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Aus teensmag 01/10 - teensmag.net

special// eltern.

 

Total hinter dir her

Die Wahrheit über deinen Vater im Himmel.

Vielleicht kann dir Gott als dein Vater gestohlen bleiben, weil dir ein Vater als Versager zuhause schon reicht? Keine Sorge. Gott ist anders. Ganz anders. »Mein Gott heißt Papa«, sagt Tobi Schöll und erklärt, was an ihm so hammer ist

Nach der Schule war im Sommer für alle Kumpels aus meiner Klasse klar: Wir sehen uns am Nachmittag im Freibad. Wir saßen immer an derselben Stelle,
kauften Unmengen an Süßigkeiten und überteuerten Pommes, tunkten die Mädels und machten Bomben bis die Badeshorts zerrissen. So liebten wir den Sommer. Doch ab und zu machte mir mein Papa einen Strich durch die Rechnung. Meine Brüder und ich saßen dann nach der Schule am Mittagstisch
und mein Papa verkündete: Heute Mittag seid ihr alle um 15 Uhr zu Hause, klar? Na, ganz toll. Alle meine Freunde hängen entspannt im Freibad rum und ich muss dem Befehl meines Papas gehorchen. Keine Ahnung, was er mit uns vorhat
...
Grandios und gar nicht ätzend
Als die komplette Familie Schöll dann mehr oder weniger begeistert versammelt war, sollten wir ins Auto steigen, uns anschnallen und überraschen lassen. Während der Fahrt eröffnete uns unser Papa dann seine grandiose Idee. Und ich muss gestehen, sie war wirklich grandios! Da mein Papa ein Meister in Sachen Spontanität, Abenteuerlust und Risikobereitschaftist, wurde es tatsächlich ein toller Familienausflug. Und je öfter diese liebevoll gemeinten Befehle am Mittagstisch ausgegeben wurden, desto mehr begann ich, meinem Papa zu vertrauen, dass er mir nicht meinen tollen Nachmittag versauen wollte, sondern es gut mit uns meint, er uns riesig lieb hat, sich extra frei nimmt, um Zeit mit uns zu verbringen und sich etwas Kreatives für uns ausdenkt, um uns zu überraschen. Und dass es ein besserer Nachmittag wird, als wenn ich meinen eigenen Plänen gefolgt wäre.

Das Papa-Original
So ist mein Papa. Inzwischen glaube ich, dass sich mein Papa von seinem Vater im Himmel hat inspirieren lassen. Dass er sich von ihm abgeguckt hat, wie Papa-Sein geht. Dass er das, was er von ihm gesehen, gelernt und gespürt hat, an uns weiter gegeben hat.
Er hat sich Jesus angeschaut und dabei erlebt, wie Gott ist. Denn Jesus sagt: »Wer mich sieht, der sieht den Vater!« (Johannes 14,9) Das heißt, ich darf nicht meinen Papa anschauen und denken: »Aha, so ist also Gott!«. Ich muss mir Jesus ansehen, um herauszufinden, wie Gott ist, was Papa-Sein eigentlich im Ursprung bedeutet und wie es funktioniert. Also Jungs: Falls ihr mal gute Papas werden wollt, merkt euch das! Schauen wir uns mal Jesus an, um mehr über unseren Vater im Himmel herauszufinden:

Total nah dran
Wir beginnen mit der Anrede. Wir wissen von einigen Gesprächen zwischen Jesus und seinem Vater. Kurz vor seiner Verhaftung im Garten Gethsemane zum Beispiel, als Jesus völlig verzweifelt ist, redet er mit Gott und sagt: »Abba, mein Vater…« (Markus 14,36). Normalerweise haben die Juden Gott mit »Ab« angesprochen, also mit dem feierlichen, ehrerbietenden hebräischen Wort für Vater. Jesus macht es anders. Er sagt einfach »Abba«. Luther müsste das eigentlich mit »Abba, mein Papa…« übersetzt haben. Genauso, wie alle kleinen Kinder zu Hause ihren Vater ansprechen. Papa eben. Das heißt, Gott ist eigentlich kein Vater im Himmel, wie wir das im »Vater unser« sagen, sondern unser Papa im Himmel. Da ist keine Distanz, keine unnötige Höflichkeit zwischen dem Papa Gott und dem Sohn Jesus. Die zwei haben sich lieb, denn Papa kann man nur sagen, wenn man keine Angst vor ihm hat und wenn man weiß, dass er es gut mit einem meint und man ihm vertrauen kann.

Total das Beste im Sinn
Und das kann Jesus anscheinend. Denn das Gespräch im Garten geht weiter. Jesus sagt in Lukas 22,42: »Abba, mein Papa, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir.« Jesus ist völlig verzweifelt. Er weiß, gleich kommen die Soldaten und verhaften ihn. Er weiß, sie werden ihn anspucken, ihn auspeitschen und an ein Kreuz nageln. Er weiß es. Und er hat Angst davor. Mit dieser Angst und Verzweiflung wendet er sich an seinen Papa. Und jetzt kommt das absolut Unvorstellbare. Er sagt nicht: »Papa, bitte mach, dass die Soldaten nicht kommen, weil ich Angst davor habe«, sondern er sagt: »Nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.« Jesus vertraut seinem Papa. Das ist in dieser Situation fast überirdisch. Ich musste nur lernen, meinem Papa zu vertrauen, dass er mir nicht meinen Nachmittag versaut. Jesus hat gelernt, seinem Papa so zu vertrauen, dass – sogar wenn er ihn sterben lässt – es immer noch das Beste für ihn und diese Welt ist, weil er damit einen gigantischen Rettungsplan durchzieht. Wow! Gott ist ein Papa, dem man vertrauen kann, sogar bis in den Tod hinein. Krass. Jesus wusste, dass sein Papa ihn riesig liebt und dass er ihm vertrauen kann und dass er lieber auf ihn hört, sich von ihm abhängig macht und ihm gehorcht, als seiner eigenen inneren Stimme zu folgen.

