Ungeplante Schwangerschaft – und jetzt?
In der zweiten Folge von whYstyle bei uns auf [tru:] haben wir euch das Agape-Haus in Lübeck vorgestellt. Verzweifelten Müttern mit ihren Neugeborenen steht man hier mit Rat und Tat zur Seite. Zuvor muss die Schwangere sich aber erst einmal für das Kind und gegen einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Eine Entscheidung, die vielen nicht leicht fällt.
Erinnert ihr euch noch an die zweite Folge von whYstyle und den Beitrag über das Agape-Haus in Lübeck? Hausleiterin Friederike Garbe hat es sich zur Aufgabe gemacht, verzweifelten Müttern und ihren Babys unter die Arme zu greifen. Junge Mamas bekommen in diesem Mutter-Kind Haus eine kostenlose Unterkunft und individuelle Betreuung. Darüber hinaus erhalten sie Beratung, wenn sie sich überfordert fühlen, d.h. wenn sie Probleme haben oder Angst vor einer ungewissen Zukunft.
Wie in vielen anderen Städten Deutschlands, gibt es nun auch im Agape-Haus in Lübeck eine Babyklappe. Dort können Mütter ihre Säuglinge anonym abgeben. Friederike Garbe kümmert sich um das Kind, bis es an Adoptiveltern vermittelt werden kann. Die Babyklappe – ein Angebot, das nicht jeder gut findet: Während Gegner den Müttern Verantwortungslosigkeit vorwerfen, sehen Befürworter eine Babyklappe als gute Idee an, um der Mutter eine echte Alternative zur Abtreibung zu bieten.
In einer Zeit, in der die berufliche Zukunft immer ungewisser wird, ist es nicht verwunderlich, dass für viele junge Mädchen und Frauen eine Welt zusammenbricht, wenn sie erfahren, dass sie schwanger sind. Viele überlegen dann, ob eine Abtreibung der beste Ausweg aus ihrer Notlage ist. Laut Statistik haben im Jahr 2006 in Deutschland 119.710 Frauen diesen Gedanken in die Tat umgesetzt. Viele von ihnen leiden noch Jahre später darunter, denken „Wie würde mein Kind heute wohl aussehen?“ oder „Nächstes Jahr würde es zur Schule kommen.“ So was ist wohl unvermeidlich.
Wer in Foren liest, in denen es um das Thema Schwangerschaftsabbruch geht, ist häufig erschüttert, welch harte Anschuldigungen und Beleidigungen sich Befürworter und Gegner einer Abtreibung gegenseitig an den Kopf werfen. Oft liest man Sätze wie „Ihr seid zu feige, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken“ oder „Ich argumentiere nicht mit dummen Menschen“. Als ich mich durch die Forenbeiträge klickte, fand ich fast ausschließlich solche Bemerkungen. Klare Argumente oder begründete Meinungen waren eine Seltenheit.
Sind Christen unter sich, wird diese Thematik wahrscheinlich nur selten diskutiert. Die meisten von ihnen sind sich schnell einig, dass Kinder ein Geschenk Gottes sind und ein Schwangerschaftsabbruch gegen das Gebot „Du sollst nicht töten“ verstoßen würde. Zum Streit kommt es nur in wenigen Fällen. Spätestens nach den enormen Anfeindungen, die die Christival-Besucher in Bremen erfahren mussten, ist das Thema für uns aber wieder hochaktuell. Viele Veranstaltungen und Gottesdienste wurden von Protestanten gestört. Das Seminar mit dem Titel „Ungewollt schwanger – was nun?“ hat für besonders viel Aufsehen gesorgt. Die Veranstalter mussten sich vorwerfen lassen, dass sie gegen das Menschenrecht auf Selbstbestimmung verstoßen.
Ja, das Grundgesetz in Deutschland gewährt Müttern Handlungsfreiheit. Auf der anderen Seite ist aber das ungeborene Leben zu schützen – auch das schreibt das Gesetz vor. Für viele Menschen scheinen diese Dinge nicht vereinbar zu sein.
Friederike Garbe aus Lübeck hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Sie steht jungen Müttern zur Seite, die vor einem Berg von Problemen stehen, die sie allein nicht lösen können. Sogar eine anonyme Geburtshilfe vermittelt das Team werdenden Müttern. Frauen, für die ein Leben mit einem Baby nicht zu arrangieren ist, können so ihr Kind auf die Welt bringen und sicher gehen, dass es bei liebevollen Adoptiveltern aufwachsen wird.
Mutter-Kind Häuser für Frauen, die insbesondere in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes Hilfe benötigen, und auch Babyklappen gibt es bereits in einer Reihe deutscher Großstädte. Es existieren also in der Tat immer Alternativen zu einer Abtreibung, selbst wenn ein Leben mit Kind nicht in Frage kommt oder nur schwer möglich erscheint. Diese Meinung dürfen wir Christen gern vertreten. Allerdings sollten wir uns auch überlegen, wie wir diese äußern. Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben, als Mörderinnen zu beschimpfen, ist mit Sicherheit nicht in Gottes Sinne und hat mit Nächstenliebe nicht viel zu tun.
Was meinst du zu der Thematik? Was würdest du einer Freundin oder Schulkameradin raten, wenn sie dir erzählt, dass sie ungewollt schwanger ist? Ich würde mich freuen, wenn wir im Forum ein wenig darüber diskutieren!
Franziska Bigalke
P.S.: Falls ihr den Beitrag über das Agape-Haus bei whYstyle verpasst habt, könnt ihr euch auf der Homepage www.agape-haus-luebeck.de noch einmal genauer über die Arbeit von Friederike Garbe informieren.
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