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Und Elvis rockt im Himmel


Ob um 9:30, 11:00 oder 18:00 Uhr abends. Gottesdienst kann zu jeder Tageszeit stattfinden. Aber nicht nur das! Jeder Gottesdienst ist anders und hat seine ganz eigene Geschichte…

Ich kenne keine Sau! Nur Jesus, der im Altarraum am Kreuz vor mir hängt, kennt mich ganz gut. Nungut, trotzdem gehe ich immer wieder um 18 Uhr in diese Kirche. Es ist nicht mal meine Gemeinde. Ich muss eine halbe Stunde mit dem Bus bis zur Epiphanienkirche in Hamburg fahren und sitze dann zwischen fremden Gesichtern auf der Kirchenbank. Das ist nicht unangenehm, schließlich haben mich die kontroversen Themen zu „skandalösen“ Personen in den Gottesdienst gelockt.

Ich habe schon mit Bridget Bardot gebetet, mit Yoko Ono und John Lennon im Bett gelegen und mit Janis Joplin einen Mercedes gekauft. Natürlich rein hypothetisch! Jetzt geht es um Keith Richards und um „Rock ’n’ Roll will never die!“

In den 50-er Jahren als Rock ’n’ Roll noch von Chuck Berry oder Buddy Holly gesungen wurde, entwickelte sich die Musik je nach Gesellschaftsschicht, Ethik und geografischer Region. Doch durch die entstandene Popularität der Musik veränderte sich die Musikindustrie und Gesellschaft nachhaltig. Und weil Rock ’n’ Roll Musikstile wie Rhythm And Blues und Gospel vereint, wird der Gottesdienst immer von einem Chor unterbrochen, der Gospellieder singt.

Auf  der Ablage, wo sonst Bibel oder Gesangbuch liegen, schaut mich das Konterfei von Keith höchst persönlich an. Er hat seine Gitarre umgeschnallt, röhrt ins Mikro und sieht gar nicht gesund aus: „I can’t get no satisfaction“! Auf der Rückseite dieses Flyers steht frei nach Psalm 150: „Haut auf die Pauke und schlagt in die Saiten! Dreht die Verstärker auf Laut!“ Keith kriegt das ganz gut hin. Zusammen mit Mick und zwei anderen ist er ein Teil der Rolling Stones. Alleine hätte Keith den Rock ’n’ Roll wohl nicht wuppen können! Das ist auch die Aussage von Pastor Michael Ellendorff, der einmal im Monat den Sternstunden Gottesdienst gestaltet. Er spricht davon, dass Rock’n’Roll nur zusammen geht, dass Rock ’n’ Roll nicht rostet und dass Elvis wahrscheinlich noch im Himmel rockt.

Jetzt kommt Pastor Ellendorff auf die Bibel zu sprechen. Wie er wohl den Dreh zu Keith hinbekommt? „Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“ Das klingt ganz nach einem handfesten Streit zwischen Keith Richards und Mick Jagger. Ganz nach dem Motto: Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll ist diese Aussage aber nicht. Sie steht im zweiten Kapitel des Johannesevangeliums. Hier geht es um die Hochzeit zu Kana. Die Geschichte ist, so Pastor Ellendorff, ein Gleichnis für Glaube und ewiges Leben. Genauso wie Rock ’n’ Roll? Und die 12 Apostel sind die erste Rock ’n’ Roll Band????? Wie jetzt?

Pastor Michael Ellendorff erklärt das so: Glaube fängt da an, wo sich Leute zusammentun und etwas Neues wagen. Das war zumindest bei Jesus so. Bei den Rolling Stones kann man das vielleicht nicht im biblischen Sinn verstehen, sondern eher im musikalischen. Die Stones haben daran geglaubt, dass sie es schaffen können und zusammengehalten. Mit Erfolg, denn die nachfolgenden Generationen werden sicher noch die Musik der Stones hören. Auch wenn manche Leute so gar nicht auf diesen Lärm stehen. Jesus sind auch nicht alle nachgefolgt, viele standen ihm zuerst skeptisch gegenüber. Aber toll ist, wenn du dein Ding durchziehst trotz Bedenken oder Kritik von Außen. Andere, die deine Meinung teilen und schätzen, gibt es schließlich auch immer!

