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"10 Cent können einen Unterschied machen!"

Zwei harte Jungs, die nicht nur reimen können, sondern unheimlich unterhaltsam sind: Der HipHop Künstler Theory Hazit und der Produzent Braille geben uns Einblick in ihren weichen Kern.

 

[tru:] Wie habt ihr zwei euch kennen gelernt?

Theory Hazit: Vor einigen Jahren habe ich eine Sammlung gemacht und verschiedene MCs kontaktiert. Er war einer von denen. Wir hatten sofort eine Verbindung. Er mochte den Beat, den ich ihm geschickt hatte und wollte mehr hören. Paar Monate verstrichen, ein Jahr verging und Braille kam in meine Stadt, um eine Show zu machen. Mein Schlagzeuger hat alles klar gemacht und wir waren die Vorband für ihn. Braille hat mich rappen gehört und dachte sich, dass mein Rap besser als mein Beat ist. Wir blieben in Kontakt, haben verhandelt und sind zusammen gekommen. Bam, wir hatten ein Projekt!

 

[tru:] Wie entstand dein Label "HipHop is Music"?

Braille: Wir haben versucht, an den Ort zu kommen, an dem wir keine Bubblegum-Musik mehr machen müssen. Gleichzeitig wollten wir auch nicht voll Hardcore sein, denn das wäre eine Beeinträchtigung. Wir wollen genau in der Mitte sein. Ehrlich sein. Ein ehrliches Album produzieren. Aber alle sagen: "Ihr müsst so sein und so sein." Ich mache das so, wenn es von mir kommt, aber wenn es nicht von mir kommt, werde ich es nicht machen.

Je mehr ich auf Reisen ging, merkte ich, dass es viele Künstler gibt, die von ihren Plattenfirmen überrannt werden, weil sie nicht reinpassen. Weil sie einfach nicht dem Standard entsprechen oder typisch sind. Für mich geht es im HipHop darum, originell zu sein, mit etwas Neuem raus zu kommen. Der Labelname "HipHop is Music" ist total einfach und sagt einfach, dass wir mehr machen als Clubmusik, mehr als ein frischer Beat zum Kopf bewegen. Das ist Musik, die du mit nach Hause nehmen kannst. Du kannst sie mit Kopfhörern hören, im Auto oder, wenn du ins Bett gehst - und sogar Party damit machen. Es ist Musik für jede Gelegenheit. Viele denken aber, dass HipHop eindimensional ist. Sie sehen HipHop im TV und meinen, das sei alles. Sie denken, dass jeder HipHop machen kann. Wenn ein Pianist und ich die Rollen tauschen ist es eine Herausforderung für beide. Wenn ich die Geschichte der klassischen Musik und Noten lesen lernen muss, ist das für mich eine Herausforderung. Wenn der Pianist HipHop vollgültig machen soll, ist es auch für ihn eine Herausforderung. Es wäre für uns beide nicht einfach. Dann merkst du, HipHop kann nicht jeder automatisch, weil man 'egg' mit 'leg' reimen kann. HipHop ist mehr als 'break' mit 'take' zu reimen, viel tiefgründiger.

 

[tru:] Wie findet ihr neue Künstler für eurer Label?

Braille: Als Solokünstler und Mitglied von "Lightheaded" reise ich durch ganz Amerika und die gesamte Welt. Von Zeit zu Zeit hast du einfach Zusammenkünfte wie mit Theory Hazit. Wenn ich irgendetwas machen kann, um die Karriere dieser Person voranzutreiben, dann werde ich das Beste versuchen. Nicht dass ich die Antwort für sie bin, ich fühl mich nicht als ihr Ziel. Aber wenn jemand 10 Cent braucht und ich habe 10 Cent, dann gebe ich sie ihm. Es mag nicht viel sein, aber zumindest habe ich die 10 Cent angeboten. Für einige mag es wenig sein, für andere viel. Aber wenn ich es habe und es verfügbar ist, gebe ich es. [...]

Es geht nicht darum, berühmt zu werden. Sondern die Gaben, die Talente die Gott gegeben hat, zu benutzen. Und so weit Gott es nimmt, so weit gehen wir. Aber wir machen es nicht, um zu sehen wie weit wir kommen, sondern versuchen gehorsam zu sein. An dem Ort, in der Situation sein, in die Gott uns gestellt hat.

 

[tru:] Ihr gehört zum Mainstream in Deutschland, was haltet ihr davon?

