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NEID


Ein Großvater sprach mit seinem Enkelsohn über seine tiefsten Gefühle.
Er sagte: „Ich habe das  Gefühl, als würden zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen. Der eine Wolf ist gewaltsam, böse und hinterhältig. Der andere Wolf aber ist liebevoll und barmherzig.“
Da fragte ihn der Enkel: „Welcher Wolf wird den Kampf in deinem Herzen  gewinnen?“
Der Großvater antwortete: „Der, den ich füttere!“

                                    


Vielleicht ist der Neid ein Wolf, der andere, aber auch uns selbst gefährden und zerfleischen kann – wenn wir ihn füttern ...

Der Neid kann sich wie eine ätzende Säure durch das eigene Herz fressen und auch Beziehungen zu anderen und zu Gott völlig zerstören. Seit dem 6. Jahrhundert wird der Neid von der katholischen Kirche als eine der sieben Todsünden aufgefasst. Der Neid zerstört den Menschen, aber auch Beziehungen. Von den ersten Seiten der Bibel an nimmt der Neid einen festen Platz in der Geschichte der Menschen ein.

Schon der Teufel selbst ist zerfressen vom Neid. In Weisheit 2,24 steht: „Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören.“ Und der Teufel verführt Adam und Eva zum „Mehrwollen“, macht sie neidisch auf Gott und der Neid führt zum Misstrauen und zur Trennung von Gott. Und nur kurz danach führt der Neid schon zum ersten Mord der Menschheit. Kain ist neidisch auf seinen Bruder Abel, weil sein Einsatz, sein Opfer für Gott offensichtlich besser bei Gott ankommt als das eigene. Neidisch auf den Bruder, weil er bei Gott scheinbar besser ankommt?

Im ersten Samuelbuch wird der Neid konkret und handgreiflich im Konflikt zwischen Saul und David (1. Sam 18,1-16). Was löst den Neid bei Saul aus?

- David kommt gut bei den Fachleuten an, d.h. seine fachliche Kompetenz ist sehr anerkannt. „Es gefiel den Großen Sauls!“ (V.5)
 - David kommt gut in der Familie Sauls an. Jonathan gewinnt ihn lieb – vielleicht eine Liebe und Anerkennung, die sich der Vater Saul immer erhofft hatte. Zudem gewinnt auch Michal, die Tochter Sauls, David lieb (V.20). Das direkte familiäre Umfeld redet und schwärmt von David. Saul ist nicht einmal in der eigenen Familie sicher vor den Ruhmreden über David.
 - David sieht auch noch blendend aus. Auch von Saul wurde ja mal gesagt, dass er ein „schöner, junger Mann sei und niemand unter den Israeliten so schön wie er war; eines Hauptes länger als alles Volk“ (1. Sam 9,2). Das ist allerdings schon ein paar Tage her und der Zahn der Zeit ist auch an Saul nicht vorbeigegangen. Nun wird von David geredet: „Und er war bräunlich, mit schönen Augen und von guter Gestalt“ (1. Sam 16,12). Na, klasse – was kann man schon gegen solch einen Schönling machen.
 - Zudem muss selbst Saul die vielfältigen Qualitäten Davids schätzen. David ist nicht nur in der Kriegsführung perfekt, nein, er spielt auch noch so nebenbei absolut genial auf irgendwelchen Saiteninstrumenten. So gut und einfühlsam, dass der böse Geist, der Saul oft quälte, durch die Klänge verschwand. Und es heißt sogar am Anfang, als Saul David kennenlernte: Und Saul gewann David lieb. Dieser David ist offensichtlich reich von Gott gesegnet – und auch darauf kann man neidisch werden.
 - Zudem kommt noch, und das ist wohl der Tropfen, der das innere Fass in Saul zum Überlaufen bringt, dass das Volk (besonders auch noch die Frauen) die Heldentaten Davids mehr und höher lobt als die von Saul. Das muss wahnsinnig an Saul nagen: „Saul hat tausend erschlagen, David aber zehntausend!“

Was ist die Folge des Neides?

Jemand sagte einmal: „Die Tochter des Neides ist die Verleumdung!“ Tatsächlich kann es sein, dass wir versuchen den anderen kleinzureden, wegzumobben, plattzumachen, um uns selbst ein wenig aufzuwerten. Bei Saul wird der Neid sogar zur Mordabsicht (Mordversuch aus Eifersucht). Gleich mehrfach wirft er den Spieß nach David „Ich will David an die Wand spießen“. Wir spießen Leute in der Regel nicht mit Spießen an die Wand, aber Worte können einen anderen auch an die Wand spießen und schwer verletzen. Aber der Neid frisst ja nicht nur in unsere Beziehung zu anderen, sondern auch in die Beziehung zu mir selbst und zu Gott.

Kein Wunder, dass die Bibel immer wieder eindringlich vor der Sünde des Neides warnt, weil sie das tödliche Gift des Neides kennt.


