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Tinas kleines Reisetagebuch - Kanada 2008

Teil 3: Im Westen angekommen: es IST wärmer.

Plusgrade immerhin. Aber es ist auch feuchter. Genauer gesagt: Wir verlassen das Flugzeug am Donnerstagabend in Abbotsford bei strömendem Regen. Unseren ersten Tag bei Carmen und Eric verbringen wir mit einer Shopping-Runde im Einkaufszentrum von Abbotsford. Genau das Richtige bei dem Wetter. Nach gut 30 Minuten Fußmarsch kommen wir im Einkaufszentrum an, stöbern trockenen Fußes durch die vielen Geschäfte, trinken guten Kaffee und unterhalten uns mit einem Einheimischen über seinen deutschen Nachnamen. An diesem Tag nehmen wir einmal mehr ein Phänomen wahr: Wir zwei sind weit und breit die einzigen Fußgänger. In Kanada geht man nicht zu Fuß. Man fährt Auto. Nur wir nicht. Weil wir keines haben!

Der nächste Tag ist vom Wetter her wesentlich besser. Sogar die Sonne lässt sich zwischendurch blicken! Es ist Samstag, also haben unsere Gastgeber frei und können mit uns nach Vancouver fahren. Wow, was für eine schöne Stadt! Sie ist eingerahmt vom Meer und den Bergen. Traumhaft! Wir leihen uns Fortbewegungsmittel, die für uns alle neu sind: Tandem-Fahrräder. Esther und ich stellen fest, dass wir ein gutes Team sind. Nachdem wir also einigermaßen herausgefunden haben, wie man zu zweit auf einem Fahrrad zu Recht kommt, starten wir eine gut zehn Kilometer lange Radtour. Sie führt uns immer an der Küste entlang durch den Stanley-Park, Vancouvers bekannteste Grünfläche, eine Halbinsel umgeben vom Wasser des Pazifiks. Wir kommen auch am Hallelujah-Point vorbei, den die Heilsarmee in diesem Park aufgestellt hat. Warum, haben wir leider nicht herausfinden können. Aber die Aussicht an diesem Punkt bringt uns ein fröhliches Hallelujah auf die Lippen.

Nach unserer Fahrradtour erkunden wir noch die Altstadt von Vancouver: Gastown. Tolle Häuser und toller Flair dort! So ein bisschen was von amerikanischen Filmen in Manhattan: Alte Häuserfassaden mit Cafés und Läden unten drin. Sehr gemütlich! Und so ein bisschen was Historisches. Das hat uns in Calgary gefehlt. Überhaupt ist es hier in British Columbia, der westlichsten Provinz Kanadas, so anders als in der Prärie Albertas. Die Berge sind viel näher und ringsherum ist alles grün und bewaldet. Fast wie im Bayerischen Wald.

Auch hier in Vancouver fahren wir schließlich auf einen Turm hinauf, um einen Überblick über die Umgebung zu bekommen. Sehr schön diese Stadt, in der 2010 die Olympischen Winterspiele stattfinden werden. Übrigens: Wir haben stundenlang in einem Parkhaus mitten in der Stadt geparkt. Für umgerechnet ganze 50 Cent! Das hätten wir in Deutschland auch gerne.

Am Sonntagnachmittag starten wir ins nächste Abenteuer. Es ist schon wieder Zeit zum Tschüß-Sagen. Carmen bringt uns zum Vancouver Airport. Aber nicht zum großen Terminal, sondern an den Rand des Flughafens, dort, wo viel Wasser ist. Es wartet ein weiteres, für uns neues Fortbewegungsmittel auf uns: Ein Wasserflugzeug. Wir steigen ein in dieses Flugzeug, was gleichzeitig ein Boot ist, denn es liegt mit zwei Kufen auf dem Wasser. Das Wasser ist auch unsere Startbahn. Der Flug war aufregend, etwas wackelig und sehr, sehr laut. Aber irgendwie hatten wir auf diese Weise auch einen schönen Rundflug über die Georgia Strait (das ist die Wasserstraße zwischen dem Festland und der großen Insel Vancouver Island). So einen Blick bekommt man nicht alle Tage. Das Wasserflugzeug landet im Hafen von Thetis Island, dieser kleinen Insel in der Georgia Strait. Hier ist der Capernwray Harbour Bible Centre (www.Capernwray.ca), wo ich 2001-2002 Bibelschülerin war.

Ein netter junger Mann holt uns mit dem Auto am Hafen ab. Im Haupthaus der Bibelschule bekommen wir ein sehr nettes Gästezimmer mit Meerblick. Wir genießen es beide sehr, hier zu sein. Nach Tagen in lauten, trubelreichen Städten tut die Ruhe dieser Insel so gut. Auf Thetis Island ist fast nichts. Zumindest nichts, was ablenken könnte. Ein paar Mal am Tag kommt eine Fähre, mit der man nach Vancouver Island fahren kann. Aber sonst passiert nicht viel auf diesem Eiland. Herrlich ruhig und beschaulich!

Besonders ich genieße es, hier zu sein. Vor über sechs Jahren habe ich diesen Ort mit Tränen der Dankbarkeit in den Augen verlassen. Nach einem Jahr, das mein Leben sehr geprägt hat. Diese eine Botschaft von damals begleitet mich bis heute:

Christ in you, the Hope of Glory. (Christus in dir, die Hoffnung der Herrlichkeit. Kol 1,27). Eigentlich wollte ich nach diesem Jahr Bibelschule beruflich ja in Richtung Journalismus gehen. Aber am Ende des Jahres war klar, dass ich erst mal Theologie studieren sollte. Das habe ich getan, danach habe ich zwei Jahre in einer Gemeindegründung gearbeitet. Und nun bin ich doch beim Journalismus gelandet. Irgendwie schließt sich gerade ein Kreis, also ein guter Moment, diese Insel wieder zu besuchen.

Esther und ich genießen es auch, Zeit zu haben zum Lesen und Beten. einfach zu Sein, bei und mit Gott, unserem Papa. Wir müssen feststellen, dass selbst im Urlaub diese Ruhezeiten untergehen. Umso schöner ist es, dass wir jetzt für drei Tage auf dieser Insel sind und die Bibelschulatmosphäre nutzen können.

Am Strand spazieren, durch den Wald wandern, überdimensionale Ahornblätter bestaunen. Herrlich!

Am Mittwoch fahren wir dann weiter mit dem Bus zur Südspitze von Vancouver Island, in die schöne Stadt Victoria. Dort werden wir zwei Tage bleiben, bevor wir dann unsere Freunde Rebekah und Dustin aus Calgary wieder treffen. Sie kommen mit dem Auto und holen uns ab. Dann geht es gemeinsam weiter: Ein bisschen über Vancouver Island und schließlich durch die Rocky Mountains zurück nach Calgary.
 
Liebe Grüße von der Insel,

TINA & ESTHER

 

PS: Es regnet kaum noch! Im Gegenteil: Wir genießen jeden Abend herrliche Sonnenuntergänge.


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