"Jesus really died for me"
Starb Jesus für Robbie Williams?
Klar, tat er natürlich. Aber ob Robbie Williams das glaubt, darüber grübeln seine Fans.
Auf seiner Single „Bodies“ singt er: „Gott hat mir den Sonnenschein gegeben ... Und wenn Jesus wirklich für mich gestorben ist, dann hat er etwas für mich gewagt.“ Mit demselben Text in einem provisorisch aufgenommenen Video hat er schon im Sommer 2007 Anlass zu Spekulationen gegeben, ob Robbie jetzt etwa Christ geworden sei, die in allen Gossip-Portalen verbreitet wurden. Und dass er dieses über zwei Jahre alte Lied als erste Single vor dem neuen Album veröffentlicht, gibt ihm einigermaßen Bedeutung.
Abgesehen von der eingängigen Zeile „Jesus really died for me“ (Jesus ist wirklich für mich gestorben), erwähnt Robbie auch andere religiöse Vorstellungen wie den „Bodhi Tree“, einen der wichtigsten Zielorte für buddhistische Pilger und die „Ley Line“, Routen angeblich heiliger Orte, aus denen New Ager mystische Energie beziehen. Der Text bedient sich vieler Bilder und erhellt wenig. Robbies eigener Kommentar in einem Radiointerview macht die Sache kaum klarer: „Seid bereit dafür, dass etwas Übernatürliches passiert, wenn dieser Song läuft!“
Christen spekulieren vor allem über die Zeilen „Jesus really died for me“, die sich am Schluss verwandelt in: „Jesus didn’t die for you“, mit dem Nachsatz: „Was ist los mit dir?“. Weil der Song damit ausklingt, kann man ihn als Robbies eigenes Schlussstatement dazu sehen. Sieht man ihn dazu im Video auf der Tragfläche eines Flugzeuges tanzen, könnte man die Zeile genauso als ironische Gegenfrage hören: „So, Jesus ist nicht für dich gestorben? Wie bist du denn drauf?“ In einem Interview hat Robbie angemerkt, mit der Zeile habe er George W. Bush kritisieren wollen, der daran glaube, dass Jesus für ihn gestorben sei, aber im Irak Menschen töte ...
Und vermutlich will Robbie mit seinem Text auch gar nichts klarstellen. Vielleicht ist er ein kleiner Schnappschuss von seiner schrägen geistlichen Reise, die ihn auch schon zu Geistersuche, Ufo-Jagd und Verschwörungstheorien geführt hat. Als sein allererster Auftritt nach dem Comeback bei der britischen Castingshow X-Factor einigermaßen daneben ging, weil sich seine Bühnentür nicht rechtzeitig öffnete, bloggte er seinen Fans in Anlehnung an Zeilen aus „Bodies“, das er dort performen sollte: „Ich war so daneben, dass ich dachte: Oh Gott, was hat Gott mir noch mal gegeben? Sch... Hat er mir Sonnenschein oder eine Lay Line gegeben? Oh Herr, oh Herr! Dann öffnete sich mein Mund und durch die Gnade des großen Mannes persönlich kamen die richtigen Worte heraus. Ehre!“ Als die Irish Times ihn im Oktober fragte, wie er zur Religion stehe, um die es in einigen Songs des Albums gehe, antwortete er: „Ich weiß nicht, was ich grade drüber denke.“
Den gesamten Artikel kannst du in der Januarausgabe 2010 lesen.
Text: Anja Schäfer
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