Durchgefallen, aber glücklich
Wochenlang hatte ich nicht gelernt. Dann stand eine Prüfung bevor, und ich musste Gas geben. Was für ein Druck! Manchmal kommt es mir vor, als besteht das ganze Leben nur aus Druck. Es fängt in der Schule an: Die Noten müssen stimmen! Weiter geht's - vielleicht sogar noch schlimmer - im Berufsleben: Ich muss gute Arbeit abliefern, muss genügend Geld verdienen!
Hin und wieder fühle ich mich diesen Herausforderungen nicht gewachsen. Gerade dann, wenn Menschen mit drin stecken. Bücher kann ich auswendig lernen. Aber Menschen studieren? Jeder Mensch ist anders! Und so kommt es immer wieder zu Problemen, die ich nicht miteinkalkulieren konnte. Eine mathematische Gleichung für Menschen gibt's nun mal nicht.
Meine Hebräisch-Prüfung lief an sich ganz gut. Mit dem schriftlichen Teil war ich ziemlich schnell fertig. Ich kam auch in den zweiten Teil der Prüfung, die mündliche. Ich bestand sie, bekam eine gute Drei. Das reichte allerdings nicht, um mein Hebraicum zu bestehen. Der Druck in dieser Prüfung, der auf mir lastete, war viel höher - ohne dass ich das vorher wusste. Ich hätte eine 1,6 schaffen müssen.
Als ich mein Ergebnis bekam, musste ich unwillkürlich lachen. Vielleicht kannst du das nachvollziehen: Es hatte sich so viel Spannung in mir aufgebaut – und jetzt war sie plötzlich weg.
Mir wurde bewusst, was ich geleistet hatte: Ich hatte meinen Prüfungshorror überwunden und eine Drei geschafft! Ist doch besser als nichts!
Ich konnte mit neuem Mut ins nächste Studiensemester starten. Dort habe ich nun eine „2nd chance to make it better"!
Ja, im Studium und auch in der Schule gibt es solche Chancen. Im Berufs- und Privatleben ist das oft nicht der Fall: Die Kündigung droht, Freundschaften zerbrechen - und das alles, weil ich mich nicht genügend angestrengt habe.
Ich hab das Gefühl, in allem besser sein zu müssen. Nur so würde ich dem ewigen Druck standhalten können. Ich muss eine bessere Schülerin, Studentin, Freundin sein. Ja sogar ein besserer Christ.
Funktioniert das? Nein!
Ich setze mir selbst Ziele, die ich nie erreichen kann. Schließlich weiß ich gar nicht, wie ich eine bessere Freundin oder ein besserer Christ werde. Also verrenke ich mich um auf Biegen und Brechen - und gehe daran kaputt.
Jesus sagt in Mt 11,28 (HFA):
"Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben."
Einfacher gesagt als getan. Mein Dickschädel will doch immer alles allein schaffen. Ganz nach dem Motto: „Gott hat schon genügend anderes zu tun. Ich muss erst einmal ein besserer Christ werden, um mich ihm überhaupt zeigen zu dürfen."
Falsch gedacht! Gott weiß genau, wem oder welchen Dingen ich mich in meinem Leben entgegenstellen muss. Welcher Druck auf mir lastet. Und eben genau dann, wenn dieser zu groß wird, will er mir beistehen, will er meine Hand halten und sagen, wie es besser geht.
Im Text heißt es weiter: „Lasst euch von mir in den Dienst nehmen, und lernt von mir! Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Bei mir findet ihr Ruhe für euer Leben. Mir zu dienen ist keine Bürde für euch, meine Last ist leicht."
Klingt nach dem kompletten Gegenteil von dem, was ich bisher erlebt habe!? Gott möchte allen Druck von mir nehmen! Alles, was ich tun muss, ist: ehrlich sein. Und Vertrauen haben in Jesus. Ich darf ihm sagen, was in meinem Leben ansteht. Darf ihm von den Prüfungen erzählen und von meinen Ängsten davor. Ich darf und soll es in seine Hand legen und mit ihm zusammen das Nötige tun. Er verachtet nicht, was ich tue. Er verachtet auch nicht, wenn ich mal an Druck zerbreche. Vielleicht sagt er: „Hey Nadine, du hast dein Nötigstes getan, um diese Hebräisch-Prüfung zu überstehen.
Der Druck auf dir war groß. Du hast es nicht geschafft. Du hast dir auch sonst zu viel vorgenommen. Aber hey, du bist weit gekommen, du kannst stolz auf dich sein! Bei mir musst du nicht besser sein als andere! Du sollst einfach du selbst sein! Schau, auch bei mir gibt es eine zweite Chance, es besser zu machen, wenn du willst sogar noch viele weitere Chancen. Ich möchte nur, dass du mir vertraust!"
Die Frage, was ich will, sie liegt bei mir: Will ich den Druck, der mich systematisch zerstört? Oder will ich eine Leichte Last mit sehr viel Hilfe?
Ich für meinen Teil kann sagen: Durchgefallen, aber glücklich! Glücklich darüber, dass es Jesus gibt, der mich wieder auffängt! Glücklich, weil ich niemandem etwas beweisen muss! Und glücklich, weil ich ich selbst sein darf vor ihm!