Unsere Fähigkeiten
Sarah macht Fotos, Bastian stellt die Fragen und Franzi nimmt das Ganze auf. So war's geplant, als meine drei Redakteurs-Kids loszogen, um zu recherchieren. Als sie wieder zurück waren und mir das Ergebnis präsentierten, stellte ich fest: Ihr habt meinen kleinen Test bestanden...
Und zwar haben die Drei in der Gruppe sämtliche Absprachen über den Haufen geworfen und sich neu organisiert, wodurch sie ein gutes Arbeitsergebnis zustande brachten, was anderenfalls wohl nicht geklappt hätte.
Ich hatte sie nämlich in dem Wissen losgeschickt, dass ihre Aufgaben nicht ihren Gaben entsprachen. Sarah war zu klein und ausgeflippt, um Fotos zu machen, Bastian einfach zu schüchtern, um Fragen zu stellen. Trotzdem haben sie sich auf die Aufgabe eingelassen, es ausprobiert und dank geänderter Aufgabenverteilung etwas geschafft, bei dem ältere Jugendliche und Erwachsene oft scheitern. Entweder aus Neid oder aus falschem Ehrgeiz.
Ehrgeiz, der mich zum Beispiel dazu bringt, Aufgaben zu übernehmen, die mir gar nicht liegen. Die ich aber aus Angst, doof dazustehen, zu erledigen versuche.
Neid, besser sein zu wollen als ein anderer Mensch, obwohl ich genau weiß, dass ich nicht die gleiche Begabung habe wie er.
Dabei vergesse ich, dass auch ich Dinge kann, die andere Personen nicht so gut bzw. gar nicht können. Gott hat mich schließlich genauso einzigartig gemacht wie dich, Bastian, der besser Fußballspielen kann. Oder wie dich, Sarah, die einfach besser zeichnet. Es wäre doch langweilig, wenn es nur solche Chaoten gäbe wie mich oder die ganze Welt nur aus superschlauen Besserwissern bestünde, oder?
Gott gab mir zum Beispiel meinen kreativen Chaotismus, der sich nicht nur in Zeichnungen oder Texten widerspiegelt. Er gab mir auch noch etwas anderes dazu - und zwar die Möglichkeit zu erkennen, was ich kann und wie ich dieses Können sinnvoll einsetzen kann. Denn wie in allen Dingen gibt es auch hier ein Richtig oder Falsch. Es wäre zum Beispiel falsch, aus Eigennutz mit meinen Fähigkeiten anzugeben, vor allem wenn ich genau weiß, dass ich einen anderen Menschen dadurch kleiner mache als er in Wirklichkeit ist. Richtig wäre dagegen, mit Hilfe meiner Begabung anderen Menschen zu helfen. Ihnen dabei zu helfen, dass sie ihre ganz eigene, persönliche Begabung finden bzw. weiterentwickeln. In einem Kurs für Zeichnen beispielsweise kann ich mein Wissen weitergeben.
Gott warnt uns in 1. Korinther 12,3: "Überschätzt euch nicht, sondern bleibt bescheiden." Es geht dabei nicht nur um Begabungen, es geht um noch mehr.
In Epheser 4,7 steht dazu: "Jedem einzelnen von uns aber hat Christus besondere Gaben geschenkt, so wie er sie in seiner Gnade jedem zugedacht hat" ... der zu ihm gehört.
Gaben, die mein normales Können noch übersteigen. Keiner von uns "soll sich etwas anmaßen, was über die Kraft des Glaubens hinausgeht, die Gott ihm geschenkt hat." (1. Kor 12,3b) Schließlich bin ich ein Teil eines größeren Ganzen. Wenn ich mich allerdings immer wieder durch Neid und falschen Ehrgeiz leiten lasse, dann kann ich nicht objektiv beurteilen, was gut oder schlecht ist. Ich mache Fehler.
Es sollte sich jeder wohl erst einmal an die eigene Nase fassen und nach dem streben, was Gottes Idee für unsere Fähigkeiten ist.
Nadine Bauerfeind