Der [tru:] CD-Tipp: Söhne Mannheims - "IZ ON"
„Der Herr ist mein Hirte“ – das klingt nicht gerade nach den deutschen Charts. Aber die Söhne Mannheims haben es mal wieder geschafft. Mit ihrem Song „IZ ON“ ist ein Bibelvers im deutschen Radio gelandet. Und das nicht nur knapp: ihr neues Album steht auf Platz 5 der deutschen Albencharts.
Federführend bei den Söhnen Mannheims ist Xavier Naidoo. Die Texte des neuen Songs IZ ON klingen sehr nach seiner Handschrift. Auch seine eigenen Lieder wie zum Beispiel „Zeilen aus Gold“ oder „Seelenheil“ sind religiös.
Aber meint Xavier das, was er da singt, ernst? Wie tief und ehrlich ist sein Glaube? Ist seine Religiosität vielleicht nur eine große Marketingstrategie?
Den Aussagen von Ex-Bandmitglied Claus Eisenmann zufolge, leitet Xavier die Söhne Mannheims wie ein unbarmherziger Diktator, nimmt alle Einnahmen für sich und speist die anderen Musiker mit einem Hungerlohn ab. Anscheinend ist sein Glaube ihm überhaupt nicht wichtig, ihm geht es nur ums Geld.
In seinem Song „Senza Te“ (Ohne Dich) rechnet Eisenmann dann auch mit Xavier ab: „Du verleugnest deine Brüder, Religion als Kapital, Mit uns stirbt jede Hoffnung, Sag... ist dir das egal?“ heißt es in den Lyrics. Aber hat Eisenmann Recht? Seine Wut stammt sicherlich daher, dass er mit Xavier Naidoo zusammen die Söhne Mannheims gegründet hat, und dann die Band wegen eines Streites verlassen musste. Auch das kommt in dem Text seines Songs zum Ausdruck: „Wir haben gemeinsam etwas erschaffen, und heute brauchst du mich nicht mehr. Du hast mich einfach fallen lassen, zählt unsere Freundschaft gar nichts mehr?“
Ein gutes Licht wirft diese Geschichte nicht auf den erfolgreichen Sänger Naidoo. Genau so wenig, wie sein Prozess im Jahr 2000. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen Besitzes von 48 Gramm Haschisch wurde er damals zu 20 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
Auch seine Einstellungen sorgen für Aufmerksamkeit in den Medien. Er behauptet von sich radikal, aber trotzdem tolerant zu sein. Mit Kirche kann er nichts anfangen, und er wettert gegen den Papst.
Auffällig ist auch, dass in seinen Liedtexten kein offensichtliches Statement abgegeben wird. Keine klaren Worshiptexte, wie wir sie gewohnt sind. Verwirrend, revolutionär und teilweise aggressiv, diese Attribute beschreiben seinen Stil. Immer wieder tauchen Begriffe aus der Offenbarung auf, und es ist sicherlich kein Zufall, dass drei Alben „ZION“, „NOIZ“ und „IZ ON“ getauft wurden. Interessant auch, dass sein Name „Xavier“ wie das englische Wort „Saviour“ (also Retter) ausgesprochen wird. Hält Naidoo sich etwa selber für den Erlöser?
Ist er völlig abgedreht? Vielleicht doch ganz normal? Oder ein Pseudochrist, der solche Schlagwörter wie „Der Herr ist mein Hirte“ benutzt, um an die Öffentlichkeit zu gelangen?
Sex sells, das weiß eigentlich jeder. Glaube etwa auch? Es gibt viele Bands, die den christlichen Glauben in ihren Texten verarbeiten, aber trotzdem nicht berühmt werden. Also muss Xaviers Erfolg dann doch an seiner souliger Stimme und seinem Händchen für gute, ungewöhnliche Musik liegen. Eine „christliche Marketingstrategie“ braucht der begabte Künstler doch gar nicht.
Zudem erntet Xavier ja nicht nur Lob für seine Werke. Viele Kritiker machen sich auch gerade wegen seines Glaubens über ihn lustig. Immer wieder hat Naidoo betont, er wolle nicht der „Jesus der Hitparaden“ werden. Und er hat sich langsam aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Weniger Interviews, weniger Angriffsfläche.
Sein persönlicher Glaubensweg erklärt dann auch einige Einstellungen und Textinhalte, die am Anfang vielleicht misstrauisch machen.
Von seinen Eltern, die aus Südafrika kommen, wurde Xavier katholisch großgezogen. Er war im Kirchenchor und Messdiener, konnte aber mit der Kirche nicht viel anfangen. Daher rührt wahrscheinlich die Abneigung gegen die Kirche und den Papst, die sich auch in dem neuen Song „IZ ON“ wieder findet.
Als er dann aber zur Jahreswende 91/92 zum ersten Mal die Bibel aufschlug, war er sofort fasziniert. „Am Tag nachdem ich zum ersten Mal die Bibel gelesen hatte, fühlte ich mich, als hätte ich ein Ufo gesehen.“, bekannte er in einem MAX Interview. Und auch heute ist die Bibel sein ständiger Begleiter. Er treffe sich mit anderen Christen zu einem Bibelkreis, verrät er der Bravo.
Es ist genau diese Faszination für die Bibel, die sich in seinen Texten wieder findet. Fetzen aus der Bibel, die er bewusst so wählt, damit die Menschen neugierig werden. Die Leute sollen sich für die Bibel interessieren und sie vielleicht auch einmal selber aufschlagen, das wünscht Xavier sich. Wenn man das weiß, wirken seine Lieder auch nicht mehr verwirrend, sondern man erkennt plötzlich einen Sinn hinter den Texten.
„Wir sind nur Menschen und sicher nicht unfehlbar“ singen die Söhne Mannheims in ihrem neuen Song. Und plötzlich erscheint das ganze Gerede um Xavier Naidoo sinnlos. Klar, er ist auch nur ein Mensch. Das bedeutet, dass er auch Fehler macht und Fehler machen darf. Und letzten Endes bleibt sein Glaube eine Sache zwischen ihm und Gott. Da können wir sicherlich kein Urteil zu abgeben.
Das Fazit:
Es ist super, dass seine Lieder immer mal wieder in den Charts landen. Denn sie sorgen dafür, dass der Glaube selbstverständlicher in unserer Gesellschaft wird.
Und wenn dann seine, oder die Lieder der Söhne Mannheims im Radio laufen, freue ich mich immer. Nicht nur wegen der guten Musik, sondern eben auch wegen der Prise „Der Herr ist mein Hirte“…
Tabea Fürst
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