community log in
[tru:] young television
log in tv-empfang media über uns spenden hilfe


Rapper Massiv – vom Gangsta-Rap zu tiefgründigen Texten

Rapper Massiv im Krisengebiet: Kürzlich schickte das deutsche Goethe-Institut den Gangsta-Rapper nach Palästina. Im Zuge der „European-Palestinian Hip Hop Concert Tour“ flogen er und ein paar andere Hip-Hop-Künstler dorthin. Ihre Mission: Sie sollten den Jugendlichen dort eine neue Art von Musik zeigen. Eine Musikart, die sie dort noch nicht kannten. Und: Sie sollten ihnen zeigen, dass man Wut auch mit Worten ausdrücken kann.

Einige Politiker können nicht verstehen, dass Massiv für diese Tour ausgewählt wurde. Denn: Er schreibt Gewalt verherrlichende Songs. Während er in Palästina ist, dringen immer wieder negative Meldungen aus Deutschland zu ihm. Nachrichten, in denen Politiker bezweifeln, dass sich Massiv für diese Reise eignet.

Doch während die britische Sängerin Shadia vom Kampf gegen die israelische Besatzung singt, gibt sich Massiv während der Tour durch das Land eher zurückgezogen. Zum ersten Mal sieht er wirkliche Armut und echte Ghettos. Solche, die die von Rappern als Ghettos bezeichneten sozialen Brennpunkte in Berlin völlig harmlos erscheinen lassen.

Sängerin Shadia spricht sich für den Krieg aus und sagt, Selbstmordattentate seien eine „Waffe der Unterdrückten“. Nach diesem ersten Auftritt Shadias überlegt Massiv, die Tour abzubrechen. Er möchte nicht in ein falsches Licht geraten. Am Ende bleibt er doch, tritt aber nicht zusammen mit Shadia auf.

Als Massiv auf der Bühne rappt und die Jugendlichen im Takt mitwippen, passen bewaffnete Wachposten auf. Mit Maschinengewehren – das war noch nie auf einem seiner Konzerte der Fall.

Die Armut und die gegenwärtige Gewalt in dieser Gegend lassen Massiv an dem zweifeln, was er bis dahin in seinen Liedern kundgetan hatte. Darin stellte er Berlin wie ein Krisengebiet dar, es ging in seinen Texten um „Nutten, Drogen und Ghettos“. Jetzt steht er wirklich inmitten eines Krisengebiets. Die Jugendlichen verstehen seine Texte nur mit Hilfe von Übersetzungs-Zetteln. Dennoch lenkt die Musik sie eine zeitlang vom Krieg um sie herum ab.

Zurück in Deutschland fragt sich Massiv, ob er Wedding wirklich als Ghetto darstellen kann. Auf seinem daraufhin veröffentlichten Album stellt er Deutschland in dem gleichnamigen Song sehr positiv dar. So heißt es dort:

„Hier hungert keiner, hier wird ehrlich jedes Bisschen geteilt / Hier ist die Hautfarbe egal, hier zählt dein Herz und deine Freundlichkeit.“

„Es ist eine Frau, die das ganze Land hier präsentiert / Jede Frau wird hier geschätzt, jede Frau hat Rechte hier.“

„Na klar gibt's Sachen, wo so manchen Menschen runterdrückt / Hier und dort gibt's arme Leute mit viel Schulden im Genick / Die nicht viel besitzen, doch man fühlt, dass sie zufrieden sind / Genau hier spürst du den frischen Wind / In diesem Lied beschreib ich euch das positive Leben / Denn das negative Lästern tut schon in den Ohren weh.“

Massiv scheint eine 360-Grad-Wendung gemacht zu haben!
Erst sprachen sich viele dagegen aus, Massiv in solch ein Krisengebiet zu schicken. Er, der Gewalt in seinen Texten zum Abschrecken nutzte, um sich ein Image aufzubauen, das Autorität hat. Jetzt hat sich erwiesen, dass nicht nur die Jugendlichen etwas von der Tour mitnehmen konnten. Auch ihm hat diese Reise gut getan. Und er scheint tatsächlich der Richtige dafür gewesen zu sein.

Wenn du dir den Song „Deutschland“ anhörst, kannst du klar den Unterschied zu seinen vorigen Songs erkennen. Bleibt nur zu hoffen, dass dies nicht von kurzer Dauer ist. Es wäre schade, wenn diese positive Veränderung, mit der niemand gerechnet hatte, nur eine PR-Masche ist, um ihn aus der Kritik hinein in Ansehen zu befördern.

Lisa Ritter

[tru:] wieder bei Facebook
Trete jetzt unserer Gruppe bei und verfolge mit, was zurzeit in der [tru:] Redaktion abgeht>>

Gästebuch
Verewige dich mit deiner Meinung, Kommentaren, oder Grüßen. Zum Gästebuch