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Stille, ein Privileg?

Stell dir vor: Du sitzt auf einem Balkon im 1. Stock eines Holzhauses. Das Haus befindet sich am Hang eines Hügels, mitten zwischen Weinreben. Du kannst aufs Tal hinunter sehen. Gegenüber siehst du einen  mit Bäumen bewachsenen Berg. Du genießt den Sonnenuntergang und die hereinbrechende Nacht. Jemand bringt dir einen Gewürze-Tee mit Honig. Während du trinkst, fängt es an zu schneien. Du hüllst dich in eure warme Wolldecke ein. Hörst nur den Wind, der durch die Bäume fegt, und dein gelegentliches Schlürfen, wenn du am Tee nippst. Nach dem letzten Schluck stellst du die Tasse zur Seite, krabbelst du in deinen Schlafsack. Kurz darauf sinkst du in einen tiefen Schlaf. Stille kehrt in dir ein.

Nein, das ist jetzt keine billige Werbung für die Schweizer Berge! Obwohl es diesen Ort wirklich gibt. ;-p

Aber mal ehrlich: Wann hast du das letzte Mal in absoluter Stille gelebt?

Als ich vor zwei Monaten von der Schweiz nach Hamburg zog, erkannte ich erst, wie wichtig es ist, eine stille Zeit zu haben. Hier in der Großstadt ist es nie still. Sogar nachts höre ich überall in der Stadt das Dröhnen der Straßen, Autobahnen und Flugzeugturbinen. U-Bahn-Bremsen kreischen und Schiffe im Hafen geben Hupsignale. Egal wo ich bin, es ist nie still.  Und das, obwohl Stille so wichtig ist!


Welche Bedeutung hat Stille für uns?

1. Stille wirkt sich auf den Körper aus. Du erholst dich viel besser, wenn du dich in die Stille begibst. Wer nicht zur Ruhe kommt, wird unkonzentriert. Kräfte lassen nach. Der Körper gerät unter Stress. Organe arbeiten nicht mehr reibungslos. Kurz gesagt: Wer keine Stille hat, ist schnell am A….!

2. Auch die Psyche braucht Stille. Tag für Tag erlebst du derart viele Dinge, da braucht die Psyche ihre Zeit, um das alles zu verarbeiten. Wie es ist, etwas nicht verarbeitet zu kriegen, hat wohl jeder schon erlebt. Albträume sind die geläufigste Auswirkung. Aber da kann’s noch mehr geben: schlaflose Nächte, Angstzustände, Depressionen und so weiter... Krass gesagt: Ohne Stille drehen wir langsam durch!

3. Matthäus 6,5:
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird’s dir vergelten.

Warum sollen wir uns in unser Kämmerlein zurückziehen und die Tür schließen?
Können wir nicht genauso gut in der U-Bahn beten? Oder auf der Straße? Nee, nee, Jesus wusste genau, warum er vom Türschließen redete: Er will, dass wir zur Ruhe kommen. So haben wir Zeit, uns zu sammeln. Wir können in aller Ruhe vor Gott treten. Können uns in aller Ruhe überlegen, welche Anliegen wir haben. Und wofür wir ihm danken können. Was aber noch viel wichtiger ist: Wir können auch horchen, ob Gott uns etwas sagt. Wer kann schon zwischen Auto- und U-Bahn-Lärm klar horchen, ob Gott einem etwas zu sagen hat? Also: Wir brauchen Stille auch, wenn wir zu Gott beten wollen!


Stille ist voll lebensnotwendig. Aber wie finde ich sie, wenn doch irgendwie überall nur Lärm um mich herum ist. Ganz ehrlich: Mir persönlich ist mein Zimmer sogar dann noch zu laut, wenn ich die Tür zumache! Irgendwas Lärmiges dringt immer durch die Wände!

Zugegeben, in der Schweiz ist das Ganze einfacher. Ist’s im Zimmer zu laut, brauchst du dort nur auf einen zahlreichen Berge zu wandern. So begibst du dich über den Lärm, den die Orte fabrizieren. Da oben herrscht absolute Stille!

Aber in Hamburg? Okay, ich kann raus fahren ins platte Umland. Da gibt’s endlose Flächen, auf denen es ebenfalls ruhig ist.

Aber immer extra raus fahren? Wenn du darauf null Bock hast, dann probier’s doch mal hiermit:

Tipp1: Steh ’ne halbe Stunde früher auf. Bevor der Berufsverkehr einsetzt. Vielleicht ist es dann ja still genug in deinem Zimmer!

Tipp2: Ab in den Keller! Da ist’s zwar häufig kalt und feucht, aber auch still. Nimm dir ’ne Jacke oder eine Wolldecke mit und mach’s dir im Keller bequem, am besten du nimmst auch eine Tasse heißen Kaffee oder Tee mit runter!

Tipp3:
Vielleicht hat deine Schule, hat der Betrieb, in dem du arbeitest, dicke Wände? Dann geh hin, bevor die Anderen da sind, und genieß’ dort die Stille!


Keine Sorge, du musst bestimmt nicht jeden Morgen früher aufstehen. Aber ab und zu… das wär’ sicherlich sinnvoll! Gönn’ dir die Erholung! Räum’ während dieser Momente in deinem Leben auf. Verbring Zeit mit Gott! Preise ihn in der Stille, bete! Oder denk einfach übers Leben nach!

Übrigens: Wusstest du schon, dass 2010 das „Jahr der Stille“ ist!?


Lukas Ryser


P.S.: Und was ist mit Musik in der Stille?

Es gibt das Klischee des alten Mannes, der in seinem Wohnzimmer hockt, Mozart hört und dabei ganz und gar von Ruhe erfüllt wird. Es stimmt, Musik kann beruhigend wirken. Deshalb gilt: Wenn du magst, kannst du natürlich Musik hören. Doch Vorsicht: Musik beeinflusst dich, sie macht dich abhängig. Und zwar, weil sie Emotionen mit sich bringt. Manche Lieder machen glücklich, andere machen traurig. Da kann es schnell passieren, dass du nicht mehr ohne Musik auskommen kannst. Ich hab’s bei selber schon bemerkt!

Darum hab ich mir vorgenommen, in meiner Stille KEINE Musik zu hören. Für mich steht fest: Stille hat einen heilenden und beruhigenden Effekt. Richte auch du dir deine stille Zeit ein!


 


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