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DAS MÄRCHEN VOM ERWECKUNGSLAND
Warum ich nicht mehr an Erweckung glaube, obwohl ich immer noch an Erweckung glaube


// »Hört zu, ich will euch von einem guten Lande sagen, dahin würde mancher auswandern, wüsste er, wo es liegt... Alle Brunnen sind voll süßer Weine, die rinnen einem nur so ins Maul. Wer also gerne solche Weine trinkt, der eile sich, dass er in das Schlaraffenland hineinkomme... Die Fische schwimmen in dem Schlaraffenlande obendrauf auf dem Wasser, sind auch schon gebacken oder gesotten und schwimmen nahe am Gestade. Wenn aber einer gar zu faul ist und ein echter Schlaraff, der darf nur rufen: Bst - bst! so kommen die Fische heraus aufs Land spaziert und hüpfen dem guten Schlaraffen in die Hand, dass er sich nicht bücken braucht... «*

Als ich ein Kind war, las meine Mutter uns oft aus einem Märchenbuch vor. Wir lernten das »Schlaraffenland« kennen und waren fasziniert von der Leichtigkeit und Bequemlichkeit, mit der man dort lebte. Leider gab es dieses Land nicht wirklich. Wir brauchten nicht lange, um das herauszufinden. Als ich erwachsen geworden war, hörte ich von einem neuen Wunderland. Man nannte es »Erweckung«. Eines Tages würde der Himmel sich öffnen und dieses Land käme geradewegs auf uns geflogen. Alles, was uns bis dahin unter viel Mühe kaum gelungen war, würde sich auf einmal wie von selbst einstellen. Statt von Jesus zu lernen, wie man »Menschen fängt«, hüpften die Menschen dem guten Schlaraffenchristen nur so in die Gemeinde, dass er sich nicht zu bewegen braucht. Es dauerte etwas länger, bis ich herausfand, dass auch dieses Land ein Märchen ist – ein Märchen, das seine Anziehungskraft aus derselben menschlichen Neigung zieht wie jene Geschichte aus meinen Kindertagen. Der Name »Schlaraffenland« stammt vom mittelhochdeutschen sluraff und bedeutet »Faulenzer«. Ein Mensch, der diese Bezeichnung verdient, träumt davon, bestimmte Ergebnisse zu erzielen, ohne den dafür vorgesehenen Einsatz zu bringen. Christen scheinen immer auf der Suche nach Zaubermitteln und Geheimrezepten zu sein.

Als sie die »Geistliche Kampfführung « entdeckten, karikierte ein Autor ihre Bemühungen ungefähr wie folgt: »Geistliche Kampfführung hat unser Leben sehr viel einfacher gemacht. Unsere Gemeinde befindet sich in einer sozial schwachen Gegend. Früher wäre es sehr mühsam gewesen, dagegen etwas zu unternehmen. Wir hätten eine Sozialstation mit Suppenküche einrichten müssen, Mitarbeiter gewinnen und Geld aufbringen müssen. Heute ist das sehr viel einfacher geworden. Wir ziehen nach dem Gottesdienst eine halbe Stunde proklamierend durch unsere Nachbarschaft, binden den ›Geist der Armut‹ und sind nach vollbrachter Tat rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause.«**

Manche Erweckungssehnsucht wird durch den Wunsch genährt, »die Welt für Jesus zu gewinnen«, ohne sich ernsthaft auf Kultur, Gesellschaft und Nachbarschaft einlassen zu müssen. Wir möchten eine kuschelige Parallelkultur bleiben und trotzdem die Welt verändern. Wo Jesus uns in die Welt gesandt hat, wünschen wir uns, dass die Leute zu uns kommen. Und nun hoffen wir auf eine Erweckung, die unsere Anziehungskraft so sehr erhöht, dass die Leute endlich wieder kommen – in Scharen und so, dass sie durch einen einzigen Touch von Gott völlig durchgestylt sind. Aber es wird keine Erweckung geben, mit der unsere Faulheit und unser Ungehorsam belohnt werden.

Eine stille Erweckung
Woran ich immer noch – und vielleicht mehr als je zuvor – glaube, ist eine Erweckung anderer Art. Ich glaube, dass das Reich Gottes und das Evangelium von Jesus auch in unserem Land noch gute Zeiten vor sich haben. Und ich glaube, dass diese Art von Erweckung bereits begonnen hat.

Wenn ein Land trocken und unfruchtbar geworden ist, gibt es zwei Möglichkeiten, es zu neuer Blüte zu bringen: wolkenbruchartiger Regen oder steigender Grundwasserpegel. Ein Platzregen mit Blitz und Donner ist dramatischer, steigendes Grundwasser ist jedoch nachhaltiger.
Weil wir das Spektakuläre lieben, hoffen wir darauf, dass die Wolke bricht und ihr Wasser auf unser Land schüttet. Aber vielleicht richtet mancher Erweckungsfreund immer noch den Blick zum Himmel und hält nach der Wolke Ausschau, während um ihn herum schon vieles sprosst und blüht, ohne dass er es wahrnimmt.

Gott tut mehr in der Stadt, als wir auf den ersten Blick sehen. Im vergangenen Jahr wurden wir in Berlin überrascht, als die säkulare Presse vom »Wunder im Prenzlauer Berg« zu berichten begann.
(Fortsetzung... siehe kostenloses eBook)

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THERACE-eBook-2-2008.pdf

(weiterlesen auf Seite 8)


Text: Harald Sommerfeld


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* Quelle: www.weihnachtsseiten.de/
weihnachtsmaerchen/schlaraffenland
** Quelle: Christianity today

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