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Sünde


Heute schon gesündigt?

Das klingt doch recht harmlos. Ich zum Beispiel kann ganz offen zugeben, dass ich heute schon gesündigt habe. Ich habe mir nämlich Banane mit Nutella warm gemacht und in mich hinein geschaufelt. Sündhaft lecker – sündhaft viele Kalorien.

Mit Verbotenem zu locken, das hat die Werbebranche drauf. Es liegt sicherlich am Reiz des Verbotenen, dass die Magnum-Werbung so erfolgreich ist. Der Versuchung zu widerstehen? Ist doch ziemlich öde. Da verpasst man dann doch den ganzen Spaß.

Wenn wir schon beim Thema Versuchung sind, kann das Thema „Sex“ ja auch nicht weit sein. Google ich zum Beispiel das Wort „Sünde“, werden mir als Suchergebnis direkt ein paar Erotikshops angeboten.

Ich finde eine andere Seite wesentlich interessanter: den Sündenberechner.

Keine Ahnung, wer sich das nun schon wieder ausgedacht hat. Da gibt es eine lange Liste von „Sünden“, die man anklicken muss. Am Ende erhält man eine Rechnung, die man vor dem Himmelstor für all seine Sünden zu bezahlen hätte – in Euros natürlich.
Die Liste der Vergehen muss sich wirklich ein kreativer Kopf ausgedacht haben. Die fängt mit Drogen an, zählt neben Lügen und Betrügen auch verschiedene Sexdelikte auf und endet schließlich bei Banalitäten wie Haare färben. Und die Sünden kosten je nach Schwere des Vergehens auch unterschiedlich viel.


Stop. Moment mal.

Auch wenn uns solche Spielchen oder die Werbung uns etwas anderes suggerieren wollen, wissen wir, dass Sünde gar nicht so spaßig ist. Dass jemand für uns sterben musste, um unsere Sünden zu begleichen, zeigt doch den Ernst der Sache.
Durch unseren Glauben erhalten wir keinen Freifahrtschein einfach alles zu tun, was wir wollen. Im Gegenteil, wir sollen uns unserer Schuld bewusst sein und unsere Sünden bekennen. In Johannes 1,9 heißt es „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“

Aber was ist denn Sünde? Gibt es für uns Christen vielleicht eine ernsthafte Liste?
Die katholische Kirche spricht von „Todsünden“, von „himmelschreienden Sünden“ und von „lässlichen Sünden“. Verschiedene Abstufungen scheint es also zu geben. Und aus welchen Charaktereigenschaften Sünde entsteht, hat sie auch definiert: Hochmut, Geiz, Genusssucht, Zorn, Völlerei, Neid und die Trägheit des Herzens – das ist auch eine nette Liste. Wenn ich also mal wieder sauer bin, sündige ich. Oder?

Von den evangelischen Christen bin ich es kaum gewohnt, dass Sünde beim Namen genannt wird. Was da als Sünde gilt, ist recht undefiniert. Aber es gibt auch Gemeinschaften, in denen den Menschen recht schnell klar gemacht wird, was „Sünde“ ist. Dann wird festgelegt, was ein Christ darf und was er nicht tun darf und ein Regelwerk entsteht. Das nennt man Gesetzlichkeit.

Ist Gesetzlichkeit vielleicht der richtige Weg, um Sünden erkennen zu können? Wir Menschen wollen nun mal alles richtig machen, keine Sünden begehen, ein reines Gewissen wahren. Also schreiben wir uns selber Regeln, definieren, was Sünde ist. Mit solchen Gesetzen können wir Sünden ganz einfach erkennen, vermeiden oder eben auch bekennen. 

Aber ist es auch das, was die Bibel sagt? Was Jesus von uns möchte?
In Galater 5,13 heißt es: „Ihr seid berufen, liebe Freunde, in Freiheit zu leben - nicht in der Freiheit, euren sündigen Neigungen nachzugeben, sondern in der Freiheit, einander in Liebe zu dienen.“

Das Leben von Jesus ist ein Zeugnis dieses Verses. Er nahm sich die Freiheit, Kranke am Sabbat zu heilen. Er pflegte Kontakt zu Sündern. Er brach die Regeln und das Gesetz.  Und warum tat er das? Aus Liebe. Und mit allem was er tat, ging er nicht seinen „sündigen Neigungen“ nach, sondern bleib in seinem Vater. Er hielt die Verbindung zu ihm.


Und da gelangen wir zum Kern der Sache: Sünde bedeutet Trennung von Gott. Nur wer eine Verbindung zu Gott pflegt und eine Beziehung zu Jesus hat, kann diese Trennung auch erfahren. Und niemand anders kann definieren, wann diese Verbindung verloren geht. Was uns dabei hilft, sind die Richtlinien, die in dem Bibelvers mit angegeben werden. Warum tue ich etwas? Gebe ich damit meinen eigenen egoistischen Neigungen nach? Oder versuche ich anderen Menschen mit Liebe zu dienen? Wie bin ich eingestellt? Würde Jesus das gleiche tun?


Natürlich ist das nicht einfach – Sünde auf diese Art und Weise zu erkennen bedeutet Arbeit. Man muss sich selber überprüfen, schauen, wie die Verbindung zu Gott gerade aussieht. Man muss auch den Mut haben, manchmal an sich selbst zu zweifeln.


Trotzdem lohnt sich diese Mühe! Denn so verhindern wir Gesetzlichkeit und damit die Gefahr, andere Menschen zu verurteilen. Wir können in Freiheit leben und dürfen selber entscheiden, was Gott von uns möchte. Wir lernen es, ehrlich uns gegenüber selbst zu sein. Wir erkennen, dass wir nicht perfekt sind und Fehler machen. Aber wir wissen auch, dass Gott uns unsere Sünden vergibt. Dass er uns liebt und eine persönliche Verbindung zu uns sucht.


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