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Ich bin eine Rumtreiberin!

Wie fühlt es sich an, wenn man – so wie damals die Jünger – ohne Gepäck und ohne Geld unterwegs ist? In den letzten Wochen konnte ich erahnen, wie das sein muss. Ein kleines bisschen zumindest.

Eigentlich studier’ ich in Lübeck, aber weil ich seit August bei [tru:] in Hamburg Praktikum mache, hab’ ich meine Wohnung gekündigt und mich an die Elbe aufgemacht. Ohne Plan, wo ich die vier Monate lang schlafen und leben werde. Viele haben mich belächelt, ich wusste jedoch: Irgendwer nimmt mich schon auf!

Als Praktikant kann man sich eine Wohnung in Hamburg nicht wirklich leisten. Außer man verzichtet auf alles, was das Leben schön macht: Kino, Klamotten, Essen gehen…

Voller Gottvertrauen hab’ ich mich auf den Weg gemacht.

Ein Zimmer ganz für mich allein!


Meine erste Schlafgelegenheit ergab sich aus einer Begegnung heraus. Eine Frau aus einer Lübecker Gemeinde hat eine Wohnung in Hamburg – und siehe da: Genau während meiner Anfangszeit hielt sie sich nicht dort auf. Somit hatte ich eine Einzimmerwohnung ganz für mich allein!

Allerdings nur die ersten Wochen. Solange, bis die Wohnungsinhaberin zurückkommen würde. Ein Bett ist zu klein für zwei, sagte ich mir. Doch wohin, wenn sie wieder da ist? Ich überlegte und überlegte – und baute in jedes Gespräch, das in den nächsten Tagen führte, meine Wohnsituation ein. Von nix kommt nun mal nix. Ich surfte im Internet, klapperte sämtliche Wohnungsportale und ganz Hamburg ab. Ich schaute mir die unterschiedlichsten Wohnungen an und begegnete dabei den interessantesten Menschen. Nur einen Schlafplatz, den fand ich nicht.

Beten! Beten! Beten!

Weil ich meine Nerven behalten und keine grauen Haare bekommen wollte, fing ich an zu beten. Ich betete jeden Tag. Betete jedes Mal, wenn ich wieder nix gefunden hatte. Jesus sagt nun mal in der Bergpredigt, dass wir all unsere Sorgen auf IHN werfen sollen – er werde für uns sorgen. Krasse Zusage! Aber darauf zu vertrauen, ist gar nicht so einfach, wenn der Tag des Auszugs immer näher rückt.

Dann erfuhr ich plötzlich, dass in der Wohnung der besten Freundin meiner Vorgesetzten ein Zimmer frei werden sollte. Zur Untermiete. Zwar erst später, aber immerhin: Einen Teil meiner Hamburger Zeit würde ich damit im wahrsten Sinne des Wortes unter Dach und Fach haben. Das Unglaubliche an der Sache: Das Zimmer bezahlbar! Und toll möbliert! Einfach wunderschön! Was konnte mir Besseres passieren!

Nur noch zwei Tage…
 
Blieben nur noch die zwei Wochen davor, für die ich keine Bleibe hatte. Also noch mal überlegt, Leute genervt, ein paar Haare verloren – und wieder gebetet. Dann eine Nacht mit schlechten Träumen. Und das nächste Gebet. Mir blieben nur noch zwei Tage!

Abends ging ich zum Haustreffen der Gemeinde, die ich zurzeit besuche. Als das eigentliche Treffen vorbei war, saßen noch ’ne Weile zusammen und schnackten. Ich hatte noch längst nicht jeden kennengelernt, weshalb ich gern blieb. Ich setzte mich neben Julia, wir kamen ins Gespräch, ich berichtete ihr, was ich in Hamburg mache und dass ich keine Ahnung hätte, wo ich die nächsten zwei Wochen wohnen könne. Da sagte sie ganz nüchtern: „Kannst bei mir schlafen! Die neue Mitbewohnerin kommt erst in zwei Wochen und hat für den Monat auch schon bezahlt.“  In diesem Moment wusste ich nicht, ob ich lachen, weinen oder einfach Danke sagen sollte! Gott hat wirklich immer den Überblick, das ist echt der Hammer!

Mit Sack und Pack bin ich los. Das heißt, eigentlich nur mit einer Reisetasche und einem Rucksack, alles andere lagerte ich zwischen.

Unverhofft kommt oft!

Dann die Überraschung: Julias neue Mitbewohnerin wollte doch schon eher kommen, und zwar wollte sie vorm Einzug das Zimmer noch streichen. Na super! Für mich bedeutete das: wieder ein paar Tage ohne Bleibe! Ich blieb entspannt. Einfach beten, sagte ich mir, damit hatte ich ja nun schon beste Erfahrungen gemacht. Ein komisches Gefühl hatte ich trotzdem.
 
Du ahnst schon, wie es weitergeht? Richtig: Als ich abends Bekannte traf und von meinem nicht vorhandenen Schlafplatz erzählte, hieß es: „Kannst bei uns schlafen, mein Bruder fliegt morgen für ein Jahr in die USA. Dann ist ein Bett frei!“

Zurück nach Lübeck…

Seit einem Monat suche ich erneut – diesmal in Lübeck. Mein Praktikum bei [tru:] neigt sich dem Ende zu, ab Dezember studiere ich wieder. Würd’ zwar viel lieber in Hamburg und bei [tru:] bleiben, aber es hilft nichts. Zumal mein jetziges Zimmer ab Dezember weitervermietet ist.

Dreimal bin ich nun schon nach Lübeck gereist. Immer frohen Mutes, dass es das letzte Mal sein wird. Und jedes Mal hab’ ich gebetet. Denn Gott hat den perfekten Wohnungsplan für mich und dich! Das hab’ ich gelernt.

Beim dritten Mal hat’s dann auch tatsächlich geklappt. Zwei Zimmer standen in einer Wohnung zur Wahl. Ich entschied mich für das kleinere von beiden. Mit Teppich, ohne schickes Laminat. Und im Gegensatz zum größeren ohne Traumaussicht, dafür aber mit schicken Blumen an der Wand. Warum? Weil mir das reicht!

Bettina Heusmann

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