Fischmarkt-Story
29.04.2008 Am Wochenende fuhr ich zum Fischmarkt. Eine der Attraktionen Hamburgs. Außer Fisch, Obst und jede Menge Zeugs sollte an diesem Morgen auch ein Gottesdienst stattfinden.
Als ich um kurz nach zehn die Halle betrat war noch groß Party angesagt. Ein paar Schnapsleichen lagen draußen in der Sonne, einige andere hielten sich noch standhaft an den Tischen fest, bis die letzte Band ihre Sachen gepackt hatte. Nach und nach wurde die Halle dann leerer - oder voller, wie mans nimmt. Immer mehr Christen stürmten den Saal. Jetzt wollten sie Party machen.
Ich setzte mich an einen freien Tisch in der Mitte des Raumes. Neben mir saßen zwei Jungs, die nur langsam begriffen, was um sie herum geschah, als die Lobpreis-Band die Bühne betrat. H. und G. Sie beide waren ziemlich angetrunken und seit mindestens zehn Stunden auf Tour. Beide wollten mit Gott nichts zu tun haben, trotzdem blieben sie sitzen und begannen mit verschiedenen Leuten zu diskutieren. Auch mit mir. Ich redete mit ihnen über alles mögliche. Andere Länder, Football, aber auch über den Glauben. H., etwa 26 Jahre alt, hatte in seinem Leben schon Erfahrungen mit Kirche im Ausland gemacht. Leider keine Guten. Aber er tolerierte die Menschen um ihn herum. G. allerdings redete sich so in Rage, dass er nur schwer ruhig zu halten war. Sein Alkoholpegel tat sein Übriges. Er sprang immer wieder auf, grölte umher und wollte fast schon die Bühne stürmen. Davon konnten wir ihn dann doch gerade noch abhalten.
Vom Gottesdienst selber bekam ich so gut wie nichts mit. Die Jungs nahmen schließlich meine ganze Aufmerksamkeit in Beschlag. Notgedrungen auch die anderer Christen um uns herum. Viele warfen mir deswegen mitleidige und sogar missbilligende Blicke zu. Andere verzogen einfach das Gesicht und lachten
sie aus oder versuchten sie einfach nicht zu beachten. Sie hätten die Jungs wahrscheinlich einfach vor die Tür setzten lassen. Klar hätte ich mit ihnen einfach raus gehen können. Aber ich wollte es bewusst nicht. Auch H. war das Verhalten seines Freundes peinlich, doch was sollte er tun um seinen Freund zu beruhigen, wenn dieser mit der Situation überfordert war.
Die Geschichte war an diesem Punkt lang nicht zu Ende. Aber alles in Allem muss ich sagen: H. beeindruckte mich immer mehr. Er war einfach er selbst und stand zu dem, was er sagte. Für H. war an diesem Morgen sein Freund das Wichtigste. Er war bereit jedem eine reinzuhauen, der seinem kleinen Bruder dumm kommt, egal, wie sehr er ihn selbst dafür hasste, was er tat. Okay, das ist vielleicht nicht die feinste englische Art, trotzdem kann ich mir als Christ davon eine große Scheibe abschneiden. Wie so oft erwische ich mich selbst dabei, dass ich Dinge tue, die ich eigentlich nicht will, und nicht zu dem stehe, was ich glaube.
In der Bibel heißt es zwar Macht zu Jüngern
, taufet sie
(Ihr kennts alle.) Aber wie oft wird nur darüber diskutiert und nichts getan. Wie oft wird eine Ausrede nach der anderen gesucht, warum ich gerade eben keine Zeit habe mich um die zu kümmern, denen es schlecht geht?
Auch, wenn die Zwei mich, und einige wenige, mit denen sie sprachen, an diesen Tag als Christ akzeptierten, so hätte ich mir doch gewünscht, dass sie genauso akzeptiert worden wären. Vielleicht wären sie dann mit einem anderen Bild von Kirche nach Hause gegangen.
Die Zwei werde ich wahrscheinlich nicht wiedersehen, aber bestimmt noch viele andere wie sie treffen. Und ich hoffe sehr, dass ich auch für sie die Portion Nächstenliebe übrig habe, die sie verdienen. Auch, wenn mir gerade nicht danach ist.