Sonnenbank-Sucht:
Kosmetik, Kaffeebräune, Krebs
Ein brauner Teint um jeden Preis. Dass Solarien die Gesundheit schädigen können, ist bekannt. Trotzdem legen sich gerade junge Menschen immer wieder auf die Sonnenbank und erhöhen damit ihr Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Fachleute haben sogar herausgefunden: Sonnenbaden kann zur Sucht werden.
Tussi-Toaster, Münz-Mallorca, Elektro-Strand: Das Solarium hat viele Spitznamen. Seit den 70er Jahren gibt’s die Sonne aus der Steckdose, und sie hat eine steile Karriere hingelegt. Kein Wunder, galt doch gebräunte Haut lange als schick und sexy. In den letzten zehn Jahren gab’s einen regelrechten Run auf Sonnenstudios. Für viele junge Menschen ist das künstliche Sonnenband heute so selbstverständlich wie Duschen und Zähneputzen.
Wie gefährlich Sonnenbaden ist, unterschätzen die Meisten. Wie die echte Sonne senden Solarien ultraviolettes Licht (UV) aus. UV-Licht hat eine kürzere Wellenlänge als sichtbares Licht und ist damit viel energiereicher; unserem Körper kann es deshalb enorme Schäden zufügen. Im Gegensatz zur echten Sonne ist die UV-Strahlung eines Solariums, wenn sie dich trifft, um ein Vielfaches intensiver!
Einen Sonnenbrand hat wohl jeder schon mal gehabt. Der kann ganz schön wehtun. Das ist allerdings nur ein kurzfristiger Schaden für unsere Haut. Wer regelmäßig sonnenbadet, noch dazu im Solarium, riskiert Langzeitschäden – und die sind weitaus gravierender: UV-Licht lässt auf lange Sicht nicht nur die Haut schneller altern, es kann auch das Immunsystem schädigen, bestehende Hautkrankheiten verschlimmern und lebensbedrohlichen Hautkrebs hervorrufen.
Liegst du also regelmäßig im Toaster, steigt dein Hautkrebs-Risiko enorm an. Manche Hautärzte schätzen, dass jeder fünfte Mensch im Lauf seines Lebens Hautkrebs bekommt. Willst du diesen Preis wirklich zahlen, nur um kaffeebraun zu sein?
Oder dachtest du, das Gegenteil sei der Fall und du würdest etwas für deine Gesundheit tun? Solarien-Betreiber wollen uns gern weiß machen, dass gebräunte Menschen aktiv etwas für ihre Gesundheit tun. Wie sie darauf kommen? Ganz einfach: Sie spielen darauf an, dass unser Körper auf Sonnenlicht angewiesen ist, dass bestimmte UV-Strahlen von zentraler Bedeutung für die Vitamin-D-Produktion sind. Besonders unsere Muskeln und Knochen benötigen kontinuierlich Vitamin D, das stimmt schon. Allerdings verpflichtet dich das nicht, das Solarium aufzusuchen. Ein längerer Spaziergang an der frischen Luft reicht aus, und hast deinen Körper mit ausreichend UV-Licht betankt.
Suchtgefahr aus der Steckdose
Und dann wäre da noch eine Gefahr: Sucht! Tanorexie nennen Fachleute die Sucht nach Bräunung. Wie bei der Anorexie (Magersucht) haben die Betroffenen eine gestörte Wahrnehmung von sich selbst. Zwar nicht, was Gewicht, Bauchumfang usw. betrifft, stattdessen aber in punkto Hautfarbe. Wer unter Tanorexie leidet, rennt zum Teil mehrfach pro Woche ins Sonnenstudio, um die – seiner oder ihre Ansicht nach – perfekte Bräune für die Haut zu bekommen. Hat das Solarium Betriebsferien oder fehlt dem Süchtigen die Zeit, kommt’s bei manchen Menschen regelrecht zu Entzugserscheinungen. Die können sich zum Beispiel in Form von Zittern oder Übelkeit bemerkbar machen.
Am besten gar nicht ins Solarium!
Die meisten Hautärzte raten aufgrund der Risiken komplett von Solarium-Besuchen ab. Wer dazu nicht bereit ist, sollte zumindest nicht öfter als acht Mal pro Jahr in den Toaster steigen.
Braune Haut, ein Schönheitsideal?
Wer sagt eigentlich, dass gebräunte Haut schöner ist als helle? Wenn du glaubst, dass du mit brauner Haut besser aussiehst, bedenke: Je mehr Sonnenbäder du nimmst, desto schneller sieht deine Haut alt und runzelig aus. Willst du mit 30 aussehen wie 50?
Und noch was: Gebräunte Haut ist laut Trendforschern schon lange nicht mehr modern. Zurzeit sei vielmehr der blassere Typ „in“. Was jedoch keine Rolle spielt, denn das ist eine ähnliche Macke wie der Du-musst-braun-sein-Tick.
Das Einzige, was wirklich zutrifft, ist: Schönheit ist immer relativ!
Franziska Bigalke