Natürlich gibt es im Rock ’n’ Roll noch andere Aspekte, weniger christliche. Vielleicht klingt es für dich auch arg schräg, dass Aspekte deines Glaubens mit dem Rock ’n’ Roll verglichen werden, aber vielleicht erweitert dies auch deinen Horizont. Denn das Ziel der Sternstunden Gottesdienste ist es, sich nicht auf theologischer Ebene mit dem Glauben auseinanderzusetzen, sondern mit alltäglichen Themen, um Leuten Argumente für den christlichen Glauben zu bieten, mit denen sie sich leicht anfreunden können.

Als ich nach 1 ½ Stunden aus der Kirche komme, ist es schon dunkel. Immerhin kann ich jetzt ganz ungestört meine Luftgitarre auspacken und so tun, als sei ich ein christlicher Rock ’n’ Roller. Und auf die Postkarte habe ich geschrieben, dass ich mir wünsche, dass noch mehr junge Leute zum Sternstunden Gottesdienst kommen.

Friederike Zempel


Interview mit Pastor Michael Ellendorff



[tru:] Aus welcher Intention heraus haben Sie die Gottesdienstreihe ins Leben gerufen?

Pastor Michael Ellendorff: Wir wollen Menschen ansprechen, die nicht in traditionelle Gottesdienste kommen, weil sie mit deren Formen, ihrer Sprache und Musik nicht vertraut sind. Ein Beispiel: Statistisch gesehen kaufen nur 0,2% der deutschen Bevölkerung CD’s mit Orgelmusik. Also gehen wir einen anderen Weg und bringen Gospel und Popmusik.

[tru:] Wie ist die Resonanz?
Pastor Michael Ellendorff:
Die Sternstunden gibt es seit September 2007.Sie sind also noch ziemlich neu. In diesen wenigen Monaten sind schon viele Menschen gekommen. Durch deren Rückmeldungen, die wir auch schriftlich bekommen, merken wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind und wie wir die Sternstunden weiterentwickeln müssen. Momentan bauen wir einen e-mail-Verteiler auf, um gezielt einzuladen und verschiedene Verknüpfungen zu ermöglichen.

[tru:] Sie verknüpfen einen Keith Richards, der auch durch Drogenexzesse aufgefallen ist, mit einer Bibelstelle. Ist das aus christlicher Sicht nicht kontrovers?
Pastor Michael Ellendorff:
Mit was für Leuten hat Jesus sich herumgetrieben? Da waren auch eine Menge Outlaws und schräge Vögel dabei. Dass Menschen krumme Wege gehen, gehört zum Leben dazu, bei Keith Richards wie bei allen anderen. Ehrlich gesagt, finde ich das interessanter als allzu Geradliniges.

[tru:] Wie wählen sie die Themen für den Gottesdienst aus?
Pastor Michael Ellendorff:
Die Themen liegen auf der Straße, stehen in der Zeitung und in der Bibel. Wichtig ist, dass sie Menschen unmittelbar angehen. Abstraktes, Abgehobenes und Weithergeholtes hat in den Sternstunden keinen Platz.

[tru:] Was für Themen erwarten uns noch?
Pastor Michael Ellendorff:
Demnächst geht es um Comebacks – von Howard Carpendale bis Ostern (die Auferstehung ist so etwas wie das erste Comeback). Danach noch einmal um die Rolling Stones und ihren Wunsch, einmal Jesus persönlich kennenzulernen („Just wanna see his face“).Und im Sommer um die „Große Freiheit“.


Die nächsten Sternstunden Gottesdienste finden statt am:
Sonntag 13. April 18 Uhr in der Heilandskirche Hamburg
"Comeback"
Michael Ellendorff, Thomas Hirsch-Hüffell

Das gesamte Programm findest du unter:
www.winterhude-uhlenhorst.de

Und du? Wie findest du diese Art von Gottesdienst bzw. das Predigtthema? Ist der Gotesdienst, den du besuchst auch anders?
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