Der 37-jährige Reverend Vince Anderson nennt seinen Musikstil „Dirty Gospel“ und schafft es mit legendären Liveshows, selbst den beharrlichsten Tanzmuffel vom Hocker zu reißen. Damit seine Botschaft auch wirklich bei jedem ankommt, mischt er erfolgreich Musik und humorvolles Entertainment. [tru:] hatte die Ehre, diesen außergewöhnlichen Prediger zu interviewen:
[tru:] Was bedeutet es für Dich, „true“ zu sein?
Reverend Vince Anderson: Eine schwere Frage. Für mich heißt „true“, also echt zu sein, so zu sein, wie Gott mich haben will. Ein Kind Gottes zu sein, dazu zu stehen und Gottes Willen zu tun.
[tru:] Wie feierst Du Gottesdienst?
Reverend Vince Anderson: Ich mache zwei Sachen. Erstens nenne ich es Kirche, wenn Ich öffentlich auftrete, in diesem Moment sehen mich die Leute als Pastor. Diese Art von Gemeinde ist hauptsächlich für Leute, die niemals einen Fuß in eine Kirche setzen würden.
Leute, die sich nicht unbedingt selbst als Christen bezeichnen, aber eine Art von Spiritualität suchen. Und so mache ich einfach Musik in Bars und Clubs rund um die Welt. Zweitens mache ich einen Gottesdienst mit J. Baker zusammen. Wir haben eine kleine Kirche in Brooklyn in der ich regelmäßig predige.
[tru:] Wie würdest Du Deine Art Musik beschreiben?
Reverend Vince Anderson: Ich mache Gospelblues und nenne es "dreckigen Gospel". Dreckig ist hier nicht abwertend gemeint, sondern versteht sich als erdverbunden und menschlich. Und das heißt, dass der Himmel durch die Musik auf die Erde kommt. Und es beschreibt meinen Musik-Stil, der ziemlich rau ist. Es auch ein guter Ausdruck dafür, wie meine Musik klingt, sie ist nicht sauber, sie ist nicht glatt an allen Ecken.
[tru:] Warum verwendest Du diese harte Sprache?
Reverend Vince Anderson: Das ist einfach meine Sprache und die Sprache der Leute, mit denen ich meine Zeit verbringe, und ich sehe da auch keine Spaltung. Ich denke nicht, dass man als Christ eine Maske aufsetzen muss. Gott ist groß genug, mich als der anzunehmen, der ich bin. Er kommt mit meinen Narben und meiner Traurigkeit zurecht. Sprache hat einen großen Einfluss, ich benutze sie bewusst, weil ich durch sie eine Botschaft rüberbringen kann. Für manche Songs sind das Worte, die zu mir gefunden haben.
[tru:] Wie ist die Reaktion von anderen Christen auf Deine raue Musik?
Reverend Vince Anderson: Es kommt darauf an. Die meisten Christen haben schon mal eines meiner Konzerte erlebt und wissen, was ich tue. Und wissen, dass ich mein Herz am richtigen Fleck habe. Aber klar, immer mal wieder kommt jemand zu mir und fragt, warum ich das mache ... Ich würde es nicht machen, wenn ich nicht eine persönliche Berufung dafür hätte. Gott hat mir diese besondere Aufgabe gegeben. Er will mich benutzen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das kapiert habe, ich fühle mich dazu berufen.
[tru:] Gab es schon mal krasse Reaktionen von Leuten auf Deine Musik?
Reverend Vince Anderson: Erst kürzlich war da ein heroinabhängiger Mann. Er kommt regelmäßig zu meinen Konzerten, denn da fühlt er sich nicht verurteilt, sondern angenommen. Er kam gerne. Die Shows hatten ihn bewegt und er konnte für sich Erkenntnisse sammeln. Vor zwei Wochen kam er clean wieder. Er meinte zu mir: Deine Spiritualität und deine Echtheit haben Leben in mich gebracht und haben mich erkennen lassen, dass Gott mich gemacht hat. Er sagte: "Ich bin noch nicht ganz Christ, aber ich glaube jetzt an Gott. Und das ist ein großer Schritt".
[tru:] Warst Du jemals richtig überrascht von Gott?
Reverend Vince Anderson: Ständig. Schon die Tatsache, dass ich machen darf, was ich mache, überrascht mich. Dass Gott mir den Raum gegeben hat, das zu tun. Eigentlich wache ich jeden Morgen überrascht auf. Allein das Leben an sich ist jede Tag aufs Neue eine Überraschung.
[tru:] Was rätst Du Christen?
Reverend Vince Anderson: Mein Rat ist, Jesus zu folgen, nicht dem Christentum. Du kannst gefangen sein in einer Religion. Und was Du innerhalb dieser tun sollst, wird dein Gott. Das christliche Leben wird mehr zu Deinem Gott als Christus selbst. Für mich ist es so, dass Christus mir die Freiheit gegeben hat, so zu sein, wie Gott mich haben wollte.
Mein Rat ist einfach: Jesus ist verrückt nach Dir und Gott liebt Dich, ganz egal, was Du tust. Und wenn Du erstmal diese Liebe gespürt hast, dann kannst Du mehr darauf erwidern, als irgendwas zu tun, um dir die Liebe zu verdienen, denn Du hast die Liebe schon längst.
[tru:] Was ist Deine Lieblingsstelle in der Bibel?
Reverend Vince Anderson: Ich kann sie nicht wortwörtlich. Aber es ist Daniel 2,22: "Gott kennt die Dunkelheit, aber er entscheidet sich, im Licht zu leben." Ich denke, es ist sehr wichtig für uns als Christen, nicht einfach die Augen vor der Dunkelheit der Welt zu verschließen, sondern sie zu erkennen und sich dann zu entscheiden, im Licht zu leben.
[tru:] Vielen Dank für das coole Interview