Total vertrauenswürdig
Ok, ich fasse mal zusammen, was wir bis jetzt herausgefunden haben: Wir dürfen nicht unsere Väter anschauen um herauszufinden, wie Gott ist, sondern wir müssen uns Jesus ansehen. Obwohl Luther es anders übersetzt hat: Jesus hat seinen Papa mit Papa angeredet und uns im »Vater unser« gezeigt, dass wir das auch dürfen. Jesus hat seinem Papa vertraut. Er hat ihm sein ganzes Leben anvertraut und er wurde nicht enttäuscht. Gott ist also ein Papa, dem wir voll und ganz vertrauen können. Vielleicht hast du dich aber auch schon mal gefragt, woher wir eigentlich wissen können, dass wir ihm nicht total egal sind. Oder ob er sich wirklich um uns sorgt, wie immer alle behaupten und ob er uns genau so liebt, wie er seinen Sohn Jesus liebt. Wenn ja, dann kommen hier die guten Nachrichten:

Total fürsorglich
Jesus sagt einmal: »Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten.« (Matthäus 7,11) und in einer anderen Situation sagt er: »Kauft man nicht zwei Spatzen für einen Groschen? Und doch fällt nicht einmal ein Spatz auf die Erde, ohne dass euer Vater es weiß. Bei euch aber ist sogar jedes Haar auf dem Kopf gezählt. Habt also keine Angst: Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Schwarm Spatzen!« (Matthäus 10,29-31) Jesus selber sagt den Menschen, die bei ihm sind, dass sie Gott unendlich wertvoll sind, und dass Gott uns Gutes will, viel mehr noch, als wir Menschen, oder vielleicht dein Papa dir Gutes tun will und tun kann. Er sagt ihnen das Unglaubliche. Er sagt ihnen, dass nicht mal so etwas Oberbelangloses wie ein Spatz, der irgendwo in Tadschikistan oder sonst wo aus dem Netz fällt, runter fällt, ohne dass es Gott kümmert. Und dass ihm die Menschen, seine Kinder, noch viel, viel wichtiger sind, als so ein tadschikischer Spatz und er sogar weiß, wie viel Haare auf unserem Kopf sind. So sehr kennt er uns und sorgt sich um uns.

Total verrückt nach dir
Achtung, jetzt wird‘s philosophisch: Jesus sagte einmal in Johannes 15,9: »Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch.« Und ein andermal: »Ich und der Vater sind eins« (Johannes 10,30). Jesus sagt also, dass er uns so sehr liebt, wie sein Papa ihn liebt. Da er und der Papa aber eins sind (hier kommt die Denkherausforderung der Dreieinigkeit ins Spiel), wissen wir, dass sein Papa auch uns liebt. Klar? Ok, falls du nicht ganz mitgekommen bist, geht es auch einfacher. Im Matthäuskapitel 18 steht die Geschichte vom verlorenen Schaf. Dieses so kurze, kleine Gleichnis ist unendlich groß. Hier macht Jesus klar, dass sein großer Papa für uns kleine Menschen alles stehen und liegen lässt und sich auf die Suche nach uns macht, wenn wir uns verlaufen haben. Er will nicht, dass auch nur einer von uns verloren geht. Und dafür gibt er alles. Er ist nicht zu stolz dafür, er ist sich nicht zu fein. Er riskiert seinen Ruf, sein Aussehen und sogar sein Leben – auf der Suche nach seinen geliebten Schafen. Nach dir und mir.

Total für dich
Am Ende wird Gott Mensch. Er, der Mächtige. Der Welterschaffer. Der Meeresteiler. Der Alleswisser. Spatzenkenner und Haarezähler. Der Sturmstillerund Brotvermehrer. Der Heilende und Todbesieger. Er wird ganz klein und wird wie wir. Kratzt sich an Mückenstichen und hat Durchfall. Weil er uns liebt. Weil er dich liebt. Und am Ende rennt dir dein Papa im Himmel sogar entgegen. Mit offenen Armen und Freudentränen in den Augen. Weil er sich nach dir gesehnt hat und sich so sehr darüber freut, dass du bei ihm bist.

Totale Liebe
Schon mal deinen Papa rennen sehn? Ja? Hast du ihn auch schon mal auf dich zurennen sehen, mit offenen Armen und auf Vollgas, weil er sich so freut, dass du wieder da bist? Ich nicht. Ich kann mir das ehrlich gesagt auch gar nicht vorstellen. Er kommt mir zwar manchmal entgegen gelaufen, aber gerannt kam er noch nie. Jesus erzählt aber von einem Papa, der das tut. Er erzählt davon im Gleichnis vom verlorenen Sohn, gleich nach der Schafgeschichte in Lukas 15. Hier macht uns Jesus noch einmal ganz einfach und ganz klar deutlich, wie sehr uns unser Papa im Himmel liebt. Obwohl der Sohn die Ehre seines Vaters mit Füßen tritt, gibt ihm sein Papa alle Freiheit. Als der Sohn ihn verlässt, wartet sein Papa auf ihn, bis er wieder kommt. Und als er stinkend und halb verhungert nach Hause gekrochen kommt, rennt ihm sein Papa entgegen, vergibt ihm ohne Worte und freut sich so sehr, ihn wieder zu haben, dass er das größte Fest feiern lässt, das sein Haus je gesehen hat. So ist Gott, sagt Jesus. So ist sein Papa. So ist unser Papa Gott.

Text_Tobi Schöll findet seinen Vater richtig cool.
So ein Papa will er auch mal werden.

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