Theory Hazit: Ich habe es noch nicht so wirklich realisiert. Mit meiner Familie, meiner Frau und meinen Kindern, scherze ich darüber. "Ich werde explodieren!" Aber die Bombe ist noch nicht eingeschlagen. Ich werde es erst begreifen, wenn ich wieder zu Hause bin. "Mann, ich war gerade in Deutschland. Das ist verrückt!" Also, ich realisiere es noch nicht ganz. Aber wenn, dann werdet ihr es mitbekommen!

Braille: Ich sehe einen Traum wahr werden. Das "Theory Hazit" Album hat bessere Absätze und bessere Förderung als mein eigenes Album. Das Label wächst über mich hinaus. Wenn wir das, was wir haben für etwas Größeres als uns selber gebrauchen, dann wird Gott es wirklich zu etwas Größerem als uns selber machen. So ist das auch mit dem Label. Es fing mit einem kleinen Jungen im Kinderzimmer an und Gott macht was Großes draus. Ich weiß, dass Gott Türen öffnet, die ich alleine nicht öffnen kann. Ich schaue genau wie jeder andere zu. Ich sehe es sich entfalten. Ich habe eine Zwei-Sekunden-Vorschau, bevor es alle anderen sehen. Gott öffnet Türen und vor fünf sechs Jahren schienen diese Türen für christliche HipHop Künstler unmöglich. Wir sind einfach verblüfft und durch und durch gesegnet. Wir versuchen demütig zu bleiben. Weil wir wissen: In der Sekunde, in der du stolz und dein Ego größer wird, sagt Gott: "Das ist, warum ich mich mit HipHop nicht abgebe." HipHop hat oft Probleme mit dem Ego. Ich denke, dass Gott nicht an deinem Ego interessiert ist. Er ist an Leuten interessiert, die demütig dienen. Die das Beste geben, souverän sind und Exzellenz geben. Wenn wir nicht demütig bleiben, wenn wir vergessen wem die Ehre gebührt, dann ist es aus und vorbei.

 

[tru:] Habt ihr einen Lieblingsbibelvers?

Theory Hazit: Ich habe eigentlich keinen Lieblingsbibelvers. Es gibt vieles, was ich mag. Ich mag Römer, Kapitel 3. Nein, einen Lieblingsbibelvers habe ich nicht. Ich mag die Stelle in der Bibel, wo Jesus die zehn Gebote in zwei Gebote zusammenfasst. Er sagt: "Liebe Gott von ganzem Herzen und liebe deinen Nächsten". Denn die ersten vier Gebote sind alle über Gott. Die anderen sechs Gebote sind über deine Mitmenschen bzw. deine Eltern.

 

[tru:] Was mögt ihr an Gott?

Theory Hazit: Ich mag an Gott, dass er seltsam ist. Er gibt dir nicht immer die Antwort, die du hören willst. Er überrascht mich immer wieder.

 

[tru:] Hattet ihr schon mal peinliche Momente?

Braille: Ich weiß nicht. Viele Dinge, die mir passieren, sind anderen Leuten peinlich. Ich erschaffe die Situationen alleine. Mir wird nichts so schnell peinlich, weil ich sowieso immer albern bin. Manchmal darfst du dich nicht zu ernst nehmen. Die Situationen, die dir am peinlichsten sind, sind die, in denen du dich zu ernst nimmst. Dann merkst du, du bist ein Quatschkopf. Wenn ich weiß, dass ich ein Quatschkopf bin, heißt das nicht, dass ich nicht ernst sein kann. Das Peinlichste für mich ist, wenn meine Stimme nicht mehr mitmacht und meine Performance nicht meiner Begabung entspricht. Ich will immer die beste Show geben und manchmal, wenn ich körperlich eingeschränkt bin, meine Stimme futsch ist, fühle ich mich nicht blamabel, sondern schlecht. Weil ich nicht das geben kann, was ich geben will. Das sind die schlimmsten Zeiten für mich. Abgesehen davon genieße ich die Höhen und Tiefen einer Tour.

Theory Hazit: Ich musste mal Unterwäsche einkaufen gehen, weil die Airline mein Gepäck verloren hat. Die Jungs haben sich über mich lustig gemacht. [...] Wenn ich etwas auf der Bühne vermassele, ist das nicht so peinlich. Die Patzer halten mich demütig. Die sind lustig. Aber der Unterwäsche-Einkauf war mein peinlichstes Erlebnis.

 

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