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Crystal Miller – Ich dachte, mein Leben ist vorbei

Crystal Miller, heute 26 Jahre alt, überlebte den Amoklauf an der Columbine High School im April 1999. Sieben Jahre später veröffentlichte sie ihre Geschichte in Form eines Buches. Das soll nun auch auf den deutschen Markt kommen und deshalb befindet sich Crystal gerade auf Autorenreise in Deutschland. In einem ausführlichen Interview erzählt sie uns was damals geschah und gibt Einblicke in ihr Buch „Ich dachte, mein Leben ist vorbei“.

Während die damals 16-jährige Crystal mit zwei Freunden in der Bibliothek für einen Test lernte, eröffneten Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17) das Feuer auf ihre Mitschüler an der Schule in Littleton (USA) und töteten insgesamt 12 Mitschüler und einen Lehrer.


Crystal erinnert sich:
„Ein Lehrer stürmte in die Bibliothek um uns in Sicherheit zu bringen, aber wir dachten er meinte es nicht ernst, bis ein Mitschüler herein kam. Ich sah, dass er angeschossen wurde und erst da wurde mir die prekäre Lage bewusst. Die beiden Attentäter kamen kurz darauf in die Bibliothek, so dass wir nur Zeit hatten, uns unter den Tischen Schutz zu suchen. Ein Freund sagte, dass Gott der einzige ist, der uns hier lebend heraus bringen kann. Also beteten wir, dass Gott die Polizei schicken würde und dass alles ganz schnell vorüber geht. Ich saß zusammengekauert neben einem Freund unter einem Tisch als die beiden Jungs direkt neben mir jemanden erschossen. Ich dachte, ich wäre die Nächste. Deshalb wusste ich, dass ich eine wichtige Entscheidung zu treffen hatte. Ich musste mich für Jesus entscheiden. Ob ich jetzt noch 30 Sekunden oder 30 Jahre zu leben hatte. Ich betete: Wenn es dich wirklich gibt, dann hol’ mich hier raus. Ich werde dir mein Leben anvertrauen. Ich werde damit aufhören, schlechte Dinge zu tun. Gib mir einfach nur eine zweite Chance.

Ich hörte, wie die Jungs sagten, dass sie keine Munition mehr dabei hätten, nur noch draußen. Also gingen sie, um Nachschub zu holen. In dieser Zeit gelang es uns, ihnen zu entkommen. Wir rannten nach draußen, wo auch schon die Polizei wartete. Wie durch ein Wunder überlebten meine beiden Freunde und ich so den Amoklauf. Danach ging es mit den Schüssen noch weiter. Harris und Klebold erschossen weitere Schüler, die noch in der Bibliothek waren und lieferten sich eine Schießerei mit der Polizei. Hätten wir den Moment, als sie weitere Munition holten, nicht zur Flucht genutzt, wären wir ihnen wahrscheinlich auch zum Opfer gefallen.“

Auf die Frage, wie Crystal ihr Trauma verarbeitet hat, entgegnet sie:
„Alles hat sich in nur wenigen Minuten verändert. Mein Leben hat sich komplett umgedreht. Von da an begegnete ich meinen Mitmenschen anders. Ich gehe jetzt mit Gott durchs Leben und deshalb interessiert es mich nicht mehr, ob Andere mich mögen. Ich ging nicht mehr auf Partys und hörte auf, mich nur um mich selbst zu drehen. Ich habe neue Prioritäten gesetzt und sehe viele Dinge nicht mehr als selbstverständlich an. Ich habe meiner Familie und Freunden früher nie gesagt, was sie mir bedeuten. Aber jetzt lasse ich sie viel häufiger wissen, dass ich sie liebe. Sie waren auch diejenigen, die mir da durch geholfen haben. Ich hatte eine tolle Jugendgruppe und einen super Jugendpastor. Sie waren alle für mich da und hörten mir zu. Ich habe vielen von den Augenblicken in der Bibliothek erzählt. Ich habe keine Ahnung, wie mein Leben ausgesehen hätte, wen ich mich damals nicht bekehrt hätte. Ich hatte oft Alpträume und Angst, alleine zu sein. Meine Sinne spielten verrückt. Die Geräusche, Gerüche, alles. Alles hat mich daran erinnert. Es hat mich viel Zeit gekostet, das war keine Sache, die von einen Tag auf den Nächsten vorbei war. Ich wurde fünf Jahre lang von einer gläubigen Betreuerin begleitet, mit der ich viel aufgearbeitet habe.“

Damit hat sich Crystals Leben nach dem Amoklauf zum Guten gewendet, im Gegensatz zu  dem anderer betroffener Schüler. Viele haben die Katastrophe nie verkraftet und veränderten sich in eine andere Richtung. Sie suchten Zuflucht in Drogen, Alkohol oder Ähnlichem. Crystal dagegen hat sich für ein Leben mit Gott entschieden. Sie sagt, ihr Dasein sei nicht gezeichnet von einer Tragödie, sondern vom Leben. Genau das war für sie der Beweggrund, ihre Geschichte aufzuschreiben. Sie möchte Menschen auf der ganzen Welt vermitteln, dass es Hoffnung gibt:

„Egal, was man durchgemacht hat – es ist nicht das Ende. Das ist es nicht, was einen definiert, denn man ist im Endeffekt immer noch ein Kind Gottes. Es gibt Hoffnung. Aber Hoffnung verlangt auch eine Entscheidung. Man muss offen sein für Hoffnung und fürs Leben, anstatt sein Leben von Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Tod bestimmen zu lassen. Man muss sich entscheiden, sein Leben zu leben. Und das kann nur Jesus geben.“
Crystal Miller reist heute gemeinsam mit ihrem Mann Pete durch die Welt und erzählt vielen Menschen von der Hoffnung, die Jesus ihr gibt. Von Leid betroffenen Menschen möchte sie Mut machen, glücklich zu leben und Schicksalsschläge zu überwinden. Das ist nicht immer einfach, aber es macht ihr viel Freude.

In ihrem ersten Buch beschreibt sie die Ereignisse vor, während und nach dem Massaker. Crystal spricht über die Veränderung, die der Amoklauf und die Entscheidung zu Jesus in ihrem Leben bewirkten und über die vielen Erlebnisse, die ihr Leben nach dem 20. April 1999 prägten. Sie erzählt offen und ohne Hemmungen von ihren Stärken, aber auch von ihren Schwächen, schreibt ehrlich über den Weg, den sie nach Columbine gegangen ist und  berichtet über ihre persönliche Beziehung zu Gott.

Crystal Millers Buch „Ich dachte, mein Leben ist vorbei“ ist unter www.gerth.de erhältlich.

Stephanie Bußmann


 

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