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„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.“ (1. Korinther 6, 12)

Bloß nichts verpassen - wenn Computerspiele abhängig machen

Du kannst nicht aufhören, „World of Warcraft“ zu spielen? Nimm’ das ernst – solche Spiele können nämlich süchtig machen!


„Wir möchten den Spielern dafür danken, dass sie während der großen Zombieplage von '08 so eifrig (und heldenhaft!) teilgenommen haben. (…) Wie ihr wisst, hat die Invasion der Geißel begonnen, und es wird noch einiges passieren, bevor alles vorbei ist...“
(www.woelfe-der-eisernen-faust.de)




„World of Warcraft“ ist mit über 11 Millionen Accounts das erfolgreichste Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel. Eine unendliche 3D-Fantasy-Welt lädt dazu ein, sich auf endlose Erkundungstouren zu begeben, mit anderen Spielern Aufgaben zu lösen und Fights auszutragen.

Es ist eine riesige Welt, und sie steckt voller Magie und Geschichten. WoW, wie Insider das Spiel nennen, ist das wohl populärste Nummer-Eins-Rollenspiel im Internet. Dank geringer Hardwareanforderungen und Einsteigerfreundlichkeit ist das Mitmachen einfach. Für die Spieleschmiede Blizzard Entertainment ist’s eine Goldgrube: Pro Jahr spielen die Abonnenten ihr eine Milliarde US-Dollar in die Taschen. Kürzlich erschien die Erweiterung „Wrath of the Lich King“, tausende Online-Rollenspieler standen um Punkt Mitternacht vor den Läden, um als einer der ersten zuzugreifen. Und der Weihnachtsmann? Der dürfte eine Menge Wunschzettel bekommen haben, auf denen ganz oben dieses Add-On steht. Ganz schön erschreckend, gilt doch jeder 20. Spieler in Deutschland als spielsüchtig! Wie man sich dabei fühlt, berichtet ein Ex-Spieler:

„Dudelino, Souvlaki, Shakona - wer kennt sie nicht? Wahrscheinlich niemand, denn das waren alles Namen meiner Charaktere bei WoW. Mein richtiger Name ist Stefan und ich bin 23 Jahre alt.

Wie Millionen andere, habe ich mir im April 2005 WoW gekauft und einen zahlungspflichtigen Account erstellt. Jeden Monat  zahlte ich 13 Euro, um auf Abenteuer zu gehen, neue Leute kennen zu lernen und mein reales Leben zu vernachlässigen.

Je länger ich meine Zeit im Spiel verbrachte, umso mehr Persönlichkeit steckte ich in meine virtuelle Figur. Der Drang nach dem nächsten Level wuchs, denn ich wollte die besten Gegenstände sammeln und mir einen Namen machen. Denn bei diesem Spiel geht es um Anerkennung. Nirgendwo ist es einfacher sich in kurzer Zeit einen guten Ruf aufzubauen, als in einem Onlinespiel. Demnach ist man entweder der Hilfsbereite, der Stinkreiche oder der mit den seltensten Gegenständen.
Erhält man dann noch Nachrichten, in denen der Neid der anderen zum Ausdruck kommt, ist dies die Erfüllung der Onlinekarriere.“

Abtauchen - warum?

Was treibt so viele Menschen, vor allem Jugendliche, dazu an, lieber in einer 3D-Comicwelt allerlei Schwachsinn anzustellen als ihr reales Leben zu leben? Ist ihre Realität so ereignislos, dass sie daraus fliehen möchten, dass bestehende Freundschaften unwichtig werden? Warum tauchen Menschen so stark in virtuelle Welten ab, dass sie sogar ihren eigenen Körper vernachlässigen, sprich: sich gehen lassen!?

Das Phänomen „Abtauchen ins Virtuelle“ gibt’s schon länger. Skypen, chatten, ebay durchforsten – der Mensch scheint auf der Suche nach Kommunikation und Konsum. Er taucht dabei in eine „andere Welt“ ein, will nichts verpassen, und überhaupt: Vom PC aus ist alles so bequem – oft bequemer als das reale Leben.

„World of Warcraft“ allerdings geht noch einen Schritt weiter. Denn das Spiel kommt ständig mit neuen Erweiterungen daher. Und mit immer mehr Gegenständen, die der Spieler sammeln muss, um seine Figur besser dastehen zu lassen. Und das in Echtzeit. Da kommt es schon mal vor, dass man bis zu drei Monate nach einzelnen Gegenständen sucht – um gleich darauf nach weiteren Dingen Ausschau zu halten, die neu dazukommen. Auf diese Weise wird die Spielfigur „noch besser“ – und wer will das nicht!? Das Spiel ist sozusagen nie vorbei!
 
