raum zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Um sich nicht der unterlassenen Hilfeleistung strafbar zu machen und weil er sein Ziel wahrscheinlich längst erreicht hatte: Jede Menge neuer Schlagzeilen waren ihm sicher.

Freiheit um jeden Preis
Wir Menschen lieben unsere Freiheit. Nur ungern lassen wir uns sagen, wann wir was zu tun haben. Das gilt für alle möglichen Bereiche unseres Lebens.

Geht es um den Zeitpunkt unserer Geburt und unseres Todes, haben wir allerdings nicht viel mitzureden. Diese Entscheidung liegt allein bei Gott.

Kaum jemand denkt gern über den Tod nach. Schon gar nicht über den eigenen. Mit zunehmendem Alter oder im Krankheitsfall ändert sich so etwas jedoch schnell. Unheilbar kranke Menschen wünschen zuweilen, dass sie lieber heute als morgen sterben - weil sie es leid sind, auf die Hilfe und Pflege anderer Menschen angewiesen zu sein, oder weil sie von ihren unerträglichen Schmerzen erlöst werden möchten.

Gesetzliche Regelungen in Deutschland
Was die Diskussion über Sterbehilfe für uns so schwierig macht, ist die undurchsichtige Rechtslage in Deutschland. Denn Sterbehilfe ist ein mehrdeutiger Begriff.

- Passive Sterbehilfe beispielsweise meint, lebenserhaltende Maßnahme eines Patienten nicht aufrecht zu erhalten.

- Indirekte Sterbehilfe dagegen bedeutet, dem Patienten schmerzstillende Medikamente zu verabreichen, die unter Umständen zu einem früheren Tod führen können. Der Tod wird als Nebenwirkung in Kauf genommen, ist aber nicht von vornherein beabsichtigt. Die meisten Deutschen befürworten diese Art von Sterbehilfe, bei der es vor allem darum geht, einen schmerzhaften und manchmal sehr langen Strebeprozess nicht hinauszuzögern.

- Bei der Beihilfe zur Selbsttötung allerdings geht man einen entscheidenden Schritt weiter. Dabei werden dem Sterbewilligen die Mittel, die er zum Suizid benötigt, bereitgestellt. Ebenso wie die passive und indirekte Sterbehilfe ist dies nicht strafbar, solange nicht gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen wird, also keine verschreibungspflichtigen Medikamente für den Selbstmord ausgehändigt werden.

- Verboten ist allein die aktive Sterbehilfe. Das bedeutet, dass ein Dritter aktiv eingreift und jemanden tötet. Das ist in jedem Fall strafbar, auch wenn der Patient nachweislich danach verlangt hat.

Was sagt die Bibel?

Gott hat unserem Leben einen Anfang gesetzt und er behält sich auch das Recht vor, es zu beenden. Dennoch bestehen manche Menschen darauf, den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen zu dürfen. Dieser ist für sie dann gekommen, wenn ihnen ihr Leben nicht mehr lebenswert erscheint. Doch wer entscheidet, wann ein Leben nicht mehr lebenswert ist? Wer setzt die Maßstäbe dafür?

In anderen Ländern der Erde bezeichnet man Sterbehilfe als Euthanasie. Dias griechische Wort bedeutet übersetzt „leichter Tod“ oder „guter Tod“. Hierzulande benutzen wir dieses Wort nicht. Kein Wunder, denn Euthanasie war ein Euphemismus für die Massenmorde zur Zeit des Nazi-Regimes. Die Parallele liegt auf der Hand. Da wo der Betroffene heute selbst entscheiden möchte, wann sein Leben nicht mehr lebenswert ist, haben damals andere diese Entscheidung getroffen.

Als Gott uns gebot Du sollst nicht töten! meinte er damit sicherlich gleichermaßen uns selbst wie auch andere. Dennoch ist Gott ein liebender Gott, der seine Kinder nicht gern leiden sieht. In der Zeit des medizinischen Fortschritts ist dies zumeist auch nicht mehr notwendig. Palliativmedizin nennt sich das Fachgebiet, welches sich auf die Verbesserung der Lebensqualität von unheilbar kranken Menschen spezialisiert. Dazu gehören Schmerztherapien, aber auch die Konzentration auf die seelischen Leiden der Patienten. Viele Beispiele zeigen, dass selbst schwerstkranke Menschen häufig nicht vorzeitig sterben möchten, wenn ihre Schmerzen gelindert und sie in Hospizen gut betreut werden.

Roger Kusch scheint sich nicht sonderlich dafür interessiert zu haben, warum Bettina S. so große Angst vor dem Pflegeheim hatte. Auch hat er offenbar nicht versucht, ihr diese Angst zu nehmen, was für Empörung in der Kirche sorgte: „Wer einsamen Menschen den Giftbecher reicht, statt ihnen ihre Ängste zu nehmen und sie zu begleiten, bereitet den Weg für eine unmenschliche Gesellschaft“, kritisierte der nordelbische Bischof Hans-Christian Knuth.

Sollten wir alle uns vielleicht einmal die Frage stellen, welche Dinge sich ändern müssen, damit alte Menschen in Pflegeheimen nicht einsam und allein ihrem Lebensende entgegenblicken müssen? Sollten wir nicht darauf bedacht sein, die wertvolle Arbeit der Hospize zu unterstützen, wo Psychologen doch sagen, dass sterbende Menschen sich vor allem dann nach einem vorzeitigen Tod sehnen, wenn sie sich in einer depressiven Phase befinden und sie sich allein gelassen fühlen?

Ich würde mich freuen, wenn wir im Board darüber diskutieren könnten >>

Franziska Bigalke

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