Mission Impossible? - Wie aus Saulus Paulus wurde
Mal ehrlich: Was wäre das Neue Testament ohne Paulus? In seinen Briefen gibt er wertvolle Ratschläge, für alle Lebenslagen erhalten wir Tipps von ihm. Wer war dieser Mann, der erst alle Christen töten wollte, später jedoch höchstpersönlich die erste christliche Gemeinde gründete?
Paulus ist einer der aktivsten Christenverfolger seiner Zeit. Bis er ein helles Licht sieht und Gottes Stimme hört: „Saul, Saul was verfolgst du mich?“. Danach sieht er – erst einmal – gar nichts mehr. Von einem Moment auf den anderen ist Saulus nämlich blind. Drei Tage lang. Dann kommt Hananias, von Gott gesandt, und öffnet Saulus die Augen - und zwar im doppelten Sinne! Saulus heißt von nun an Paulus, er kann wieder sehen, lässt sich taufen und beginnt, von Jesus zu predigen.
Warum nicht gleich so? Wieso muss Gott Paulus erst erblinden lassen, damit dieser auf ihn hört? Wer sich Paulus’ Lebensgeschichte bis zum Zeitpunkt seiner Berufung ansieht, wird sagen: „So verwunderlich ist das alles gar nicht…“
Ich sage dir, warum. Paulus wurde in Tarsus geboren, das ist im Südosten der heutigen Türkei. Tarsus ist zu jener Zeit eine Großstadt. Man spricht sowohl griechisch als auch aramäisch, wichtige Handelsstraßen führen hier entlang, es ist also richtig was los in Tarsus! Davon profitiert auch Paulus, er hat beispielsweise das Privileg, bei Gamaliel, einem bekannten Schriftgelehrten, in der Thora ausgebildet zu werden. Du weißt schon: die heilige Schrift der Juden. Paulus gehört von da an den Pharisäern an.
Die Pharisäer zeichnen sich nicht zuletzt durch Genauigkeit aus, was die Auslegung der jüdischen Gesetze betrifft. Sie münzen zum Beispiel priesterliche Vorschriften gleich auf das ganze Volk um. Nach ihrem Tode wollen die Pharisäer mit den Engeln bei Gott sein. Sie glauben aber, dass sie dafür ein nahezu perfektes Leben führen müssen. Kein Wunder also, dass sie daher jedes Wort ganz genau nehmen.
Berufung
Genauso geht es Saulus. Wahrscheinlich will er einfach nur alles richtig machen. Und dann kommt mit einem Mal jemand namens Jesus daher und behauptet, Gottes Sohn zu sein. Für viele Menschen damals pure Gotteslästerung! Und noch etwas stört Saulus: Viele Christen werfen Gesetze aus den Mosebüchern einfach über Bord. Beschneidung? Brauchen wir nicht mehr! Speisevorschriften? Weg damit! In Saulus’ Augen eine Frechheit! Nein, er würde nie wagen, auch nur ein einziges Gesetz als unwichtig zu erklären. Damit nicht genug: Die Christen behaupten sogar, Gottes Heiligen Geist in sich zu haben. Saulus kann das nicht glauben, er will seinen Gott vor solch „falschen Propheten“ verteidigen.
Er tut’s mit aller Härte. Wahrscheinlich würde kein Mensch der Welt ihn, diesen tief gläubigen Menschen, davon überzeugen können, dass die Christen tatsächlich Gottes Geist in sich tragen. Da muss Gott schon persönlich kommen und Saulus die Meinung sagen!
Mit diesem Moment wird alles anders. Der einstige Christenverfolger wird selbst Christ, aus Saulus wird Paulus. Vermutlich zwischen 34 und 36 n. Chr. geschah das.
Paulus bezeichnet sich von diesem Zeitpunkt an als Apostel, als Gesandter also. Damit will er sich nicht hervortun oder als etwas Besseres gelten, sondern nur als einer der Gesandten Jesu’.
Aufgrund seiner Lebensgeschichte nimmt er aber dennoch eine Sonderrolle ein. Paulus weiß um die Fehler seiner Vergangenheit: „Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.“ (1. Kor 15,9)
Irgendwie sympathisch, man kann richtig mitfühlen mit Paulus. Dieser große Mann geht für seinen Gott im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen und das mit ehrenwerter Absicht - und dann muss er erfahren, dass er gegen seinen Gott gearbeitet hat anstatt für ihn. Ganz schön bitter!
Doch Paulus verzweifelt nicht, sondern krempelt lieber die Ärmel hoch und legt jetzt erst richtig los. Drei Mal geht er in den folgenden Jahren auf Missionsreise. Zwischen 49 und 50 n. Chr. gründet er in Phillipi die erste christliche Gemeinde, weitere folgen.
Während dieser Missionszeit gerät er immer wieder in Gefangenschaft und Lebensgefahr. Denn nicht jedem passt es, dass Paulus die Menschen für diese neue Religion begeistern möchte.
Briefe
Trotz aller Rückschläge lässt Paulus die neu gegründeten christlichen Gemeinden aber nicht im Stich: In seinen Briefen gibt er ihnen bis zu seinem Tod immer wieder Tipps und Ratschläge für ihr Glaubensleben und für das das Miteinander. Briefe, die für uns heute noch aktuell und von unschätzbarem Wert sind. Briefe, zu finden in der Bibel. Philliper, Thessalonicher und Korintherbriefe zum Beispiel, um nur einige zu nennen.
Ein echt aufregendes und turbulentes Leben, von dem wir heute noch profitieren. Ob Paulus das erwartet hatte? Ich glaube nicht.
Was erwartest du von Gott? Traust du ihm zu, dass du mit seiner Hilfe etwas erreichen kannst, wovon die Menschen noch in vielen Jahren sprechen werden?
Franziska Bigalke
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