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Judas Iskariot – Jesu Feind und Gottes Werkzeug

Du Judas! – Das ist ein richtiges Schimpfwort geworden, um Verrätern und unkameradschaftlichen Menschen gegenüber seinen Missmut auszudrücken. Der Name Judas ist also nicht gerade unbekannt. Jeder kennt doch seine Geschichte und weiß, was für ein Mensch er gewesen sein muss - du weißt das sicher auch, oder?

Oder meinst du vielleicht nur zu wissen, wer Judas war? Die Bibel selbst berichtet sehr wenig über ihn. Sein Name fällt zum ersten Mal, als die zwölf Jünger Jesu genannt werden. Judas war einer von Jesu Jüngern. Er kannte also seine Worte sehr genau und wollte ihm nachfolgen. Über Judas’ Berufung erfahren wir nichts. Wir kennen ihn allein in Bezug auf Jesus, etwas Persönliches erfahren wir nicht. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich die Menschen damals wie heute gern die wildesten Geschichten über Judas ausgedacht haben. Wo man keine genauen Infos hat, da wird halt spekuliert!

Was wissen wir also wirklich sicher über Judas? Dass er Jesus verraten hat, klar. Für 30 Silberlinge, das war so etwa das Monatsgehalt eines Bauarbeiters. Wieso er das getan hat? Gute Frage, da fangen die Spekulationen schon an. Aus Geldnot vielleicht? Wohl kaum, schließlich hat er die Silberlinge später zurückgeben wollen. Hatte er ein Problem mit Jesus? Wenn das so gewesen wäre, dann hätte man ihm das doch schon früher einmal anmerken müssen.

Schon vor seiner Kreuzigung kündigt Jesus seinen Jüngern immer wieder an, dass er leiden wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Judas ganz schön fertig gemacht hat. Schließlich sollte Jesus doch der Erlöser sein, wie kann er denn da so leiden müssen? Als Gottes Sohn?! Vielleicht hat Judas Jesus ja nur verraten, damit der sich nach seiner Festnahme endlich als Erlöser outen muss? OK, ich geb’s zu: auch ich fange jetzt mit den Spekulationen an, von denen ich oben geschrieben habe...

Weißt du, welche Tatsache mich echt umhaut? Jesus wusste von Anfang an, dass er verraten werden würde. Als er mit seinen Jüngern zu Tisch sitzt, spricht er das sogar an. Er nennt zwar keinen Namen, sagt aber, dass der Verräter mitten unter ihnen sitzt. Und jetzt kommt's: niemand scheint darüber wirklich empört zu sein! Jeder hat es dem anderen und sogar sich selbst zugetraut. Ganz schön verrückt, oder? Bei diesem eingeschworenen Clan!

Nachdem Jesus den Tisch verlässt, zieht er sich in den Garten Gethsemane zurück. Judas kennt diesen Ort und führt die bewaffneten Soldaten ohne Umwege dorthin. Sie verhaften ihn sofort und führen ihn ab. Erst als Jesus zum Tode verurteilt wird, scheint Judas zu begreifen, was er getan hat. Verzweifelt versucht er die Silberlinge zurückzugeben, um den Verrat rückgängig machen zu können. Doch es hilft nichts: Jesus stirbt am Kreuz.

Abschließend erfahren wir über Judas nur noch eins: Er geht fort und erhängt sich, offenbar kann er mit dieser Schuld nicht leben. An der Stelle hört die Geschichte auf und wir Leser werden mit offenen Fragen zurück gelassen. Warum hat Judas Jesus verraten? War der Teufel in ihn gefahren? Hat Gott sich Judas ganz explizit heraus gepickt? Hätte es auch jeden anderen treffen können oder war Judas einfach der unehrenhafteste unter den Jüngern?

Die Meinungen über Judas’ Rolle gehen weit auseinander. Einige sind heute noch wütend auf ihn. Nicht umsonst ist sein Name zu einem Schimpfwort geworden. Selbst Jesus sagt: Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. (Mk 14,21). Andere wiederum verehren ihn. Der Kirchengeschichtler Hans van Oort beispielsweise behauptet, Judas habe Jesus erst befreit indem er ihn auslieferte.

Das ist vielleicht etwas zu viel des Guten. Fest steht: Jesus musste sterben, denn Gott wollte es so. Judas hat dazu beigetragen, dass die Heilsgeschichte beginnen konnte. Dennoch ist er daran zerbrochen. Er war Jesu Feind und gleichzeitig Gottes Werkzeug.

Kannst du das verstehen? Ich kann es irgendwie nicht. Aber mit einer Tatsache kann ich mich trösten: Ich muss nicht immer alles verstehen und für gerecht befinden, denn könnte ich Gott begreifen, dann wäre Gott nicht Gott.

Franziska Bigalke

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