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Advent, Advent, ein Lichtlein brennt


Am Wochenende erwarte ich hohen Besuch. Ein Teil meiner Familie wird bei mir vorbeischauen, und ich freue mich schon riesig. Wie ich mich darauf vorbereite? Naja, ich werde wohl mein Zimmer putzen und etwas aufräumen. Wenn mir genug Zeit bleibt, koche ich vielleicht auch etwas tolles und backe einen leckeren Kuchen.

Woran erinnert uns Ankunft, Vorfreude und Vorbereitung? Genau:

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür.

Wie bereitest du dich auf die Ankunft von wichtigen Persönlichkeiten vor? Was würdest du machen, wenn sich beispielsweise für morgen Jesus Christus bei dir anmelden würde? Oder doch etwas banaler: was machst du in der Adventszeit?

Vielleicht bist du ein Weihnachtsmuffel.

Dann wirst du dich wahrscheinlich in dein Zimmer verkriechen und alle Weihnachtswerbung ignorieren. An Weihnachten gehst du – wenn überhaupt – notgedrungen in die Kirche und setzt dich höflicherweise auch an den Essenstisch. Und klar, bei der Bescherung bist du auch dabei. Die Geschenke für Geschwister hat natürlich deine Mutter für dich besorgt. Den ersten und zweiten Weihnachtstag verbringst du hauptsächlich (lieber) im Bett als vor dem Weihnachtsbaum. Sollten Tante Erna oder Opa Karl auftauchen, stellst du dich krank.

Vielleicht bist du auch ein Weihnachtsnutznießer.
Wenn deine Freunde auf dem Weihnachtsmarkt leckeren Glühwein trinken, bist du natürlich dabei. Und Mutters Kekse auf dem Küchentisch werden auf keinen Fall verschmäht. Bei den Geschenken hältst du nach Angeboten Ausschau und freust dich, wenn du erst gar nicht lange auf die Suche gehen musst. Aber selber Geschenke bekommen ist natürlich super! Deswegen kannst du es auch gar nicht abwarten, bis endlich der Gottesdienst vorbei ist. Vor dem Essen werden die Geschenke ausgepackt – das hast du in deiner Familie schon so durchgesetzt. Den ersten und zweiten Weihnachtstag verbringst du damit, Verwandte zu besuchen. Immerhin gibts da noch mal richtig gutes Essen und auch das eine oder andere Geschenk.

Vielleicht bist du ein Weihnachtsverrückter.
Dann hast du dich den ganzen November lang schon auf die Adventszeit gefreut und auch schon den Adventskalender für deinen Liebling gebastelt. Sobald der erste Advent kurz vor der Tür steht kramst du Lichterketten, Fensterbilder und Kerzen heraus und alles wird schön dekoriert. Jedes Wochenende gehst du Geschenke suchen – dir macht es unheimlich Spaß deine Lieben zu bescheren. Du jettest von einer Weihnachtsfeier zur nächsten, spielst beim Krippenspiel mit und singst den ganzen Tag Weihnachtslieder. Wenn dann der Heilige Abend ansteht, bist du schon ein bisschen traurig, dass alles fast vorbei ist. Aber du versuchst jede Sekunde zu genießen und verbringst möglichst viel Zeit mit Freunden und Familie am Weihnachtsbaum.

Vielleicht bist du aber auch ein Weihnachtsernster.

Du willst dich an Weihnachten auf das Wesentliche konzentrieren: die Geburt Jesu Christi. Deswegen gibt es bei dir keine Deko und keine Plätzchen. Wenn du etwas verschenken musst, achtest du darauf, dass es sinnvolle Geschenke mit christlichen Inhalten sind. Du wirkst selber bei der Gottesdienstgestaltung für den Heiligen Abend mit. Und du legst darauf Wert, dass auch bei dir zuhause vor dem Weihnachtsbaum (den du eh am liebsten verbannt hättest) die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen wird. Das viele Essen am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag geht dir auf die Nerven, du verbringst lieber mehr Zeit in der Kirche. Und du freust dich schon auf Ostern, das eigentlich wichtigere Fest.

