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DIE KIRCHE AUF MEINEM TÄGLICHEN WEG

 

Mein Weg zur Arbeit führt mich an einer Kirche vorbei. Täglich zwei Mal. Auf dem Hin- und auf dem Rückweg. Eigentlich ist sie eher unscheinbar. Schon lange hatte ich mir vorgenommen, sie mal von innen anzuschauen. Und an einem Wochenende kam die Gelegenheit: die Nacht der Kirchen!

Ich kam nicht sehr weit. Meine Schritte stockten schon auf der Schwelle der Kirchentür. Und mein Blick blieb an einem Satz hängen, der über der Tür geschrieben steht:

 

„Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.“ (1.Kor 7,23)

 

Das bringt mich zum Nachdenken. Ich empfinde diesen Satz an diesem Abend als direkt an mich gerichtet. Es ist mein Weg zur Arbeit, der mich an dieser Kirche vorbei führt. Und es ist die Arbeit, die mich lange davon abhält, diese Kirche mal näher zu betrachten. Auch davon abhält, diesen Satz zu entdecken.

Wessen Knecht bin ich eigentlich? Schon mal über diese Frage nachgedacht?

Das, was mir am schnellsten und stärksten in den Sinn kommt, ist die Zeit. Von Zeit lasse ich mich täglich mehr knebeln als von Menschen, denke ich. Ich frage mich, wann ich das letzte Mal gegen jegliche Zeitvorgabe etwas getan oder auch gelassen habe. Wann habe ich einer Freundin das letzte Mal mein Ohr geschenkt, obwohl die Uhr tickte? Wann habe ich die Arbeit mal nach hinten geschoben, um wärmende Sonnenstrahlen zu genießen?

Doch es ist nicht nur die Zeit. So viele Dinge wollen uns unserer Freiheit berauben. Ein Grund, mal drüber nachzudenken. Auch darüber, was es heißt, teuer erkauft zu sein.

Ich jedenfalls habe gelernt, auf meinem Weg zur Arbeit die Augen noch weiter aufzuspannen. Und mich nicht so einfach knechten zu lassen.

 


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