Gott redet!
Aber auf seine Weise.
Es ist rätselhaft mit dem lieben Gott, stöhnt Lysann. So wichtig wie im Moment war es noch nie, dass sie eine Antwort von ihm bekam. Und es kommt einfach nichts. Sie hat gebetet und dann eine Pause gemacht und gelauscht - nichts zu hören. Sie hat die Bibel aufgeklappt und mit geschlossenen Augen auf eine Stelle getippt: „doch nicht gut gehen wird es dem Ungerechten“ stand da. Das war’s wohl auch nicht. Sie hat - weil nichts anderes half - auch schon mal versucht, Gott mit einem Zeichen zum Reden zu bringen. Das war so: Sie fuhr regelmäßig an einer Firma mit einem auffälligen Schornstein vorbei. Und sie dachte: Beim nächsten Mal gilt es. Wenn der Rauch senkrecht aus der Esse kommt, ist es der Richtige. Zieht der Rauch schräg ab, ist es der Falsche. Und was war? Genau an dem Tag rauchte die Esse überhaupt nicht.
Hat Gott keine Sprechstunde mehr? Macht es ihm Spaß, mich zappeln zu lassen? Ist er an meinem kleinen Leben überhaupt interessiert, oder sind es nur bestimmte Themen, zu denen er sich äußert?
Im Alten wie im Neuen Testament findet man eine gleichlautende Antwort: Gott hat geredet (Psalm 50,1; Hebräer 1,1u.2). Hätte er das nicht getan, gäbe es keine Bibel, keine Geschichte Israels, keine Apostel und keine Gemeinde. Ohne Zweifel, Gott hat geredet.
Aber damit ist die Frage noch nicht beantwortet, ob ICH mit meiner einmaligen Lebensgeschichte, meiner speziellen Situation, meiner Unsicherheit heute damit rechnen kann, von Gott Antwort auf meine Fragen zu bekommen.
Ich bin überzeugt: Ich kann damit rechnen, dass Gott meine Fragen beantwortet. Aber ich sollte nicht glauben, dass er mir eigenhändig einen Brief schreibt oder am Himmel ein Spruchband lang zieht. Wer wirklich Antwort von Gott will, muss sich auf seine Art und Weise zu antworten einlassen.
1. Gott redet durch die Bibel
Das Buch ist zwar alt, aber immer noch gültig. Gott ändert sich nicht, und wir Menschen sind auch noch die gleichen Typen wie damals. Deshalb muss Gott nicht alle 5 Jahre einen Propheten schicken, der durch die Welt rennt und bestätigt: Sein Wort gilt immer noch!
In anderen Lebensbereichen gehen wir selbstverständlich davon aus, dass Regeln auch ohne Wiederholung gültig bleiben. Wer hört schon früh die Nachrichten, weil er sich unsicher ist, ob er an der rechten oder linken Straßenseite lang fahren soll? Wir fahren rechts. Basta. Seit hundert Jahren schon.
Wir kommen zu Lysann und ihrer wichtigen Frage zurück, ob „er“ der Richtige ist. Gott in seinem Wort schon eine Menge Fragen zu diesem Thema (und zu vielen anderen) beantwortet, wie etwa diese:
* Muss er unbedingt gläubig sein?
* Hat es überhaupt Sinn, zu heiraten? Wir lieben uns doch unsterblich und würden auch so zusammenbleiben...
* Hat Sex seinen Platz wirklich erst jenseits des Standesamtes?
Diese Fragen und viele andere braucht man Gott nicht mehr zu stellen. Sie sind ausreichend geklärt, die Antwort kann man nachlesen. Man sollte auch nicht meinen, die Ausnahme zu sein, bei der Gott von seiner sonst üblichen Antwort abweicht.
Diese Antworten klären zwar noch nicht, ob der erträumte Mensch der Richtige ist, aber damit ist ein Rahmen abgesteckt. Wenn er diesen Rahmen nicht akzeptiert, kommt er nicht in Frage - und bekommt einen Korb.
2. Gott redet durch andere Menschen
Häufig benutzt Gott andere Menschen, um mir Antwort zu geben. Das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Es kann ein guter Freund sein, der meine Situation kennt und mir einen guten Rat gibt - oder mich vielleicht warnt. Es kann in einem Seelsorgegespräch sein, dass ich suche. Und es kann auch ein Tipp der Eltern sein; manchmal haben ja selbst 50-jährige noch einen guten Tag.
Gott kann aber auch Menschen gebrauchen, die mich und meine heißen Fragen überhaupt nicht kennen. Man hört eine Predigt und weiß: Das geht mich an. Man ist bei einem Jugendtag und ist überzeugt, dass es sinnvoll ist genauso zu handeln.
