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Ich bin dann mal weg!Ich habe mich nach meinem Abi 2005 auch erstmal für sechs Monate verabschiedet. Meine Reise ging über den großen Teich in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ich wollte einfach mal raus in die große weite Welt und was anderes machen als bisher. New York City schien mir für mein Abenteuer geeignet. Ja, als ich meinen Freunden und Bekannten erzählt habe, dass ich für ein halbes Jahr nach New York gehe, wurden einige sogar gelb vor Neid. Die Stadt, die niemals schläft. Die Stadt der Reichen und Schönen... Mein erster Langstreckenflug war nach knapp zehn Stunden und tausenden Stoßgebeten gen Himmel ("Herr, lass uns nicht abstürzen!") vorüber und das Abenteuer nahm seinen Lauf. Als ich mit meinem relativ guten Schulenglisch dem Taxifahrer die Adresse meines Zielortes nannte, schaute er mich nur verständnislos an und grinste. Also habe ich ihm die Adresse aufgeschrieben, sie sagte ihm leider immer noch nichts. Er schlug kurz seine Straßenkarte auf und fuhr einfach drauf los. Ich saß auf der Rückbank und bemerkte, dass die Gegend immer runtergekommener aussah. Vernachlässigte Häuser, verlassene Schrottkarossen und Müllberge am Straßenrand zogen an mir vorbei. Endlich hielt der Taxifahrer an und drehte sich zu mir um: "Ich glaube, wir sind hier!". Ich sah aus dem Fenster und sah ein großes Haus, umzäunt und nicht im besten Zustand. Ich war am Ziel: Bushwick Building. Mein Zuhause für die nächsten vier Monate. Denn ich hatte mich entschieden, an dem Internship Programm von Metro Ministries teilzunehmen. Auf einer Jugendkonferenz in Deutschland traf ich Bill Wilson, den Gründer der größten Sonntagsschule in Amerika. Er erzählte von seinem Leben und seiner Organisation so krasse Geschichten, die konnte ich nicht einfach so glauben. Ich musste sie mit eigenen Augen sehen. Metro Ministries arbeitet seit mehr als 25 Jahren in den Ghettos von New York. Sie wollen Kinder und deren Familien mit dem Evangelium erreichen und den Glauben an Jesus Christus weitergeben. Und das machen sie ganz praktisch: Unter der Woche fahren sie mit Trucks in die verschiedenen Stadteile und veranstalten eine mobile "Sidewalk Sunday School" und samstags holen sie mal eben 6.000 Kinder aus der Nachbarschaft für die "Indoor Sunday School" ab. Morgens noch in Deutschland, abends bereits in Amerika, so schnell kann es gehen und du bist Teil eines Dienstes. Ich und 52 andere Freiwillige aus aller Welt, aber mit einem gemeinsamen Ziel: einen Unterschied zu machen. Damit ging es auch schnell los: Nach einer Einführungswoche wurden wir in Gruppen eingeteilt und den Mitarbeitern von Metro zugeteilt. Die Theorie sollte direkt in die Praxis umgesetzt werden und so fuhr ich mit meiner "Division" nach Harlem zu meiner ersten "Sidewalk Sunday School". Sobald wir mit unserem gelben Truck in den Park fuhren, kamen die Kinder freudestrahlend angerannt: "Yogibear ist da!". Viele Kinder umarmten mich, obwohl sie mich überhaupt nicht kannten. Ich war baff. Innerhalb eines Tages hatte ich 200 neue kleine Freunde. Ich merkte schnell, dass viele der Kinder sich nach Zuwendung und Liebe sehnten. Nach jemanden, der sie in den Arm nimmt und ihnen sagt, dass sie geliebt, schön und wertvoll sind. Schön und wertvoll sind auch die Erfahrungen, die ich während meines Einsatzes sammeln durfte. Ich kann gar nicht alle Erlebnisse erzählen, weil jeder Tag ein Abenteuer war. Doch möchte ich euch von zwei positiven Highlights berichten. Positiv, weil es auch nicht so schöne Highlights gab: Schießereien und ein verbranntes Kind. Während der Weihnachtszeit läuft Metro auf Hochbetrieb. Alle packen an: Mitarbeiter, Praktikanten und viele viele freiwillige Helfer, denn gerade zu Weihnachten kann man Gottes Liebe an die Kinder weitergeben. Viele der Kinder leben in menschenunwürdigen Zuständen. Ratten und Kakerlaken sind keine Ausnahme, sondern Regel. Volle Kühlschränke gibt es nicht und manchmal gibt es einfach gar nichts zu essen, weil die Mutter mal wieder auf Drogen ist. Es passiert oft, dass Kinder nach Urin stinken und dreckig sind. An Weihnachten Geschenke? Der Weihnachtsmann schafft es leider nicht bis ins Ghetto. Deshalb haben wir vor der Weihnachtszeit über 50.000 Geschenke eingepackt. Das hat wirklich Tage, ja Wochen gedauert, aber die Arbeit hat sich gelohnt. Weil in der "Sunday School" vor Weihnachten jedes Kind ein Geschenk bekommen hat. Jedes Kind. Für viele war und blieb es auch das Einzige. Die Freude war groß und die Augen strahlten über ein Geschenk, das du oder ich sich niemals gewünscht hätten, weil es zu klein gewesen wäre. Das zweite Highlight war ein Abend namens "Night of Hundred Stars". Zwischen Thanksgiving und Weihnachten liegt die Selbstmordrate bei Prostituierten besonders hoch, weil sie alleine und einsam sind. Deshalb lud Metro 100 Prostituierte aus der Nachbarschaft zu einem geselligen Abend ein. Wir weiblichen Praktikanten haben in der Turnhalle der Kirche einen Beauty Salon eröffnet und ihnen die Haare, die Nägel und das Make-up gemacht. Danach wurden sie vor einem geschmückten Weihnachtsbaum fotografiert. Das gerahmte Bild haben sie am Ende des Abends als Geschenk erhalten. Nach dem äußerlichen Make-over haben die verheirateten Männer im Smoking die Damen mit Rosen abgeholt und in die Kirche geführt. Dort hatten wir Tische dekoriert und ihnen in einem festlichen Rahmen ein Dinner serviert. Natürlich blieb es nicht nur bei einem äußeren Make-over, Pastor Bill predigte auch. Einige der Prostituierten waren so angesprochen, dass sie innerlich erneuert wurden. Es war sicherlich ein sehr ungewöhnlicher Abend der mich jedoch tief bewegt hat. Frauen, die sonst als Abschaum der Gesellschaft betrachtet werden, wurden von uns hofiert und bedient. Wie gut ihnen die Wertschätzung tat, sah man in ihren Augen. Ich könnte jetzt eine Geschichte nach der anderen erzählen, aber dazu reicht die Zeit nicht. Deshalb ermutige ich jeden von euch einmal, raus in die weite Welt zu ziehen. Denn das Praktikum bei Metro Ministries war die beste Zeit meines Lebens: Ich habe Gott besser kennen gelernt. Ich hatte super Gemeinschaft und Spaß mit den Mitarbeitern und den Kindern. Ich bin persönlich gewachsen und habe gelernt, Gottes Wort kreativ zu verkünden. Nicht nur ich habe Veränderung zu den Kindern gebracht, auch ich wurde verändert. Noch heute zehre ich von dieser Zeit. Es war einfach "awesome"! Sara Cuhls Mehr Informationen zu Metro Ministries und dem Internship findest du unter www.metroministries.com |
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