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Der [tru:]-Musik-Tipp

Alles im A****?

Der Redakteur sitzt an seinem Schreibtisch und ist schlicht verzweifelt. Was soll denn an Musik noch empfohlen werden, wenn alle versuchen, Songs zu machen, die es sowieso schon gab? Aber was auf den ersten Blick wie ein kreatives Loch in der Musikszene aussieht, hat System: Derzeit ist es wahnsinnig angesagt, eine Platte aufzunehmen, in der ein einziger Musikstil bis auf die Spitze getrieben wird. Die Raconteurs haben gerade die beste Led Zeppelin Platte aufgenommen, die Led Zeppelin nie gemacht haben. Primal Scream nahmen eine großartige Rolling Stones Platte auf und Madsen haben eine Platte gemacht, die die Toten Hosen schon vor 10 Jahren hätten machen sollen, sich aber statt dessen in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet haben. Lauter archetypische Platten, die man auch noch seinen Kindern und Kindeskindern wird vorspielen können.

In meiner absoluten Lieblingsdisziplin kündigt sich ebenfalls eine solche Platte an: im College-Rock! Weezer, The All-American Rejects, Jimmy Eat World und Wheatus haben dieses Genre in den letzten Jahren geprägt. Alle berufen sich auf Van-Halen, den Urtyp einer College-Band, die den Stil in den 1980ern überhaupt erst erfunden haben. Und es gehört nicht viel dazu, um den Redakteur glücklich zu machen: Zwei-Viertel-Takt upbeat, eine Gitarre schrubbt clean vier Akkorde, möglichst D, G und A, und dann noch mal verzerrt drübergespielt. Dazu Lead Vocals mit so viel Melodie, dass der Zuckerguss aus den Boxen läuft – es kann so einfach sein, doch wer hält das eine ganze Platte lang durch?

Die Antwort heißt The Afters aus Texas. Jetzt böten sich eine Reihe lustiger Wortspiele, die alle darauf hinauslaufen, dass der Bandname für den deutschsprachigen Raum dermaßen schlecht gewählt ist, dass man am Verstand der Texaner zweifeln muss. Witze aus der Schublade "Kommt ein Mann zum Arzt…", After, After, After…. Nun, der Name steht im Raum. Übersetzten wir ihn mal mit „Die, die danach kamen…“ (Ich muss immer noch schmunzeln, Mist! Jetzt mal ernsthaft und den Artikel fertigschreiben!).

„Die, die danach kamen“ trifft es wahrscheinlich am besten. Und wirklich: Ohne die ganzen College-Bands der 80er und 90er wären The Afters eine leere Hülle. Sie bedienen sich an dem Leckersten und Besten, was das Genre hergibt. Und so läuft nicht nur Zuckerguss aus der Box, er ist auch noch knallbunt! Da verzeiht man den Jungs doch glatt, dass sie eigentlich eher wie eine für O.C. California zusammengecastete Boyband aussehen. Denn auf eine wesentliche Attitüde einer College-Rock-Band verzichten sie. Die Attitüde des Losers, der nicht mit Sport, sondern mit Musik das Mädchen seiner Träume beeindrucken will. Als Loser taugen die Texaner einfach nicht. Aber starke Persönlichkeiten müssen sie eh mitbringen, wenn sie in Deutschland spielen wollen, denn jedem fällt bei The Afters ein guter Rektal-Witz ein! Ich würde mich über einen Auftritt freuen mit der Ansage „Hello, we’re glad to be here in Germany, we’re called The Butts… 1,2,3,4…“

Stephan Dublasky

 

The Afters: Never going back to OK (erschienen bei Gerth-Medien)

Das Video zur Single „Myspace Girl"
Homepage: theafters.com
Myspace Seite: myspace.com/theafters