Nicht schon wieder Martin Luther!
Der 31. Oktober ist nicht gerade mein Lieblingstag. Denn es stehen zwei Themen an, die jedes Jahr wieder aufgewärmt werden und mich deswegen langweilen. Das ist zum einen Halloween und zum anderen die Reformation, oder besser gesagt Martin Luther.
Wie dieses Thema behandelt wird, ist relativ schnell beschrieben. Es wird kurz die Geschichte Martin Luthers hervorgeholt und das, was er erreicht hat, wird hoch gelobt. Was ja auch so richtig ist. Denn dass ich jeden Tag die Bibel in meiner Sprache lesen kann, ist super. Und dass mir vom Staat nicht vorgeschrieben wird, wie ich meinen Glauben zu leben habe, ist auch super.
Trotzdem habe ich Luther nie besonders gemocht. Ich verbinde mit ihm finsteres Mittelalter und derbe Aussprüche. Deswegen geht mir das Loben und die alljährliche Aufforderung, ihm dankbar zu sein, etwas gegen den Strich. Mir fehlt der Bezug zu der Person Martin Luther.
Aber um alles schnell hinter mich zu bringen, nicke ich trotzdem ganz nett, sage kurz innerlich „Danke, Luther“, und lass mich erst im nächsten Jahr wieder mit dem Thema nerven.
Das ist also jetzt auch die perfekte Gelegenheit, diesen Artikel zu beenden. „Leute, seid dankbar für das, was Luther erreicht hat.“ Einmal bitte ein kurzes Nicken von eurer Seite, dann mach ich jetzt Schluss. Klappe zu.
Denkste.
Glücklicherweise hat sich meine Sicht geändert.
Das ist passiert, als ich den aktuellsten Lutherfilm gesehen habe. Martin Luther wird dort so lebendig dargestellt, dass er für mich zu mehr als einer geschichtlichen Figur geworden ist. Martin Luther ist plötzlich ein Mensch. Er ist zu einer Person geworden, mit der ich mich identifizieren kann. Von der ich lernen kann.
Jeder Mensch hat Zweifel. An seinem Glauben, an seiner Gerechtigkeit. Auch Martin Luther hatte diese Zweifel. Er war geplagt von den größten Gewissensbissen. Wie kann ich Gott genügen? Bin ich gut genug?
Ziemlich menschlich finde ich diese Frage. Und ehrlich gesagt hab ich mich das auch schon gefragt. „Ist mein Glaube gut genug?“ „Muss ich vielleicht doch noch mehr tun als glauben um in den Himmel zu kommen?“
Die Umstände zu Luthers Lebzeiten waren sicherlich anders und schwerer als meine. Und trotzdem bleiben die Fragen die gleichen.
Martin war auf der Suche nach der Wahrheit. Wer ist das heutzutage nicht? Wir alle wollen die Wahrheit in unserem Leben erkennen – mit der Wahrheit leben. Es macht Mut zu sehen, dass Martin Luther die Wahrheit gefunden hat. Denn es beweist, dass wir Menschen dazu fähig sind. Dass auch du und ich die Wahrheit erkennen können, wenn wir ernsthaft danach suchen.

Luthers Beispiel zeigt uns aber auch, was Wahrheit überhaupt bedeutet und was sie für Auswirkungen haben kann. Denn wer die Wahrheit erkannt hat, sollte zu ihr stehen.
Für Luther bedeutete das, sich seinem Todesurteil zu stellen. Wie konnte ein kleiner Mönch so viel Mut aufbringen, sich der ganzen Welt entgegen zu stellen? Ich kann mir das nicht anders erklären als über die Kraft Gottes.
Und das macht mir wiederum Mut. Denn wer die Wahrheit erkennt, und dafür einsteht, der wird die Kraft Gottes erhalten. Dann können wir zu echten Kämpfern der Wahrheit werden.
So wie es Martin Luther war.
Lass dich dieses Jahr doch mal von der Geschichte des kleinen Mönchen inspirieren. Vielleicht hilft dir der Lutherfilm ja dabei – ich kann ihn dir nur empfehlen.
Wenn du bis jetzt diesen Artikel gelesen hast und eigentlich überhaupt keine Ahnung von Martin Luther hast und dich die ganze Zeit gefragt hast, wovon ich da eigentlich die ganze Zeit labere, dann findest du hier die Lebensgeschichte von Martin Luther >>
Tabea Fürst