community log in
[tru:] young television
log in tv-empfang media über uns spenden hilfe


Körperkultur oder Körperkult?


Kürzlich habe ich auf dem Weg zur Arbeit eine interessante Beobachtung gemacht: Alle paar Meter habe ich mich dabei erwischt, unbewusst mein eigenes Spiegelbild in einem Ladenfenster oder einem vorbeifahrenden Auto zu mustern. Das brachte mich kurzzeitig dazu, über meine eigene Eitelkeit zu sinnieren. Und dann habe ich in Gedanken gleich das ganze Fass aufgemacht und mich gefragt, welches Idealbild junge Männer laut unserer Gesellschaft eigentlich erfüllen sollen.

Wer kennt sie nicht, die Print- und Fernsehwerbungen, in denen uns durchtrainierte Männermodels coole Jeans, den nächsten Urlaubstrip oder nur ein besonders erfrischendes Eis anpreisen wollen.  Eines haben all diese Darsteller gemeinsam: Den perfekten Körper. Beim Mann scheint der laut gängiger Übereinkunft aus einem Waschbrettbauch, rasierter und braungebrannter Haut sowie möglichst muskelbepackten Oberarmen zu bestehen.  Und, ganz ehrlich, welcher Jugendliche träumt nicht ab und an einmal davon, als männlicher Adonis von der Frauenwelt angeschmachtet zu werden?!? Nun, wieso auch nicht, Werbung und Medien suggerieren uns ja, dass dies so möglich ist.

Die Mode- und Kosmetikindustrie scheint mit Macht auf den Männersektor zu drängen, oder von wo aus sonst erfolgt die Invasion einer zuvor unbekannten Spezies, die als „Metrosexuelle“ zeitweilig die Welt zu erobern scheinen? Entsteht hier ein neues Mischlingsgeschlecht? Oder handelt es sich doch nur um den Modehype einer besonders eitlen Männergeneration in einer Gesellschaft, in der deutsche Musiker vom „Sonnenbank Flavour“ rappen, Fußball-Profis halbnackt für Lifestyle-Magazine posieren und Männerkosmetik rasant wachsende Umsätze verzeichnen kann?

Da wird es für den Mann zur Pflicht, sich regelmäßig Oberkörper, Achseln und noch etwas mehr zu rasieren, sonst gerät man beim gemeinsamen Duschen nach dem Sport sehr schnell zum belächelten Außenseiter. Auch scheint es gängige Mode zu werden,  seinem Gesicht abends vor dem Ausgehen durch Kayalstift und Wimperntusche den entsprechenden Kick zu verleihen. Die schon Solarium-erprobte Haut kann währenddessen mit etwas Bräunungscreme weiter aufgepimpt werden, modebewusstes Haartattoo und Zungenpiercing tun ihr übriges dazu. Es wird der Männerwelt (und nicht nur ihr) praktisch von allen Seiten propagiert, eitel zu sein.  Für all diese Erscheinungen aber alleine David Beckham, den metrosexuellen Prototypen schlechthin verantwortlich zu machen, greift finde ich etwas zu kurz.

Wie schön, dass in Bereichen, in denen die Natur den Mann nicht ganz den Idealvorstellungen entsprechend entworfen hat, nachgeholfen werden kann. Wie Pilze schießen Fitness-Clubs und Sonnenstudios aus dem Boden und lassen es kaum noch zu, unbehelligt an ihnen vorbei zu kommen. Mit BMI können heute wohl mehr junge Männer etwas anfangen als mit der PKK. Der Schlankheitswahn, oft nur bei Frauen und supermageren Models diagnostiziert, hat längst die Männerwelt erreicht. Es geht auch hier darum, sich einen Traumkörper anzueignen. Und wer nicht die natürliche Veranlagung dazu hat, muss eben leiden: Denn dann heißt es, sich dem Sporttrend zu unterwerfen.

Nicht, dass ich irgendwelche Vorurteile gegen Fitness, David Beckham oder ein gepflegtes Äußeres hätte, nein, ganz im Gegenteil. Ich finde es nur dann grenzwertig, wenn das Körperbewusstsein zum Körperkult wird und eine beherrschende Stellung im Leben einzunehmen droht.

Auch der Körper gehört Gott, heißt es in der Bibel. Paulus schreibt im Brief an die Korinther: „Ihr sagt: »Mir ist alles erlaubt!« Mag sein, aber nicht alles ist gut für euch. Alles ist mir erlaubt; aber das darf nicht dazu führen, dass ich meine Freiheit an irgendetwas verliere“. (1. Korinther 6, 12)

Wozu dient dieser Körperkult eigentlich? Um uns selbst etwas zu beweisen? Oder um die Frauenwelt zu beeindrucken? Es sind zu großen Teilen die Medien, die uns ein völlig verzerrtes Bild von den Wunschvorstellungen des anderen Geschlechts propagieren. Umfragen zeigen, dass die meisten Frauen gar nicht unbedingt auf diesen durchtrainierten Traumkörper stehen, sondern eher den Normaltypus Mann favorisieren. Umgekehrt genauso: Die meisten Männer wünschen sich, so toll sie superdünne Models auch finden, für sich persönlich doch lieber eine Frau, die einen durchschnittlichen Körperbau besitzt. Zudem: Wem unter uns sind denn innere Werte letztendlich nicht viel wichtiger als die reine Äußerlichkeit? Warum lassen sich also so viele von diesem Wahn mitreißen und unterwerfen?

Wie schön, dass wir als Christen unser Äußeres akzeptieren können. Schließlich sind wir uns bewusst, dass wir genau so, wie wir aussehen, von Gott gewollt und geschaffen sind. Etwas provokant betrachtet ist unser Körper ja eigentlich nichts weiter als eine vorübergehende Hülle, die uns in diesem irdischen Leben nach außen hin kleidet.

Ganz ehrlich, wann bist du das letzte Mal den Weg zur Schule, Uni oder Arbeit gegangen, ohne unterwegs zwischendurch einmal in einem Schaufensterglas oder einer Autoscheibe kurz deine „Optik zu checken“? Vielleicht denkst du das nächste Mal, wenn du mit deinem Äußeren unzufrieden bist, einfach daran, dass Gott dich genauso mag, auch wenn du vielleicht nicht braungebrannt bist und ein paar Gramm mehr auf den Rippen hast.



Martin Walter

[tru:] wieder bei Facebook
Trete jetzt unserer Gruppe bei und verfolge mit, was zurzeit in der [tru:] Redaktion abgeht>>

Leid
Wenn es einen Gott gibt, wie kann er dann so viel Leid zulassen? Dieser Artikel will Antworten geben >>