Natürlich, die einzelnen Figuren sind überzogen. Aber irgendwo dazwischen können wir uns alle wohl wiederfinden.

Und von jeder Figur können wir etwas lernen:
Den Weihnachtsmuffel nervt der ganze Konsum und Kommers in der Adventszeit. Von ihm können wir lernen, uns an Weihnachten nicht nur auf Geld und Geschenke zu fokussieren. Bastle doch mal selber Geschenke, mach dir ernsthafte Gedanken darüber, was deinen Freunden oder deiner Familie wirklich Freude machen könnte. „Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück“, das sollte dein Motto bei der ganzen Verschenkerei sein. An Weihnachten geht es nicht darum, Geschenke zu empfangen, sondern selber etwas  zu geben.

Der Weihnachtsnutznießer wirkt total bequem – irgendwie ist er ein kleiner mieser Schmarotzer. Aber sogar von ihm können wir uns etwas Positives abgucken, und zwar das Genießen. Schon mal drüber nachgedacht, die Weihnachtszeit richtig auszukosten? Und dabei meine ich jetzt nicht nur die leckeren Kekse und die tollen Geschenke – in der Weihnachtszeit kann man zum Beispiel die Zeit mit Freunden und Familie, das Licht und die Wärme der Kerzen, aber einfach auch die Ruhe und Stille genießen. Die Weihnachtszeit ist bei dir immer total stressig und du hast das Gefühl du kommst nicht hinterher? Nun, genau wie in allen anderen Monaten haben die Tage im Dezember alle 24 Stunden. Es kommt einfach darauf an, worauf man Wert legt und wofür man sich Zeit nimmt. Nicht hetzen lassen – genießen!

Der Weihnachtsverrückte scheint irgendwie das Wesentliche an Weihnachten zu vergessen. Es geht schließlich nicht um Deko und Kekse, sondern um die Geburt von Jesus! Wusstest du, dass früher die Adventszeit hauptsächlich eine Fastenzeit war? 40 Tage lang kein Süßes und kein Fleisch – das ist heute unvorstellbar geworden. Und das verdanken wir wahrscheinlich den Weihnachtsverrückten.
Man könnte die Weihnachtsverrückten aber auch die Weihnachtsfreudigen nennen. Und das klingt schon viel besser, oder? Genau das ist es auch, was wir uns bei ihnen abgucken können. Wir dürfen uns darüber freuen, dass Jesus geboren ist und dieser Freude auch mal ordentlich Ausdruck verleihen: mit dahin geschmetterten Weihnachtsliedern, richtig leckeren Keksen und einer Weihnachtsfeier nach der anderen…

Der Weihnachtsernste handelt sicherlich korrekt im christlichen Sinne. Hinter der Weihnachtsgeschichte steckt eine wichtige Botschaft: Jesus ist zu uns auf die Welt gekommen um uns von unseren Sünden zu erretten. Das sollte uns an Weihnachten das wichtigste sein. Aber trotzdem bleibt dies nur ein Teil der Weihnachtsbotschaft. Es gehört auch dazu, dass Jesus Mensch geworden ist und uns dadurch seine Liebe gezeigt hat. Diese Liebe sollten wir in der Weihnachtszeit in den Vordergrund stellen und sie ausdrücken: durch gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie, durch selbst gebastelte Geschenke, aber vor allem auch denen gegenüber, die sonst kaum Liebe empfangen. In der Weihnachtszeit kann man tolle Aktionen reißen – zum Beispiel bei „Weihnachten im Schuhkarton“ mitmachen oder im Altenheim singen gehen. Vielleicht zieht ihr wie die Jesusfreaks los und verteilt Geschenke an Obdachlose. Was auch immer es ist – die Weihnachtszeit bietet die perfekten Möglichkeit zur Nächstenliebe.

Einmal im Jahr wird Jesus wieder wichtiger in unserer Gesellschaft, auch wenn das heute leider nur noch durch das Hintertürchen geschieht. Aber wenn zu dieser Zeit die meisten Menschen in die Kirche gehen und sich nach Liebe sehnen, sollten wir uns doch darüber freuen und das ausnutzen, oder?


Tabea Fürst



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