Früher konnten Computerspieler Zwischenstände speichern und ohne Stress zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle weitermachen. Das waren noch keine Echtzeitspiele. Wenn aber bei „World of Warcraft“ nachts um 3 Uhr etwas passiert – und das kommt ziemlich häufig vor - dann kann der Spieler nur um 3 Uhr nachts darauf reagieren. Um diesen Dauerzuständen gerecht zu werden, schlafen viele Spieler tagsüber „vor“, um nachts fit zu sein.

Ein weiteres Problem bei Online-Rollenspielen ist, dass der Spieler mit seinem Eintritt in einen Computerspiel-Clan Sozialleben bekommt. Klingt zunächst gut, ist es aber nicht. Denn: Man trifft sich zwar mit Gleichgesinnten, redet, spielt, macht Witze, baut Freundschaften. Doch sind es wahre Freunde? Ist es ein echtes Sozialleben? Freundschaften im Internet sind in den meisten Fällen nicht echt - wer sagt dir, dass dein bester Freund „GhostMaker“ morgen überhaupt noch online geht? Die Gefahr ist groß, enttäuscht zu werden.

Maßnahmen gegen Spielsucht


Was tun gegen Spielsucht? Ein Spielverbot bringt wenig. Auf andere Computer auszuweichen – zum Beispiel in Internet-Cafés -, ist denkbar einfach. Zu einfach.

Erste Gegenmaßnahmen, was WoW und andere Online-Rollenspiele betrifft, gibt’s in China. Dort erhalten Zocker nach drei Stunden Spielzeit deutlich weniger Geld und Gegenstände, nach fünf Stunden gibt’s nur noch ein absolutes Minimum reduziert. Nur wer fünf Stunden lang nicht eingeloggt ist, gelangt zurück zum ursprünglichen Status.
 
Bleibt zu hoffen, dass das hilft und dass China nicht das einzige Land bleibt, das etwas gegen Spielsucht zu unternehmen versucht.

Anders als bei Alkohol- oder Nikotinsucht ist der Spielsüchtige nicht körperlich, sondern psychisch abhängig. Manch einer, der von der Spielsucht losgekommen ist, hat dies dank Gottes Hilfe geschafft. So wie dieser Spieler:

„Für mich liegt das Problem, diese Sucht zu überwinden, in der Motivation. Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch. Und durch Gottes Hilfe bin ich schließlich diesem Kreislauf entkommen.
Wenn man von Gott begeistert ist und so viel von ihm geschenkt bekommt - wie gute Freundschaften, Liebe, Bestätigung - merkt man, dass man das ganze Computerspielen nicht mehr braucht.
Ich habe dann komplett mit dem Ganzen abgeschlossen, alles  von der Festplatte gelöscht und keinen Kontakt mehr zu den anderen im Clan gehabt. Hier hat sich auch gezeigt: Es war Vielen mehr oder weniger egal, ob ich jetzt weg bin oder nicht. Die „Freundschaften“ haben sich in Luft aufgelöst.
Wenn ich also durch Gott die Motivation gefunden hab’,  kann ich aussteigen - um zu sehen, dass Gott was viel Genialeres mit mir vorhat.“

Hintergrund

Wer spielsüchtig ist, merkt dies oft gar nicht. Vielleicht bemerkt der Zocker Anzeichen, doch ist es wahrscheinlich, dass er sie nicht ernst nimmt; ihm wird folglich nicht bewusst, dass er längst abhängig ist.
Eine körperliche Abhängigkeit besteht nicht. Stattdessen ist der betroffene Zocker psychisch abhängig. Das bedeutet aber nicht, dass seine Sucht weniger gefährlich ist andere Süchte.

Spielsucht lässt sich weniger an der Zeit messen, die jemand vorm Computer verbringt. Soziale Faktoren machen es viel deutlicher: Verliert jemand sämtliche realen Kontakte? Vernachlässigt er sein Aussehen und seine Hygiene? Geht er nicht mehr zur Schule?
Auffällig ist im Übrigen, dass mehr Jungs spielsüchtig werden als Mädchen.


Viktoria Pohl

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