In dieser Art zu antworten liegt aber eine gewisse Schwierigkeit: Es ist keine persönliche Anleitung: „Liebe Lysann, in dieser Frage solltest du...“, sonder ich muss aus einer Botschaft Schlüsse auf mein Leben ziehen. Damit sind wir bei einem weiteren wesentlichen Weg, Gottes Antwort zu vernehmen: Unser Verstand.
3. Ich verstehe, was Gott will
Unser Kopf ist viel mehr als eine Versuchsfläche für Frisöre. Unser Verstand ist ein sehr wichtiges Instrument, wenn es darum geht, Gottes Willen zu erkennen. Paulus verpackt das in einem bemerkenswerten Satz: „Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist“ (Epheser 5,17).
Er behauptet damit, dass es 1. einen Willen Gottes gibt, und 2. dass man ihn verstehen kann. Das Ziel ist also nicht, dass man verzückt auf seinem Sofa sitzt und wartet, dass aus irgendeiner Zimmerecke eine Stimme redet und die nächsten Schritte diktiert. Wir sollen vielmehr lernen, das zu denken, was zu Gott passt. Gott will keine Marionetten, die er an Fäden durch das Leben zieht.
Weiter oben (unter 1.)stand, dass die Aussagen Gottes in der Bibel einen Rahmen abstecken. Man kann sich das vorstellen wie den Gartenzaun eines Grundstückes. Innerhalb dieser Grenzen ist Freiheit, und ich kann (und muss!) meinen Verstand gebrauchen, damit ich innerhalb dieses Zaunes das Richtige mache.
An Lysann´s Frage kann man das gut illustrieren. Nehmen wir an, sie und der fragliche Typ würden von den biblischen Kriterien her gut zusammenpassen, dann kann man mit dem Verstand viele weitere Fragen klären:
- passt die geistige Leistungsfähigkeit zusammen?
- wo werden wir wohnen?
- gibt es eine Übereinstimmung, welchen Stellenwert die Mitarbeit in der Gemeinde hat?
Bei diesen Fragen braucht man nicht auf ein Zeichen von Gott zu warten, sondern kann nachdenken, verstehen was Gott will. Es kann auch sein, dass man dabei merkt, dass man nicht aus geistlichen, aber aus menschlichen Gründen keine Ehe beginnen kann. Wenn er mit Mühe die 8. Klasse schaffte und sie studiert, dann wird das nicht gut gehen. Man braucht gar nicht lange zu überlegen und weiß, das es die zwei notfalls miteinander aushalten, es wird aber keine Partnerschaft von Gleichen werden. Irgendwann wird er mit seiner Bierbüchse Fußball sehen, während sie im Konzert sitzt oder bei Freunden einem Hauskreis hält.
Wir können natürlich eine Menge Unsinn zusammendenken. Was kann man tun, damit unser Verstand geistlich geradeaus zu denken lernt? Wichtig ist:
1. Wir bitten Gott darum, dass der Heilige Geist, der in uns wohnt, unser Denken gesund macht.
2. Wir müssen unseren Kopf mit dem richtigen Stoff füttern. Wir haben die Wahl. Wer sich vorwiegend auf dem Niveau von „Big Brother“ abfüllt, soll nicht glauben, dass ihm im entscheidenden Moment die tollen Ideen kommen.
4. Gott redet durch Ereignisse
Auch das muss noch genannt werden. Gott kann durch besondere Ereignisse Weichen stellen. Er führt uns mit Menschen zusammen, die wir nie gesucht hätten - vielleicht auf einer Freizeit. Er kann Entscheidungen beeinflussen, die wir so nicht getroffen hätten. Ich wäre wohl nie auf eine Bibelschule gegangen, wenn mich nicht ein Mensch bei einer spontanen Begegnung dahin „geschoben“ hätte.
Es kann aber auch anders sein: Gott kann radikal eingreifen und durch dramatische Ereignisse begreiflich machen, dass es so nicht geht. Ein junger Mann kam zum Glauben und hat - eigentlich wider sein Gewissen - die Beziehung zu einer ungläubigen Freundin sehr intensiv und sehr intim fortgesetzt. Bei einer dieser Besuche wird ihm vor dem Haus seiner Freundin das Auto geknackt und bis auf das Lenkrad ausgeräumt. Das war für ihn Reden Gottes.
Aber bitteschön, dass ist nicht die übliche Art, wie Gott seine Leute führen will. Das ist die Notbremse, die er ziehen kann, wenn alles andere nicht mehr hilft.
Redet Gott heute noch? Wird ein Mensch, der sich danach sehnt, von ihm geführt? Ja. Aber es ist wie oben beschrieben. Seine Führung geschieht nicht durch Lautstärke, sondern durch Nähe. Und die kann man gestalten; oder auch nicht. Aber das liegt dann nicht an Gott.
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