Weihnachtsmann, Christkind und der liebe St. Nikolaus
Mal ehrlich: wer blickt denn da noch durch? Alle drei bringen Geschenke, Nikolaus und Weihnachtsmann sehen auch noch gleich aus. Das Christkind kommt am Heiligen Abend, der Weihnachtsmann rutscht durch den Kamin und der gute Nikolaus stopft am 06. Dezember Süßigkeiten in unseren Stiefel.
Wie gut, dass ich den Nikolaus in der Stadt getroffen habe und ihm ein paar Fragen stellen konnte.
Hallo lieber Nikolaus! Erzähl doch mal, woher kommst du eigentlich?
Ich stamme aus Myra, das ist eine Stadt 100km südwestlich von Antalya. Ich komme also aus dem Gebiet, was ihr heute die Türkei nennt.
Du bist ja schon mächtig alt – wie alt eigentlich genau?
Naja, zu meiner Zeit hat man nicht so sehr auf den Geburtstag geachtet. Aber ich habe so um 300 nach Christus gelebt, bin also schon stattliche 1700 Jahre alt.
Wow, das ist ja ne ganze Menge! Warum hat dich denn die katholische Kirche heilig gesprochen?
Na, da war ich ja selber nicht mehr dabei, kann also auch nur drüber spekulieren. Aber ich denke sie haben das gemacht, weil ich als Christ sehr viel erlitten habe. 310 nach Christus gab es nämlich eine große Christenverfolgung. Ich war ja früher Bischof und Abt, und auch ich wurde gefangen genommen und gefoltert. Vielleicht haben sie mich aber auch heilig gesprochen, weil ich immer sehr barmherzig war und viele Wunder vollbracht habe.
Wunder? Was denn für Wunder?
Nun, einmal hatten wir eine große Hungersnot in unserer Stadt. Und gerade dann legte ein Schiff in unserem Hafen an, das sehr viel Korn geladen hatte. Nur leider war das gesamte Getreide für den Kaiser in Byzanz bestimmt und natürlich haben sich die Seeleute nicht getraut, uns einfach etwas abzugeben. Aber ich war mir sicher, dass Gott ein Wunder tun würde. Ich konnte die Seefahrer schließlich dazu bewegen, uns etwas Korn abzugeben. Und das hat für ganze zwei Jahre gereicht! Wir konnten es sogar später noch zur Aussaat benutzen! Vielleicht kennst du die Geschichte von Elia und der Witwe, deren Öl und Mehl immer erhalten blieb, obwohl sie es die ganze Zeit benutzten. So ähnlich war das bei uns auch: als die Seeleute in der Hauptstadt ankamen und das Getreide ausliefern sollten, war wieder genau die richtige Menge an Korn vorhanden. Da ist mir bewusst geworden, wie groß Gott eigentlich ist.
Wir bekommen ja heutzutage immer Geschenke von dir – oder zumindest in deinem Namen. Woher kommt dieser Brauch?
Nun ja, wie gesagt, ich habe immer sehr viel verschenkt. Ich hatte ziemlich reiche Eltern und mein Erbe habe ich nicht für mich genommen, sondern es unter den Armen verteilt. Ihr bekommt eure Geschenke ja immer über Nacht, das hat sich aus der Geschichte mit den Jungfrauen so entwickelt.
Die Geschichte mit den Jungfrauen?
Ja, in meiner Stadt lebten drei Jungfrauen, deren Vater sehr arm war. Er konnte ihnen keine Mitgift geben und hatte auch zu wenig Geld, um sie die ganze Zeit durchzufüttern. Das war früher bei uns ein großes Problem. Deswegen wollte er sie in die Prostitution geben. Ich habe glücklicherweise davon erfahren und wusste sofort, was ich tun musste. In der Nacht bin ich heimlich am Haus vorbei gegangen und habe einem der Mädchen einen Goldklumpen ins Zimmer hineingeworfen. Da das nicht reichen würde bin ich in der nächsten und in der übernächsten Nacht wieder vorbei gegangen und habe noch mehr Goldklumpen hineingeworfen. In der dritten Nacht hat mich der Vater erwischt – er war natürlich sehr dankbar, aber dadurch ist die Geschichte erst bekannt geworden, was ich eigentlich nicht wollte. Und jetzt bekommt ihr deswegen nachts immer Geschenke in den Stiefel gestopft!
Nun, du bist ja nicht der einzige, der Geschenke bringt. Was sagst du denn zu deinen Konkurrenten: dem Weihnachtsmann und dem Christkind?
Naja, eigentlich sind das beide keine Konkurrenten für mich. Besonders nicht das Christkind! Ich finde wir haben uns die Arbeit sehr gut aufgeteilt. Ich bringe am 06. Dezember die Geschenke und das Christkind bringt sie am Heiligen Abend.
Aber warum gibt es das Christkind überhaupt?
Das war wahrscheinlich Martin Luthers Schuld. Er fand das mit der Heiligenverehrung gar nicht so toll wie die katholische Kirche. Deswegen hatte er auch etwas dagegen, dass ich die Geschenke vorbeibringe. Trotzdem sollten die protestantischen Kinder ja auch etwas bekommen und so hat er das Christkind ins Leben gerufen. Damals war das noch viel mehr auf den eigentlichen Christus bezogen, aber die Leute haben mit der Zeit daraus eine eigene Figur gemacht.
Wie sieht das Christkind denn eigentlich aus? Hast du es schon mal gesehen?
Na, man könnte es fast mit einem Engel verwechseln. Es hat blonde Löckchen und sieht richtig süß aus. Deswegen kann ich es auch gar nicht als Konkurrenz wahr nehmen.
Und der Weihnachtsmann? Klaut der dir nicht deinen Job und deinen Ruf?
Ja, da hast du wohl ein bisschen Recht. Wir werden ja auch oft verwechselt. In den USA werden wir sogar als nur eine Person angesehen. Er trägt ja auch fast die gleiche Kleidung wie ich. Nur bin ich niemals durch Kamine gerutscht und habe auch keinen Rentierschlitten.
Stimmt es denn, dass Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat? Hast du schon mal überlegt, gegen die Firma zu klagen?
Nein, nein, das würde ich niemals tun. Schließlich habe ich mir meinen Job ja auch nicht selber ausgesucht, d.h. ich bin da nicht so ehrgeizig. Außerdem ist gar nicht klar, ob Coca-Cola den Weihnachtsmann wirklich erfunden hat. Schon im 19. Jahrhundert ist das Bild des dicken Mannes aufgetaucht, der einen roten Mantel und einen weißen Bart trägt.
Sollte das nicht eigentlich dich darstellen?
Das kann schon sein, und gerade deswegen ist es so verwirrend. Aber zu meiner Figur wurde noch so viel hinzugedichtet, dass sie eigentlich eine neue Person, also den Weihnachtsmann ergibt.
Und wer ist das Schuld? Nun doch Coca-Cola?
Nein, die Geschichte mit den Rentieren und dem Schlitten tauchte schon 1823 in einem Gedicht auf. Coca-Cola hat den Weihnachtsmann erst ab 1931 für Werbezwecke benutzt und ihn damit richtig bekannt gemacht.
Möchtest du noch ein Wort an unsere Leser richten?
Bleibt immer schön brav und ärgert eure Eltern nicht! Bleibt [tru:]! Sonst bringe ich bei meinem nächsten Besuch den Knecht Ruprecht mit.
Lieber Nikolaus, danke für das interessante Gespräch!
written by
Tabea Fürst