JUGENDGEWALT
11. März 2009
Bei einem Amoklauf in der Albertville-Realschule in Winnenden bei Stuttgart hat am Mittwoch ein 17-Jähriger 15 Menschen getötet. Bei den Opfern handelt es sich nach Angaben der Polizei um neun Schüler, drei Lehrerinnen und drei Passanten. Der Täter tötete sich nach einem Schusswechsel mit Polizisten offenbar selbst. Sein Motiv blieb zunächst unklar.
12. September 2009
Nachdem er versuchte, einen Streit unter Jugendlichen in einer S-Bahn zu schlichten, ist ein 50-jähriger Mann in München von zwei jungen Männern brutal zu Boden geschlagen worden. Im Krankenhaus erlag er seinen Verletzungen.
17. September 2009
Um 08.35 Uhr verletzte ein 19-jähriger Schüler in Ansbach in der Reuter Straße (Carolinum) mehrere Mitschüler. Nach ersten Erkenntnissen wurden zwei Schülerinnen und ein Schüler der 8. Jahrgangsstufe leicht verletzt, eine weitere Mitschülerin schwer. Der 19-jährige Gymnasiast aus Ansbach konnte um 08.45 Uhr von einer Polizeistreife überwältigt und festgenommen werden. Er wurde verletzt und befindet sich zurzeit in einer Klinik.
Meldungen wie diese schocken uns. Und sie prägen ein Bild: die Jugend von heute wird immer gewalttätiger. Zwar zeigen die Statistiken, dass die Gewalttaten insgesamt abnehmen, aber viele Einzelfälle sind dafür umso brutaler und roher.
Auch nach dem Amoklauf in Ansbach ist unsere Gesellschaft nun wieder auf der Suche nach Antworten. Woher kommt diese Gewalt? Und wie können wir solche Ereignisse verhindern? Dass es da keine Patentantwort gibt, dürfte klar sein. Trotzdem gibt es verschiedene Ansätze. Die Eltern einiger Opfer in Winnenden haben zum Beispiel einen Brief an die Bundesregierung geschrieben. Darin fordern sie weniger Gewalt in den Medien, mehr Jugendschutz im Internet und das Verbot der Killerspiele.
Ein vorgeschlagenes Verbot von Paintball sorgte noch vor kurzer Zeit für einen allgemeinen Aufschrei. Als Roland Koch in seinem Wahlkampf mehr Härte gegen jugendliche Straftäter vorschlug, wurde er von der Öffentlichkeit heftig kritisiert.
Denn in Deutschland ist man sich größtenteils einig, dass mehr Prävention geschehen muss. Ein härteres Strafmaß gilt nur bei wenigen als Lösung des Problems.
Um aber eine Lösung zu finden, müssen die Ursachen erforscht werden.
In einer ARD-Reportage wird eine Gang aus dem Berliner Viertel Neukölln befragt. „Wir werden hier alle gehasst“ bekommt man da zu hören. Ob die Jugendlichen einen Lebenstraum haben? Boxstar werden, eine realistische Alternative gibt es doch nicht. Von Perspektivlosigkeit und Langeweile wird hier gesprochen. Warum nehmen Jugendliche Prügeleien mit dem Handy auf? Zur Unterhaltung, für den Kick. Um zu sehen, wie man es besser machen kann. Das ist eine Spaßgesellschaft auf unterstem Niveau.
Wir haben da einiges zu tun, müssen noch vieles besser machen: Migranten integrieren, Perspektiven für Jugendliche schaffen. Dafür sorgen, dass niemand mehr rückfällig wird. Verhindern, dass es Außenseiter gibt. „Man darf den Gruppen nicht das Gefühl geben, dass sie Außenseiter sind. Sonst machen die in der Gesellschaft nicht mit (…) und leben nach ihren eigenen Gesetzen“, so beschreibt Rapstar Bushido das Phänomen.
Als Christen glauben wir daran, dass wir das beste Gesellschaftssystem überhaupt bieten. „Auge um Auge“ lässt die Welt erblinden – „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ sorgt für Frieden. Und daran sollten wir arbeiten, uns dieser Herausforderung stellen. Viele Jugendliche erfahren von zuhause aus überhaupt keine Liebe, keine Anerkennung. Und wo sollen diese Menschen Liebe erfahren, wenn nicht durch Christen?
Liebe als Prävention – wie soll das funktionieren? Nicht jeder fühlt sich dazu berufen, auf Schlägertypen loszugehen, um ihnen Gottes Liebe zu zeigen. Das wäre auch leichtsinnig und nicht unbedingt hilfreich. Aber im Kleinen, da kann jeder anfangen. Nett sein, auch zu Außenseitern. Nicht mobben, kein fieses Lästern. Auch Amokläufer sind mal „normale“ Schüler gewesen. Wer weiß, vielleicht sitzt jemand neben dir, der ein Lächeln und etwas Anerkennung brauchen könnte…
Hier kannst du dir die Reportage anschauen >>
Tabea Fürst