Dauerkontroverse Masturbation
Ein meist tabuisiertes Thema unter die Lupe henommen
Bei anonymisierten Umfragen1 unter verheirateten Christen in Amerika antworteten 22 Prozent der Frauen, dass sie nicht masturbieren – 78 Prozent tun es demnach. Die meisten von ihnen zwischen einmal monatlich und mehrmals wöchentlich. Bei den Männern gaben nur 12 Prozent an, dass sie nicht masturbieren, die Häufigkeit bei den verbleibenden 88 Prozent ist in etwa gleich verteilt.
Masturbation in der Ehe – eine verheimlichte Angelegenheit? Eher nicht: Nur 20 Prozent der befragten Männer gaben an, ihre Frau wüsste nichts davon oder würde es vielleicht vermuten (ohne dass die Ehepartner darüber gesprochen hätten). Von den Frauen gaben lediglich 10 Prozentdiese Antwort. Das zeigt, dass in den meisten Ehen bei dem Thema Offenheit herrscht. Dadurch, dass die Antworten anonym gegeben werden konnten, ist eine gewisse Ehrlichkeit anzunehmen.

Darüber spricht man nicht
Es gibt keinen Mangel an Literatur zum Thema christliche Ehe. Sowohl für die Partnerwahl als auch für den Beginn und den Alltag in der Ehe findet man eine reichliche Auswahl an Büchern. Auch für Teenager männlichen und weiblichen Geschlechts wartet eine Fülle von Literatur in den Regalen. Von Musik über Freundschaften bis zu Gemeindeaktivitäten werden allerlei Themen behandelt.
Allerdings werden viele Autoren plötzlich schwammig in den Formulierungen, wenn es um den Bereich der Sexualität geht und verstummen ganz, was die Masturbation betrifft. Häufig werden, wenn das Thema überhaupt angesprochen wird, Idealgemälde entworfen, die vom Alltag der Leserinnen und Leser weit entfernt sind oder Behauptungen aufgestellt, die jeglicher Grundlage in der Bibel entbehren. Aber wie so oft ist es dann so, dass es ja schließlich ein ›christliches Buch‹ aus einem ›christlichen Verlag‹ von einem ›christlichen Autor‹ ist – und daher muss ja wohl alles stimmen, was es da zu lesen gibt. Statt solcher Prämissen und Spekulationen wollen wir mal die Bibel befragen.
Der biblische Befund
Selbstbefriedigung ist ein Thema, das unter Christen kaum angesprochen wird, und wenn, dann meist mit dem erhobenen Verbotszeigefinger. Der Frage, ob es für das Tabu irgendeine biblische Begründung gibt, gingen Paul und Lory Byerly, Gründer der christlichen Eheberatung The Marriage Bed,2 nach: »Wir haben eine Menge Erklärungen gehört, warum Masturbation Sünde sein soll, aber bisher ist niemand in der Lage gewesen, uns einen guten Grund zu nennen, warum die Bibel das nicht aussagt. Gibt es irgendeine sexuelle Sünde, die in der Bibel nicht klar definiert ist?
Es gibt Schriftstellen, die eindeutig zu Unzucht, Ehebruch, Lust, Inzest, Vergewaltigung, Homosexualität und sogar Sex mit Tieren Stellung beziehen. Sicher ist der Drang zu masturbieren wesentlich mehr verbreitet, als die Lust auf eine der genannten Sünden, und dennoch verliert die Bibel kein einziges Wort über das Thema. Wenn Gott es für notwendig hielt, uns zu sagen, dass wir keinen Sex mit Tieren haben sollen, warum fand er es dann nicht ebenso notwendig, uns die Masturbation zu untersagen?
Es scheinen nur drei Antworten möglich zu sein, warum »Du sollst nicht masturbieren! « nicht in der Bibel steht:
1.) Es wurde vergessen,
2.) Man braucht besonderes Wissen oder geistliche Einsichten, um dieseWahrheit zu erkennen oder
3.) Masturbation ist keine sündige Handlung.
Nummer 1 macht die Bibel unvollständig.
Nummer 2 ist die Irrlehre des Gnostizismus.
Somit bleibt nur Nummer 3 als Antwort übrig.
Mancher wird sagen, es spiele keine Rolle, warum Gott es nicht gesagt hat. Es spielt aber durchaus eine Rolle, wenn man dem, was die Bibel lehrt, ein Gebot hinzufügen will. Dann muss man nämlich auch erklären, warum Gott es nicht selbst gesagt hat, sondern jemandem eine Erkenntnis anvertraut, um das in der Bibel Versäumte zu ergänzen. Es fällt schon außerordentlich schwer, das Schweigen der Bibel zum Thema zu erklären, selbst wenn jemand überzeugt ist, Masturbation sei sündig. Die meisten Argumente, die man von denjenigen hört, die Selbstbefriedigung für Sünde halten, sind nur so lange einigermaßen nachvollziehbar, wenn man von der Prämisse ausgeht, dass die ablehnendeAuffassung richtig sei.
Wenn jedoch jemand mit der Frage die Bibel studiert: »Ist das Sünde?«, anstatt nach Argumenten für eine bereits vorgefasste Meinung zu suchen, sind die Resultate ganz anders.
Nur auf diese Weise kommen wir aber zu sauberen biblischen Antworten, egal, um welches Thema es sich dreht.Es gibt allerdings einige ernstzunehmende Vorbehalte, was die Masturbation von Eheleuten betrifft. Wir sind in der Ehe füreinander da, auch um die sexuellen Bedürfnisse des Partners zu erfüllen. Daher kann man mit Fug und Recht Masturbation als falsch bezeichnen, wenn dadurch der Partner zu kurz kommt. Außerdem kann es durchaus ein Hinweis sein, dass mit der Sexualität in der Ehe etwas nicht im Gleichgewicht ist, wenn der Drang zur Masturbation übermäßig hervortritt. Andererseits ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Ehepartner einen stärkeren Sexualtrieb hat als der andere, so dass Masturbation sicher die bessere Lösung ist als Geschlechtsverkehr nur ihm oder ihr zuliebe – von außerehelichen Eskapaden ganz zu schweigen.
Die sind nämlich tatsächlich Sünde, und das sagt die Bibel auch.Ein weiterer Aspekt: Wenn Masturbation vor dem Partner verheimlicht wird, ist auf jeden Fall das Vertrauensverhältnis in der Ehe nicht so, wie es sein sollte.
(Fortsetzung... siehe kostenloses eBook)
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(Artikel beginnt auf der 14. Seite)
Text: Günter J. Matthia
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1 Die Umfragen (in Englisch) sind zu finden in diesem Forum: The Polls at Marriage Bed Forum » www.themarriagebed.com/boards/viewforum.php?f=69
2 Die Hauptseite der Eheberatung (in Englisch) ist hier zu finden: The Marriage Bed Main Page » www.themarriagebed.com