                                                

„Ich könnte platzen vor Neid“, ist so eine Redewendung. Sie stammt aus einer alten Fabel, in der ein Frosch sich, aus Neid auf die Größe eines Ochsen, aufbläht, bis er platzt. Neid macht kaputt. Liebe bläht sich nicht auf (1. Kor 13), aber Neid tut es und diese Blähungen machen krank – erwiesenermaßen. Der Neid lässt – wie bei Saul – einen bösen, destruktiven Geist über uns kommen, der nicht mehr das Gute sucht, sondern das Böse. Neid verhindert eine gesegnete und befreite Beziehung zu Gott und Mensch, weil sich der Neid im Herzen breitmacht und das ganze Leben davon bestimmt wird. Darum möchte ich uns noch einmal die Bereiche vor Augen führen, die Saul neidisch und krank machen.


1. Beruf und Kompetenz
David ist hoch angesehen bei den Großen Sauls. Ist das bei uns ein Einfallstor des Neides, dass jemand anderes aufgrund seiner Kompetenz hoch angesehen ist? Dass andere die eigene Arbeit weniger sehen und anerkennen, als die eines anderen, der mehr im Blickpunkt steht?

2. Gaben
David kann nicht nur genial sein Heer führen, er ist ganz nebenbei auch noch ein Saitenspielwunder. Das kann einen schon fertigmachen. Werden wir auf Menschen, vielleicht sogar auf Leute in der Gemeinde neidisch, weil sie so begabt sind? Oder können wir uns darüber freuen, dass Gott sie so reich beschenkt hat? Beten wir sogar für sie? Ja, und es ist wahr. Menschen sind unterschiedlich von Gott begabt. Aber nicht die Quantität unserer Gaben, sondern die Qualität unserer Hingabe ist entscheidend. Neid kann verhindern, dass du mit deinen Gaben Gott frei und gesegnet dienen kannst – und dieses Recht dürfen wir dem Neid nicht einräumen.

3. Familie
Jonathan und Michal gewinnen David lieb. Bewundern unsere Eltern oder unsere Kinder andere mehr als uns? Schenken Sie anderen mehr Interesse, anscheinend auch mehr Liebe und Anerkennung? Das kann schmerzhaft sein. Neid in der Familie ist schon in der Bibel ein großes Thema: Kain und Abel, Jakob und Esau, Josef und die Brüder ... Steht jemand anders in der Familie ständig im Mittelpunkt und du selbst fühlst dich nur wenig beachtet?

4. Aussehen
David ist nicht nur begabt und beliebt, er ist auch noch gut aussehend. Macht uns der Neid kaputt, weil jemand anders über sein Aussehen scheinbar mehr Anerkennung erhält?

5. Die allgemeine Meinung
„Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend!“ Saul war erfolgreich, aber er stand trotzdem im Schatten eines anderen, der irgendwie mehr und höher anerkannt ist. Wir machen vielleicht eine richtig gute Musik- oder Jugendarbeit in der Gemeinde, aber sie steht immer im Schatten anderer?


Vielleicht hast du gemerkt, dass dich der Neid in einem oder in mehreren Bereichen behindert, anderen und Gott frei und versöhnt zu begegnen. Nun, wir werden auf Erden nicht mehr Herr über den Neid, aber ein anderer ist Herr. Wir brauchen das Serum Gottes gegen das tödliche Gift des Neides.

Das Serum Gottes ist zum einen: Wahrheit, d.h. ich stelle mich dem Licht Gottes, ich stelle mich der Wahrheit, dass es immer wieder Neid in Bereichen meines Lebens gibt. Wir bitten Gott um Vergebung für das, was den Neid in uns an Segen verhindert und bitten ihn, unser Verhältnis zu ihm, zu uns und zu anderen zu heilen.

Zum anderen, wie es Petrus schreibt: Wir legen den Neid ab und sind begierig nach dem Wort Gottes. Wir beginnen für andere und ihre Gaben zu danken, wir lernen uns an dem Segen, den Gott anderen zukommen lässt, zu freuen und lassen die Wurzel der Bitterkeit nicht in unserem Herzen aufwachsen.

Schließlich: Wir weihen unsere Gaben Gott ganz neu. Legen sie ihm hin und bitten ihn, alles von uns zu nehmen, was ihn hindert, uns für sein Reich zu gebrauchen. Und wir bitten ihn, dass wir selbst darauf achten, durch unser Auftreten und unsere Worte andere nicht neidisch zu machen.

Bist du zu diesen Schritten heute bereit?
Den Schritt der Wahrheit – den Neid und anderes, was Gott nicht ehrt, zu sehen und vor Gott zu bekennen. Den Schritt der Veränderung: Für andere danken lernen und auch für die eigenen Gaben neu danken lernen.
Den Schritt der Weihe: Sich Gott mit allem, was man an Gaben und Lebenskapital bekommen hat, hinzugeben, damit Gott es einsetzt zu seiner Ehre und zum Bau seines Reiches.

written by Thorsten Riesewell
powered by echt (Ausgabe 4/09)





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