Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt
Theologiestudenten sind manchmal ganz sarkastisch. Insbesondere, wenn es um die Bibel geht. Kennst du das auch: In deinem Jugend- oder Hauskreis lest ihr ein Bibel-Kapitel und du denkst: „Nicht schon wieder diesen Text, den haben wir nun doch schon soo oft durchgekaut. Der verfolgt mich ja regelrecht.“
Vor genau dieser Situation stand ich mal in der Studentenmission Deutschland, kurz SMD. Es ging um Matthäus 28, 18-20: „Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ – Der Missionsbefehl. Mit dem hatte ich mich schon so oft beschäftigen müssen.
Besondere Würze bekam die Sache dadurch, dass gleich mehrere Teilnehmer unserer Runde die Nase voll hatten, ständig die gleichen Debatten zu führen. Wir machten gemeinsam Scherze, wollten unbedingt was anderes lesen. Dabei vergaßen wir die anderen in unserer Gruppe. Genau die, die Fragen hatten. Die, die nicht theologisch eingefärbt waren. Und wir verloren das Ziel der SMD aus den Augen: Menschen zu Jüngern zu machen. Weil wir nur auf uns bedacht waren!
Zwei aus unserer Mädchenrunde hatten Fragen, ehrliche Fragen. Und wir, wir stießen sie mit unserem Getöne voll gegen die Wand. Woraufhin mich eine der Zwei verunsichert anschaute, so nach dem Motto: „Hab’ ich was falsch gemacht?“
Das brachte mich ins Grübeln. Denn dieses Mädel kannte noch nicht so viel von Gott, was ich vorher nicht wusste. Sie hatte Gott gerade erst kennengelernt. Ich erinnerte mich an die Zeit zurück, als ich selber Fragen hatte, die nach Antworten suchten. Wie verunsichert ich war, wenn es um Themen ging, die schon alle kannten. Ich schämte mich damals, dass ich manches nicht wusste. Dabei ist so was völlig normal. Und nach mehr Wissen zu fiebern, ist eine gute Sache!
Ich denke, dem Mädel jetzt in der Runde ging es ähnlich: Fieber nach mehr Wissen und auf der Suche nach Erbarmen derer, die ihr die Antworten auf ihre Fragen geben könnten. Wenn man dann keine Antworten bekommt, ist das ganz schön unbarmherzig.
Ja, ich denke, als Christ kann ich leider auch unbarmherzig sein. Ich merke das allerdings meist gar nicht. Ich sollte meine Antennen besser ausrichten, sollte mehr darauf achten, wie es den Menschen um mich herum geht. Ich muss mir immer wieder klar machen, dass nicht alle Menschen um mich herum den gleichen Wissensstand haben.
Es gibt Texte in der Bibel, die habe ich schon x-mal gelesen. Trotzdem kann auch ich immer wieder Stellen in ihnen entdecken, die ich bislang noch gar nicht betrachtet hatte. Das passiert vor allem im Miteinander mit anderen Menschen: Andere entdecken etwas, was mir nicht aufgefallen wäre. Es ist also gut, Texte immer wieder zu lesen. Nur so kann ich selbst im Glauben weiter kommen.
Fazit: So wie jede Glaubensgeschichte einzigartig ist, so ist es auch jede einzelne Geschichte in der Bibel. Und sie verdient es, immer wieder neu gelesen zu werden!